Erste Sitzung mit Orden aus Bierdeckeln

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Die pointierte Büttenrede darf auch heute beim Rurberger Karneval nicht fehlen.

Rurberg. In diesen Tagen feiert der Karnevalsverein Kiescheflitscher Rurberg-Woffelsbach sein 50-jähriges Bestehen. Rita Jansen aus Rurberg kann sich als einzige noch lebende Organisatorin der 1. Karnevalssitzung am 15. Januar 1967 noch detailliert an die Anfänge des Vereins erinnern.

Sie berichtet: „Im Winter 1964 kam Richard Schröder zu mir und bat mich darum, ein Programm für den gemütlichen Abend des Schützenvereins zu erstellen. Als Alleinunterhalterin auf Hochzeiten und Festen war ich für so was bekannt.

Ich stimmte zu unter der Bedingung, dass er aus dem Schützenverein ein Team zusammenstellte, mit dem ich die angedachten Sketche und Spiele einüben konnte. Dieses Team bestand schließlich aus Richard Schröder, Paul Nellessen, H.-Josef Jansen, Ludwig Harth, Fritz Hilger und meiner Person. Die Proben fanden bei meiner Eltern in der großen Küche statt.

So gestalteten wir einige Jahre die lustigen Abende der Schützen wechselnd in den Gaststätten Mattinches, Helliesch, Krienesse und Eifelkrone. Da die Abende stets ein voller Erfolg waren, kam Richard zu mir und sagte: „Wir wollen einen Karnevalsverein gründen.“ Ich schlug ihm vor, zunächst einmal eine Karnevalssitzung für die Dorfbevölkerung im Saal Bongard zu organisieren, um zu sehen, wie die Rurberger das annehmen würden. Er war einverstanden, und wir setzten uns mit dem bewährten Team zusammen.

Sofort war klar, dass jeder von uns in die Bütt gehen musste, weil wir sonst schwerlich ein Programm auf die Beine stellen könnten. Für Richard war das kein Problem, er trat auf den Schützenabenden ja schon immer als Büttenredner auf. Paul Nellessen und H.-Josef Jansen wollten eigenständig eine Büttenrede erstellen. Ich selber war damals schon als Büttenrednerin in Hellenthal und Breinig aufgetreten und hatte entsprechendes Material.

Ludwig Harth sagte spontan: „Ich john mom Pöpche!“ Nur Fritz Hilger sperrte sich total, er könne das nicht. Aber als Ersatz wolle er uns seinen Sohn schicken, der könne gut Witze erzählen. Das war der damals zwölfjährige Nobby. Ich bestellte ihn zu uns nach Hause und ließ ihn seine vielen Witze erzählen. Die formte ich leicht um und schrieb daraus eine Büttenrede für ihn.

Für die Proben stellten wir ihn im Keller auf die Werkbank meines Vaters und setzten uns als Zuschauer davor. Meine Schwester Hermine wollte ebenfalls in die Bütt gehen und erklärte sich bereit, mit ihrer Freundin einige Tanzeinlagen nach Kassette einzustudieren. Mein Bruder Heinz und mein Verlobter Karl waren ebenfalls bereit, in die Bütt zu steigen. Für sie schrieb ich dazu geeignete Reden. Als Willi Bongard von unserem Vorhaben erfuhr, meldete er sich als Freiwilliger.

Die Männer machten den Termin mit Gretchen Bongard klar und organisierten eine Musikkapelle aus Höfen. Paul gestaltete die Plakate und hing sie im Dorf auf, Hermine bastelte aus Bierdeckeln die Orden. Ich ging noch zu Bäcker Adi Leister und bestellte 200 Mutzen. Adi verlangte aber, dass Hermine und ich ihm beim Backen halfen. Er hat uns die Mutzen dann gespendet, was der Kasse sehr gut tat. Nach der großen Generalprobe ging es dann los - ohne Elferrat und Mikrofon.

Ich führte durch das Programm in einem spanischen Kostüm, das Alfred Lutterbach von einer Montagereise mitgebracht hatte. Weil er noch so jung war, musste Nobby als erster Büttenredner auftreten. Er machte das so grandios, dass Pastor Meurer mir zurief: „Den könnt ihr nicht mehr toppen!“ Pastor Meurer ging an diesem Abend als Überraschungsredner in die Bütt, ich selber als seine neue Haushälterin. Alle machten ihre Sache gut.

Zum Schluss machten Darbieter und Zuschauer eine große Polonaise durch den Saal, und dann wurde das Tanzbein geschwungen. Natürlich war ich neugierig, wie es denn nun finanziell aussah. Richard sagte mir, dass 450 DM an Eintrittsgeld und Mutzenverkauf eingenommen wurden und die Musikkapelle genau das kostete.

Wir waren erleichtert, aber dann kam die große Ernüchterung: Gretchen Bongard verlangte Saalmiete und damit Geld, dass wir nicht eingenommen hatten. Dafür erhielt sie später den Rurseeorden! Nach dieser gelungenen Sitzung wurde dann der Verein im Frühjahr 1967 der Verein gegründet. So ist aus diesem kleinen Anfang von damals eine heute etwas Riesengroßes geworden.“

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