Nordeifel - Elektroräder erobern die Höhen der Eifel

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Elektroräder erobern die Höhen der Eifel

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
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Radfahren in der Eifel ist beliebt: Auch der Tourismus stellt sich immer mehr auf die Bedürfnisse der Zweirad-Besucher ein. Foto: P. Stollenwerk
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Uwe Kolke (Zweiter von rechts) will seine Dienstleistungen mit Blick auf den Tourismus ausbauen: Seit 2009 betreibt der 49-Jährige aus Konzen einen Fahrradverleih und kooperiert dabei mit Hotels und Gastronomen.

Nordeifel. Einen Berg geht es hinunter und anschließend wieder drei Steigungen herauf – und genau das ist das Problem für Radfahrer in der Eifel: „Am liebsten würde man das Fahrrad schon nach der ersten Steigung hinter die Hecke schmeißen“, sagt Uwe Kolke. Der 49-Jährige aus Konzen kam deshalb schon im Jahr 2009 auf die Idee, in Pedelecs zu investieren.

Die Eifel habe nun mal viele schöne Orte zu bieten, deren Besuch sich lohne. Oft seien die aber mit dem Auto oder Motorrad nicht erreichbar, zu Fuß zu weit und mit dem Fahrrad zu mühsam erreichbar. „Ein Pedelec sorgt dafür, dass man die Natur während der Fahrt in vollen Zügen genießen kann und man im Berg nicht die ganze Zeit nur darüber nachdenkt, ob man jetzt nicht doch mal absteigen und schieben soll“, sagt Kolke.

Am Anfang haben ihn noch viele belächelt und gesagt, über die Anschaffung eines solchen Rades würden sie wohl erst im Alter nachdenken. Das hielt ihn nicht davon ab, ein Elektrofahrrad speziell für die Bedingungen in der Eifel zu konzipieren. „Ein Fahrrad für die Eifel braucht vor allem gute Bremsen“, sagt Kolke. Hinzu kämen breite Reifen, um auf schlechten Straßen und Wegen auch im Nationalpark pannensicher unterwegs zu sein, eine leichte und wartungsarme Schaltung, die einen auch die Berge hochkommen lässt, einen Motor, der ausreichend leistungsstark ist sowie einen Akku, der mindestens 40 Kilometer hält.

Schon damals dachte Kolke an eine Kooperation mit Hotels und der Gastronomie. „Wer weiß schon, wo in der Eifel ein Fahrradverleih zu finden ist. Damals gab es da kaum etwas“, sagt Kolke. Seit 2010 arbeitet die Rurseetouristik mit dem Unternehmen Movelo zusammen, einem touristischen Mehrwertsystem, das ein Netz von Radwegen, Verleih- und Akkuwechselstationen anbietet. Kolke beteiligte sich daran zunächst mit einer einfachen Verleihstation mit 15 Fahrrädern. „In der Folgezeit kam es dazu, dass ich immer mehr zum Mann im Hintergrund wurde, der hilft und unterstützt wo er kann, wenn das System krankt und an die Verhältnisse in der Eifel angepasst werden muss“, sagt Kolke.

Inzwischen hat er seine Dienstleistungen mit Blick auf den Tourismus erweitert und Fahrräder für große und kleine Leute oder auch Anhänger für Kinder und Hunde in sein Angebot aufgenommen. Mit Blick auf die Gäste aus den Niederlanden hat er auch Räder mit größeren Akkus angeschafft. „Die Holländer schaffen oft die doppelte Kilometerleistung“, sagt Kolke. Ihnen wird dann auch schon mal ein zusätzlicher Akku mitgegeben.

Eine umfangreiche Einführung mit einer Probefahrt bekommen alle. „Schließlich fährt sich so ein Pedelec anders als ein normales Fahrrad, weil sie schwerer und schneller sind“, erklärt Kolke. 50 Prozent seiner Kunden sind älter als 50 Jahre. 10 Prozent sind unter 25 Jahre, 40 Prozent sind zwischen 25 und 50 Jahre. „Die Menschen im Ruhestand haben mehr Zeit und testen ausgiebig, aber die Jungen wollen auch nicht verzichten, zurzeit sinkt der Altersdurchschnitt rapide“, sagt Kolke.

70 Prozent mit Helm unterwegs

Und wie sieht es mit der Sicherheit aus? In jüngster Zeit häufen sich die Meldungen in der Region insbesondere von Senioren, die mit einem Pedelec bzw. E-Bike verunglückt sind und dabei gefährliche Verletzungen davon getragen haben, weil sie keinen Fahrradhelm trugen.

Im Juli starb in Jülich ein 81-Jähriger an seinen schweren Kopfverletzungen nachdem er mit seinem Elektrofahrrad mit einem Auto zusammen gestoßen war. Die Polizei geht davon aus, dass die Verletzungen weniger schwer ausgefallen wären, wenn er, wie immer wieder empfohlen, einen Fahrradhelm getragen hätte. Eine Woche zuvor war ebenfalls in Jülich ein 72-Jähriger Fahrer eines Elektrorades tödlich verletzt worden. Er war ohne Helm gegen die Windschutzscheibe eines Autos geprallt.

Auf die Frage, ob denn ein Helm nötig sei antwortet Kolke gerne: „Einen kaputten Helm kann man neu kaufen, den Kopf nicht. Wer nicht mit dem Kopf arbeitet, braucht aber auch keinen Helm.“ Immerhin rund 70 Prozent, die sich bei Kolke ein Fahrrad ausleihen, verzichten nicht auf den Kopfschutz. Viele davon bringen ihre eigenen mit, die anderen leihen sich einen aus. „Es kommt langsam. Meist sind es noch die Frauen, die keinen Helm wollen, oft wegen der Frisur“, sagt Kolke.

Größere Unfälle mit anschließendem Krankenhausaufenthalt gibt es nach Kolkes Auskunft etwa zwei pro Jahr. Dabei seien es weniger die älteren Radfahrer, sondern eher die unter 50-Jährigen, die verunglücken. „Die Älteren fahren vorsichtiger. Die Jüngeren übertreiben es auch gerne mal“, sagt Kolke.

Kolke hat noch viele Pläne. Dazu gehören Kurse für ältere Menschen, in denen die Teilnehmer auf die Touren mit den Pedelecs und E-Bikes vorbereitet werden. Aber auch eine Art Rikscha, um Menschen mit Behinderung die Teilnahme an Fahrradtouren zu ermöglichen, steht noch auf seiner Liste. Denn eines ist für Kolke klar: „Der Radtourismus ist im Kommen. Das hat hohes Potenzial für die Eifel.“

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