Entlang der Vennbahn verschwand das Venn

Von: rpa
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Der Eifelverein Konzen hatte kürzlich zu einer Wanderung über die alte Vennbahn-Strecke zwischen Konzen und Lammersdorf eingeladen. Die Gleise sind längst abgebaut, auf der Strecke im Hoscheiter Venn soll nun ein Teilstück der Ravel-Route eingerichtet werden. Foto: R.Palm

Konzen. Der Biber ist ein neuer „Bauherr” an der künftigen Ravel-Route zwischen Konzen und Lammersdorf: Gleich hinter dem „Bahnübergang”, dort wo einst die Vennbahn das Hoscheiter Venn erreichte, hat der Biber sein Revier eingerichtet, wie die gefällten und angenagten Weiden und das aufgestaute Wasser der Kall deutlich machen.

Ein weiterer Bewohner dort, wenn die Beobachtungen der Naturschützer zutreffen, sollen die Braunkehlchen sein. Ob auch das Birkwild im Hoscheiter Venn aktuell heimisch ist, wie Jäger und Naturschützer glauben, wird angezweifelt.

Sicher aber ist: Das Birkwild hatte einst im Hoscheiter Venn große Bestände, die dampfende Vennbahn und die intensive Jagd konnten den Bestand damals nicht gefährden, wie einst die Jäger frohlockten. Bei Tempo 40 schaffte die Vennbahn die Strecke vom Bahnhof in Lammersdorf zum Bahnhof in Konzen in 11 Minuten. Dann ab dem 1. Oktober 1905 durfte Bahn schneller fahren: Tempo 50 war erlaubt. Das bedeutete: Ein Zug brauchte von Lammersdorf nach Konzen nur noch acht Minuten, wie auch der Fahrplan von Oktober 1934 ausweist.

Kaum Höhenunterschied

Die Strecke, 4,6 km lang, war fast eben: Der Bahnhof in Lammersdorf liegt 550 m über NN, der Bahnhof in Konzen nur einen halben Meter höher - also die beste Voraussetzung für einen Radweg. Der Weg führt durch ein schöne Venn-Landschaft, durch eine „Wildnis”, ganz dicht vorbei an einem Naturschutzgebiet, dem Paustenbacher Venn - etwa 1 km lang und nur 60 Meter breit, insgesamt nur 49 Hektar groß.

Dieses Naturschutzgebiet im äußersten Nordwesten des Monschauer Heckenlandes zwischen Paustenbach im Norden und Konzen im Süden ist von „besonderer floristischer und vegetationskundlicher Bedeutung”, heißt es in einem Beitrag der Biologischen Station, die zudem herausstellt: Nur hier in dem „schmalen Streifen zwischen Vennbahntrasse und einem parallel laufenden Feldweg sind Relikte der ursprünglichen Vennvegetation erhalten”. Der überwiegende Teil des Gebietes wurde in den dreißiger Jahren systematisch drainiert und ist heute Weideland.

Einst waren das Steinleyvenn, das Paustenbacher Venn, das Hoscheiter Venn und das Kranzvenn eine Einheit. Das Venn ist auf deutscher Seite nur noch kleinflächig erhalten, das Hoscheiter Venn dehnt sich dann wie das Steinleyvenn großflächig auf belgischem Staatsgebiet aus. Auf deutscher Seite sind die Venngebiete als Naturschutzgebiete ausgewiesen: das Wollerscheider/Hoscheiter Venn (rund 180 Hektar groß), Kranzbruch und Kranzbruch-Venn (100 ha) und das Paustenbacher Venn (49 ha), dazu (im Stadtgebiet Monschau) das Naturschutzgebiet Kalltal (20 ha) und das Naturschutzgebiet Brückborn/Kranzbruch (44 ha).

Das gesamte Gebiet war einst Venn-Landschaft mit Mooren und Pingos. Der erste große Eingriff erfolgte mit dem Bau der B 258, die Napoleon einst bei seinem am 10. September 1804 per Dekret befohlen hat. Bis zum Herbst 1807 ist die Chaussee bereits bis zum Entenpfuhl in Konzen fertig.

Ein weiterer Eingriff in die (fast) unberührte Landschaft ist der Bau der Vennbahn. Anfang März 1885 waren die Schienen bereits bis Konzen verlegt; die Teilstrecke Aachen-Rothe Erde nach Monschau wurde dann am 30. Juni 1885 eröffnet. Von Rothe Erde bis Konzen sind es 41,7 km, dabei hat die Bahn einen Höhenunterschied von 336,5 Meter zu bewältigen. Und auf der Bahnstrecke herrschte reger Verkehr, wie einer Notiz über den Bahnhof in Roetgen aus dem Jahr 1910 zu entnehmen ist: „Täglich fahren 50 Züge hin und her - außer den planmäßigen Personenzügen fahren jede Woche noch sechs Arbeiterzüge.”

Und das Birkwild hat sich von diesen dampfenden und schnaubenden Zügen auf der Vennbahn nicht beunruhigen lassen. So ist in alten Jagdbüchern zu lesen, dass noch bis 1923 in den Lammersdorfer und Hoscheiter Venngebieten jährlich bis zu 20 Stück Birkwild erlegt werden konnten, ohne den Bestand zu gefährden.

Um 1950 wurde das Kranzvenn aufgeforstet, längst verschwunden waren bereits die Wacholderbäume und Büsche. Das Holz wurde genutzt, um Schinken zu räuchern. Die Venngebiete wurden nach und nach entwässert, um so Wiesen und Weideland zu gewinnen.

So hat der Simmerather Gemeinderat im November 1948 entschieden, gemeindeeigene Flächen im Paustenbacher Venn (41 Hektar) kultivieren zu lassen, um daraus landwirtschaftliche Nutzflächen zu machen.
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