Endspurt vor dem Sturm: Eine Tonne Bucheckern geerntet

Von: P. St.
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Bernd Dickmann, Leiter des Nationalparkbezirks Dedenborn, ist zufrieden mit der Bucheckern-Ernte 2014. Nach einer Zwischenstation in der Baumschule kehrt das Saatgut als kleine Pflanzen für den Fichtenunterbau nach zwei bis drei Jahren zurück in den Nationalpark Eifel. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Die Spezialfirma für Saatgut-Ernte aus dem norddeutschen Kiel hatte es eilig: Sturm und Regen waren ab Dienstagmittag in der Nordeifel angekündigt, da galt es für die Mitarbeiter des Unternehmens die Bucheckern-Ernte im Nationalpark mit einem zügigen Endspurt unter Dach und Fach zu bringen.

Die vorangegangenen, trockenen Tage waren bereits genutzt worden, um die in diesem Jahr besonders reichhaltige Ernte zu starten.

Am Dienstagvormittag wurde das Saatgut dann schleunigst in Säcke verpackt und verschiedenen Baumschulen geliefert. Hier wird das Material zunächst tiefgefroren und später ausgesät. Nach zwei bis drei Jahren gelangen die 80 bis 100 Zentimeter großen Pflanzen dann wieder zurück in den Nationalpark Eifel. Lohnaufzucht nennt man dieses Verfahren, wie Bernd Dickmann, Leiter des Nationalparkbezirks Dedenborn, vor Ort erläuterte. Ein Teil des Saatgutes wird auch umgehend in den Waldboden eingeharkt.

In diesem Jahr rieselten die Bucheckern der Altbuchenbestände im Dedenborner Wald in auffallend großen Mengen zu Boden. Die sich abzeichnende gute Ernte war für den Nationalpark, wie zuletzt vor drei Jahren, das Startsignal, um das wertvolle Gengut zur Aufzucht für künftige Pflanzungen im Großschutzgebiet zu sichern. 20 Zentner Bucheckern wurden diesmal geerntet. Dass es nur bei einem Drittel der Rekordernte von 2011 blieb, lag auch daran, dass das gut sichtbare Bucheckern-Aufkommen am Rande der Bestände sich zur Mitte hin nicht im erhofften Maße fortsetzte.

800 000 Jungpflanzen

Dennoch reicht die nun gesammelte Tonne Saatgut aus, um rund 800 000 Jungpflanzen in die Erde zu bringen. Besonders im südlichen Teil des Nationalparks soll noch massiv auf die Entwicklung des Schutzgebietes Eifel Einfluss genommen. Da es sich in der Nordeifel um einen sogenannten „Entwicklungs-Nationalpark“ handelt, hat der Mensch insgesamt 30 Jahre Zeit, der Buche wieder zur ihrer einst natürlichen Dominanz zu verhelfen. Im südlichen Nationalpark nehmen derzeit noch Fichte und Douglasie den überwiegenden Teil der Schutzgebietsfläche ein. Damit die Buche wieder die Oberhand gewinnen kann, kehrt das Saatgut Pflanzen, „die sich bereits seit Jahrtausenden an die Wachstumsbedingungen in der Eifel gewöhnen können, wieder zurück“, beschreibt Bernd Dickmann den Kreislauf des Saatgutes. Allein in den zurückliegenden zehn Jahren seit der Ausweisung des Nationalparks Eifel wurden rund eine Million junge Buchen auf 650 Hektar Fläche als Unterbau in alte Fichtenbestände gepflanzt, um damit den Wechsel einzuläuten. Dieses Prinzip funktioniert wunderbar. 98 Prozent der Buchen, die mit wenig Licht auskommen, wachsen an; allein der Wildverbiss bereitet den Nationalparkförstern Sorgen.

Überließe man, die Fichtenwälder sich selbst, wie es ja eigentlich der Gedanke des Nationalparks ist, dann könnte es schon bald zu einer Massenvermehrung des Borkenkäfers kommen, der dann die angrenzenden Wirtschaftswälder schädigen könnte.

Die Gewinnung der Bucheckern war ein eingespielter Akt. Zunächst wurden Netze unten den Bäumen ausgelegt, zusammengerollt und zur Reinigungsmaschine gezogen. Diese sortiert das brauchbare Material heraus und entfernt Blätter und Hülsen. Übrig bleibt das Saatgut, das in Säcken abgepackt und gewogen wird.

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