Er hat die halbe Eifel vermessen: Ingenieur mit 76 noch aktiv

Von: Günter Hochgürtel
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Ante Zivkovic ist seit fast genau 40 Jahren als öffentlich bestellter Vermessungsingenieur in Gemünd tätig. Trotz seiner 76 Jahre erscheint er immer noch täglich im Büro. Foto: Hochgürtel

Nordeifel. „Die Kollegen haben mich alle für verrückt erklärt, als ich mich 1976 als öffentlich bestellter Vermessungsingenieur niedergelassen habe.“ Ante Zivkovic kommentiert dies mit einem breiten Grinsen, was den Schluss nahe legt, dass er seine Entscheidung von damals nicht eine Sekunde bereut hat. Noch heute, mit 76 Jahren, arbeitet er engagiert.

Während andere Zeitgenossen seines Alters eher in Haus und Garten werkeln, ihre Enkel beaufsichtigen oder die weite Welt bereisen, erscheint der 76-Jährige fast jeden Morgen in seinem Büro in der Gemünder Marienstraße, das er sich mit seinen beiden langjährigen Angestellten Klaus Kirch und Hubert Hecker teilt.

Im Gebiet zwischen Aachen, der belgischen Grenze, Düren und Euskirchen hat Ante Zivkovic unzählige Grundstücke und Straßentrassen vermessen. Früher mit den rot-weißen Messstäben, heute mit hochmodernen GPS- und Laserinstrumenten. „Meine Kollegen wollten ja viel lieber in der Nähe der Ballungszentren arbeiten, weil dort die Grundstückspreise und damit auch die Gebühren für Vermessungen wesentlich höher liegen als in der Eifel“, erzählt der gebürtige Kroate.

Dafür war die Konkurrenz in der Eifel nicht ganz so groß. Und es waren beileibe nicht nur die geringeren Einkünfte, die andere öffentlich bestellte Vermesser abschreckten, in der Provinz zu arbeiten. Eine hügelige Landschaft wie die Eifel ist auch wesentlich schwerer zu vermessen als pfannkuchenflache Ebenen wie in der Rheinischen Bucht. Zivkovic hat sich dieser Herausforderung gestellt und seine Geräte in so ziemlich jeder Ecke der nordrhein-westfälischen Eifel und darüber hinaus zum Einsatz gebracht. „Mit der hochmodernen Ausrüstung von heute kann man ja notfalls um die Ecke messen“, scherzt er.

Zu einem seiner wichtigsten Aufträge gehörte die Vermessung der Grenzen zwischen den Kreisen Aachen, Düren und Euskirchen. Die letzte Straßentrasse, die das Gemünder Büro zu bearbeiten hatte, liegt auch schon fast 25 Jahre zurück. Damals ging es um die L249 zwischen Heimbach und Abenden. Ansonsten gehörten die umliegenden Kreis- und Kommunalverwaltung zu den Auftraggebern von Zivkovic. Natürlich umfasst das Aufgabengebiet eines bestellten Vermessers auch das Setzen und die Kontrolle von Grenzsteinen sowie die Erstellung von Lageplänen. Außerdem muss jede bauliche Veränderung auf einem Grundstück vom Vermesser dokumentiert werden, wo private Kunden ins Spiel kommen.

Mit Flurbereinigung beschäftigt

In seinen beruflichen Anfängen war der Vermessungsingenieur vor allem mit der Flurbereinigung beschäftigt. „Damals war ich noch Junggeselle und habe in Höfen gewohnt“, erinnert er sich. Studiert hat Zivkovic in Zagreb, wo er sein Studium al Diplom-Vermessungsingenieur abschloss und wenig später mit einem Kumpel einen Arbeitsvertrag in der Bundesrepublik erhielt. Das war 1967.

In Deutschland erwarb sich der junge Kroate erst einmal berufliche Erfahrungen, ehe er sich erfolgreich um eine Referendarstelle bewarb und das zweite Staatsexamen ablegte. Das befähigte ihn dazu, sich als öffentlich bestellter Vermesser selbstständig zu machen. „Dazu musste ich allerdings zuerst die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Man ist ja schließlich so etwas wie ein Staatsbeamter und Siegelträger“, so der 76-Jährige, der heute fast täglich zwischen seinem Wohnort Monschau und seinem Gemünder Büro pendelt.

Ehe Ante Zivkovic sein jetziges Büro an der Marienstraße bezog, arbeitete er in der ehemaligen Zahnarztpraxis Matzerath am Marienplatz. Seit dieser Zeit ist auch Klaus Kirch im Büro dabei. Auf seine beiden Angestellten, das betont der Ingenieur immer wieder im Gespräch, könne er sich hundertprozentig verlassen. Und im Umfeld gibt es nicht wenige Stimmen, die behaupten, Zivkovic halte den Betrieb so lange aufrecht, bis seine beiden Mitarbeiter in Rente gehen. „Solange ich noch geistig und körperlich auf der Höhe bin, arbeite ich weiter“, erklärt der Senior dazu.

Mit dem Eifeler Dialekt stand er ja zu Beginn seiner Karriere auf Kriegsfuß. „Ich habe nichts verstanden, wenn sich meine Mitarbeiter auf Platt unterhalten haben“, erzählt der Ingenieur. Sprechen kann er den hiesigen Dialekt zwar nicht, „aber ich verstehe fast alles“. Die Eifeler seien ihm zuerst mit einer gewissen Distanz begegnet. „Wenn man aber den Ring geknackt hat, findet man hier ganz ehrliche und feine Menschen.“

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