Einsicht nach dem Wink mit der Polizeikelle

Von: Mira Kleine
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Polizist Günther Kaulen misst
Polizist Günther Kaulen misst mit einer Laserpistole die Geschwindigkeit der Auto- und Kradfahrer. Die Verkehrssünder winkt sein Kollege Günther Lautsch unmittelbar mit der Polizeikelle in den Feldweg an der Hahner Foto: Mira Kleine

Lammerdorf. „Familie Strauß ist in eine Geschwindigkeitskontrolle der Polizei geraten und kommt deshalb verspätet zu Ihrem 90. Geburtstag. Ihnen herzlichen Glückwunsch und alles Gute!” Diese Zeilen schreibt Polizist Günther Schröder fein säuberlich auf einen kleinen Zettel.

Es ist eine Entschuldigung für die Verspätung des Ehepaares, die eigentlich so schnell wie möglich am Familienmittagstisch sein wollten: „Wir sollten schon vor 20 Minuten da sein”, seufzt sie, während sich eine andere Polizistin darum kümmert, dass die 90 Rosen ausreichend Sonne abbekommen und nicht verwelken.

Wie viele weitere Verkehrsteilnehmer ist das Ehepaar an diesem Sonntag mit bestem Wetter zu schnell gefahren. Hinter einer Kurve auf der Hahner Straße unterhalb der Lammersdorfer Waldsiedlung wurden sie von der Polizei Aachen angehalten. „Mit dieser Geschwindigkeitskontrolle wollen wir besonders die Zweiradunfälle verhindern”, erklärt Polizist Günther Schröder.

Die Straße sei bekannt dafür, dass dort viele Unfälle passieren, insbesondere für Jogger, Wanderer und Radfahrer sind Raser eine große Gefahr. Die meisten Verkehrssünder seien jedoch sofort einsichtig, versichert Schröder.

Wie am Monatg berichtet, ist erst am Wochenende wieder ein Kradfahrer zwischen Kesternich und Rurberg tödlich verunglückt. Obwohl die Zahl der getöteten Motorradfahrer im Bereich der Polizeibehörde Aachen gesunken ist, passieren aber vergleichsweise noch mehr Unfälle.

Im Jahr 2010 sind in der Eifel 22 Kradfahrer verunglückt, in diesem Jahr bereits (bis einschließlich August) 28 Menschen. Als Hauptgrund für diese hohe Zahl sieht Paul Kemen, Pressesprecher der Polizei Aachen, den „frühen Sommer” im April.

Auch am vergangenen Sonntag wurden insgesamt acht Motorradfahrer und elf Autofahrer, die zu schnell unterwegs waren, mit der Polizeikelle an den Rand gewunken. 32 Mal wurde gegen das Streckenverbot verstoßen.

Günther Lautsch und Günther Kaulen sind für die Lasermessung verantwortlich.

Hier ist Feingefühl gefragt: Gemessen werden Auto- sowie Kradfahrer aus einer Entfernung von 200 bis 300 Metern.

Mit der Laserpistole muss Kaulen genau das Nummernschild bei Autos und bei Motorrädern das Licht anvisieren, was bei der Schnelligkeit nicht immer einfach ist.

„Mit der Zeit bekommt man ein Auge dafür”, meint Kaulen. Fährt jemand über 70 Kilometer pro Stunde, wird die Person unmittelbar angehalten und auf den Verkehrsverstoß hingewiesen. Wer bis zwanzig Kilometer pro Stunde zu schnell unterwegs ist, wird mit einem Bußgeld verwarnt. Wenn eine noch höhere Geschwindigkeit gemessen wurde, kommt es zur Anzeige.

„Natürlich wissen wir, dass die meisten Fahrer durch Lichthupe vorgewarnt sind”, sagt Lautsch. Auch auf vielen lokalen Radiosendern werden regelmäßig die „neusten Blitzer” gemeldet.

An diesem Sonntag war auch ein Team der Verkehrssicherheitsberater dabei.

Im Polizeibus bieten sie den frisch erwischten Fahrern an, sich auf einem Laptop so genannte „Schockvideos” anzusehen.

Die Bilder vergisst man so schnell nicht mehr: Ein 21-Jähriger, der soeben angehalten wurde, zuckt regelrecht zusammen, als er auf dem Bildschirm sieht, wie ein Motorradfahrer mit voller Wucht auf den Kotflügel des Autos prallt.


Die Videos zeigen verblüffend realistisch, wie sich Unfälle abspielen. „Das ist genau die Reaktion, die wir sehen wollen”, meint die Nicole Ramjoué, zuständig für Verkehrserziehung, zu dem jungen Fahrer. „Es bringt nichts, wenn Sie wütend auf uns sind. Wir wollen nur, dass Ihnen das nie passiert!”
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