Erste Botschafter für Wildkatzen ausgebildet

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Häufig mit der normalen Hauskatze verwechselt: Schätzungsweise 2000 bis 3000 Wildkatzen leben in den Wäldern der Eifel. Sie sind seit langer Zeit in Deutschland als gefährdet eingestuft.

Nordeifel. Ihre genaue Zahl ist nicht bekannt, Experten gehen davon aus, dass 1000 bis 3000 Wildkatzen in den Wäldern der Eifel heimisch sind. Es sind Tiere, die auf der Roten Liste Deutschlands schon seit langer Zeit als gefährdet eingestuft sind.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Wildkatzen konsequent gejagt, was beinahe zu ihrer Ausrottung führte. Auch wenn die Jagd auf Wildkatzen verboten ist, sind sie immer noch gefährdet. So gibt es nicht mehr viele große, zusammenhängende Waldgebiete, so dass Inzucht droht und die Anfälligkeit für Krankheiten steigt.

Bevölkerung sensibilisieren

Oft kommt es auch bei der Waldnutzung zu Konflikten: Menschen wollen wandern, Radfahren oder den Wald wirtschaftlich nutzen. Um hier zu vermitteln und für die Wildkatzen möglichst große Lebensräume zu schaffen, hat das Bundesamt für Naturschutz das dreijährige Projekt „Wildkatzensprung“ ins Leben gerufen.

Am Wochenende wurden daher unter der Leitung von Dr. Christine Thiel und Andrea Andersen vom Bund für Umwelt und Naturschutz die ersten 20 „Wildkatzenbotschafter“ ausgebildet.

In einem zweitägigen Lehrgang lernten sie vieles rund um die Wildkatze, aber vor allem eines: Vermitteln. Dies sehen die Experten als nötig an, wenn die Interessen der Wildkatzen und der Waldnutzer aufeinanderprallen.

Die Wildkatzenbotschafter sollen die Bevölkerung sensibilisieren und helfen, Kompromisse herbeizuführen. Etwa wenn es darum geht, Fichtenwald zu nutzen. Wirtschaftlich sind Fichten wichtig zur Holzproduktion, sie haben jedoch keinen Unterwuchs, der Wildkatzen Schutzraum bieten könnte. Andere Bäume pflanzen muss dabei nicht unbedingt sein: Die Waldbesitzer könnten einfach Reisighaufen liegen lassen. Damit werde ein möglicher Schlafplatz für die Wildkatze geschaffen – und der Wald könne weiterhin wirtschaftlich genutzt werden.

Auf solche Konfliktsituationen wurden die Teilnehmer besonders am zweiten Tag vorbereitet. Sie sollten lernen, die Argumente der verschiedenen Parteien wie Förster, Jäger oder Freizeitsportler, nachzuvollziehen und gemeinsame Lösungen zu finden.

Mit Förster Markus Wunsch erfolgte der praktische Teil. Es ging durchs Schafbachtal zwischen Berescheid und Schleiden. Bereits dort prallten unterschiedliche Meinungen aufeinander. Diskutiert wurde etwa, auf welcher Grundlage Waldwege vielleicht gesperrt werden dürfen. Oder ob Geo-Cacher (Teilnehmer an einer Art Schnitzeljagd mit GPS-Geräten) ein Problem sind. Wunsch erzählte den staunenden Seminar-Teilnehmern, dass letztere manchmal durchaus ein Störfaktor im Wald sein könnten: Einige hätten sich doch tatsächlich, um an einen im Baum versteckten Cache zu gelangen, eine Säge besorgt und den Baum gefällt.

Die Teilnehmer widmeten sich nicht nur den möglichen Problemen. Auch Forschungsmethoden wie das Telemetrieverfahren wurden gezeigt. Während das Engagement im Naturschutz die Teilnehmer eint – hier sind die meisten bereits aktiv – sind sie beruflich ganz unterschiedlich aufgestellt. Naturführer und Nationalparkführer waren ebenso vertreten wie Lehrer und Jäger.

Toller Nebeneffekt

Einer war Frank Bohlem aus Nideggen. Er sei von den Katzen schon immer fasziniert gewesen und habe daher auch seinen Jagdschein gemacht. „So kann man die Tiere einfacher beobachten“, sagt er. Er sieht einen möglichen Ansatzpunkt, für die Wildkatze zu sensibilisieren. „Man müsste bereits bei den Jugendjägerschaften aufklären. Die Wildkatzen werden oft mit wildernden Hauskatzen verwechselt und manchmal versehentlich geschossen.“

Er erklärte, dass Hauskatzen, die sich weit genug vom Haus entfernen und etwa Singvögel wildern, tatsächlich geschossen werden dürfen. Bohlem: „Das Schießen auf Katzen sollte am besten ganz abgeschafft werden. Aber wenn man bereits genauer schulen kann, wäre das ein wichtiger Schritt.“ Dass sich viele der Teilnehmer, von denen die meisten noch keiner Wildkatze begegnet sind, schon zu eigenen, kleinen Projekten zusammenfanden, ist ein toller Nebeneffekt der Aktion.

Hand in Hand gearbeitet

„Wir haben zum Beispiel gelernt, dass Knotenzaun gefährlicher ist als Stacheldrahtzaun“, sagt das Ehepaar Lehrke, das auch Mitglied im Förderverein Nationalpark ist und bereits ein Tier aufgrund eines solchen Zaunes hat verenden sehen. Sie meinen: „Da kann man doch was machen!“ Von Anfang an arbeiteten die Teilnehmer, zu denen auch der Gemünder Hotelier Detlef Wurst gehörte, der sein Hotel eigens für die Teilnehmer zur Verfügung gestellt hatte, Hand in Hand.

In den nächsten anderthalb Jahren sollen die Teilnehmer regelmäßig nach ihren Erfolgen befragt werden. Auch über eine Art Aufbau-Seminar wird nachgedacht.

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