Endlich fließt wieder „Dedenborner Richardsley“

Von: Celine Jahns
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Winzer Timo Löhrer in seiner privatfinanzierten Weinanbauparzelle am Dedenborner Südhang zwischen bereits abgeernteten Rebstöcken der neugezüchteten und eifeltauglichen Sorte „Ortega“, die abhängig vom Wetter zehn bis 70 Liter Ertrag im Jahr bringt. Foto: Celine Jahns

Dedenborn. Für die hiesigen Witterungsverhältnisse gilt Weinbau eher als untypisch. Wenig Sonne, ein karger Boden, kalter Wind und niedrige Temperaturen erschweren es einer jeden Traube, gesund und ertragreich zu wachsen.

Aus diesem Grund hat es auch eine Weile gedauert, bis Hobbywinzer Timo Löhrer erneut einen Jahrgang seines hauseigenen Weißweins herstellen konnte. Der 34-jährige Dedenborner betreibt bereits seit 1998, neben seiner Tätigkeit als Sozialarbeiter beim ABK Hilfswerk, eine Weinbauparzelle am Dedenborner Südhang auf der sogenannten „Richardsley“ und konnte sich schon seit 2001 über die ersten Erträge freuen.

Das Geheimnis des Erfolgsrezepts trotz widriger Witterungsbedingungen ist eine frühreife Rebsorte namens „Ortega“, eine Neuzüchtung aus den Sorten Müller-Thurgau und Siegerrebe. In wärmeren Umgebungen weist diese Traube eine sehr kurze Vegetationszeit auf und damit einen süß-würzigen Geschmack mit angenehmem Säuregehalt.

Durch den kargeren, schieferhaltigen Boden in Dedenborn und die vergleichsweise wenigen Sonnenstunden reift die Ortega auf der Richardsley jedoch langsamer und ist damit auch geschmacklich differenziert.

Mit weniger Süße, dennoch mit dem gleichen angenehmen Säuregehalt und einer fruchtigen Note, hat Löhrers Weißwein eine eigene herb-trockene Note. Mit ungefähr 80° Oechsle liegt der Zuckergehalt bei 80 Gramm pro Kilogramm. Damit trägt der Dedenborner Wein das Prädikat eines Kabinettweins.

Dass Timo Löhrer, trotz dieser idealen Rebsorte, in den letzten vier Jahren auf seine Erträge verzichten musste, lag hauptsächlich an dem heftigen Spätfrost im Frühling besagter Jahre, der die Ernte fast vollständig verkümmern ließ. Zusätzlich erfreuten sich Rehe und Wespen an den Trauben, auch wenn der gelernte Schreiner mit Schutznetzen und Zuckerwasser Abhilfe zu schaffen wusste.

2015 erzielte Löhrer zum ersten Mal seit vier Jahren wieder einen – wenn auch geringeren – Ertrag von ungefähr zehn Litern, was ungefähr zehn bis zwölf Flaschen Wein ergibt.

Das ist übersichtlich im Vergleich zu seinem bis dato ertragreichsten Jahr 2010, in dem er mit 123 Kilogramm Trauben ungefähr 70 Flaschen der Eigenmarke „Dedenborner Richardsley Ortega 2010 – Weinforum Rurtal“ erzielte.

„Die Reben haben sich immer noch nicht vollständig von den Folgen des Frostes erholt, deshalb fällt der diesjährige Ertrag viel geringer aus“, sagt Löhrer. Dies sei der Klimaerwärmung zuzuschreiben, denn dank milder Winter beginne die Rebe verfrüht zu blühen und sei damit umso anfälliger für den eifeltypischen Spätfrost.

Die vorgezogene Vegetationszeit der Trauben war auch der Grund für die frühe Lese Ende September, bei der traditionsgemäß fast die ganze Familie mithalf. Timo Löhrers Vater, Josef Löhrer, kümmert sich dabei auch über die Erntezeit hinaus um die Instandhaltung des Weingartens, während in diesem Jahr Timo Löhrers Töchter, auf Grund ihrer jungen Jahre, erstmalig bei der klebrig-süßen Weinherstellung mithelfen durften. Diese fand dank guten Wetters im Hof der Familie statt.

Zunächst wurden die Trauben per Hand entstielt und anschließend gemaischt. Zur Herstellung der Maische nutzt Löhrer die kleinere Version einer hydraulischen Presse aus Großbetrieben, die die Trauben schonend presst und entsaftet, ohne Bitterstoffe aus Schale und Kernen frei zu setzten. Das Resultat wird als Most bezeichnet. Anschließend wird die Maische in einen Gärballon, eine große, bauchige Glasflasche, umgefüllt und Reinzuchthefe zugesetzt.

Für fünf bis sechs Tage gärt die Maische und es setzen sich Trübstoffe und Weinstein am Boden des Ballons ab. Diese werden dann entfernt, was in Fachkreisen als „abstechen“ bezeichnet wird.

Der unfertige Wein wird bis Weihnachten in dem Gärballon verbleiben und anschließend erneut abgestochen. Dann muss der Wein nur noch in Flaschen umgefüllt und bis zur Reifung kühl gelagert werden, ehe er im März nächsten Jahres als trinkfertig gilt.

Die ungewöhnliche Idee vom Weinanbau im kühlen Dedenborn geht auf Timo Löhrers frühe Begeisterung für diese Thematik zurück. Schon mit 13 Jahren begann er Fruchtweine herzustellen und half Bekannten in der Pfalz regelmäßig bei der Lese. Auch auf dem bekannten Weingut Dr. Deinhard durfte er weitere Erfahrungen sammeln und entschied sich schließlich 1998 für den eigenen, privatfinanzierten Weinbau auf dem Südhang in Dedenborn.

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