Einruhr wird zum Ort für Flüchtlinge

Von: P. St.
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Auf dem Hostertberg in Einruhr werden in Kürze bis zu 100 Flüchtlinge leben. Das Land NRW hat ein Hotelgebäude mit Panoramablick (re.) vorläufig bis Mitte September von einem Einruhrer Hotelier angemietet. Foto: P. Stollenwerk

Einruhr. Der Flüchtlingsstrom erreicht nun auch das Oberseedorf Einruhr. Ein derzeit nicht genutzter Gebäudeteil eines Hotels auf dem Hostertberg soll ab sofort als großräumige Flüchtlingsnotunterkunft genutzt werden. Das Land Nordrhein-Westfalen möchte hier kurzfristig bis zu 100 Flüchtlinge unterbringen. Schon Dienstagnachmittag könnten die ersten Personen eintreffen.

Der Bettentrakt hoch über Einruhr soll den Menschen unmittelbar nach ihrer Ankunft eine vorübergehende Unterbringung sicherstellen, ehe die Verteilung auf die einzelnen Kommunen erfolgt. Die Länder sind derzeit für jede Möglichkeit dankbar, weil viele Kapazitäten bereits erschöpft sind.

Am Montag fand unter Beteiligung der Bezirksregierung, der Städteregion und der Gemeinde Simmerath ein Ortstermin in dem Hotelgebäude statt, um unter Beachtung der Brandschutzauflagen die Höchstgrenze der Belegung festzulegen. Es müssen noch Brandmelder angebracht und Verbesserungen an den Feuerschutztüren vorgenommen werden. Sollte diese Nachrüstung umgehend erfolgen, könnten am Dienstag bereits die ersten Flüchtlinge einziehen. In dem Gebäudetrakt stehen noch etwa 90 weitere Plätze zur Verfügung. Diese können zur Zeit nicht aber genutzt werden, da hierfür umfangreichere bauliche Maßnahmen erforderlich sind.

Als am Wochenende in Einruhr bekannt wurde, dass das 600-Seelendorf sich auf eine größere Anzahl von Flüchtlingen einstellen muss, setzte eine rege Diskussion darüber ein, wie der kleine Ort mitten in der belebten Sommersaison mit dieser völlig neuen Situation umgeht.

Erst am Freitagnachmittag waren die Gemeinde Simmerath und Ortsvorsteher Christoph Poschen von der Bezirksregierung über die kurzfristig bevorstehende Ankunft der Flüchtlinge informiert worden. Einruhrs Ortsvorsteher verfasste umgehend einen Bürger-Brief, der am Samstagmorgen durch Gemeindeboten verteilt wurde, Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns schob seinen gerade begonnenen Urlaub hinaus.

Ein Einruhrer Hotelier hatte dem Land NRW sein derzeit nicht genutztes Hotelgebäude angeboten, um es als Flüchtlingsnotunterkunft des Landes NRW zu nutzen. Das Gebäude steht seit Anfang des Jahres im Zuge einer vorgesehenen Sanierung leer.

Die Bezirksregierung Köln, die die Situation als „momentan sehr angespannt“ bezeichnete, hat mit dem Hotelier zunächst einen Vertrag bis zum 15. September 2015 abgeschlossen. „Ob die Nutzung zur Unterbringung von Flüchtlingen darüber hinaus fortgesetzt wird, ist derzeit noch völlig offen“, sagt Christoph Poschen. In seinem Schreiben an die Bevölkerung erläutert der Ortsvorsteher seinen Mitbürgern die schwierige Lage bei der aktuellen Flüchtlingspolitik. Alleine an einem einzigen Tag kämen manchmal über 800 Flüchtlinge nach Nordrhein-Westfalen.

Christoph Poschen lässt in seinem Schreiben aber auch durchblicken, dass er mit dem Ablauf der Maßnahme nicht glücklich ist, nicht nur wegen der äußerst kurzfristigen Information. Poschen: „Von diesen Plänen war uns bis Freitagnachmittag ebenso wenig etwas bekannt wie von dem Umstand, dass das Objekt der Bezirksregierung Köln angeboten worden war.“

Man sei lediglich darüber informiert worden, dass Anfang dieser Woche vor Ort bei einem Behördentermin ermittelt werden solle, wie viele Flüchtlinge in dem Haus untergebracht werden könnten. Die Betreuung und Versorgung der Flüchtlinge werde von einer Firma durchgeführt, die vom Land NRW beauftragt wird.

Abschließend betont Christoph Poschen noch einmal, dass es sich „nicht um eine Angelegenheit der Gemeinde Simmerath handelt“. Vielmehr sei hier das Land NRW die treibende Kraft, um das Hotelobjekt in Einruhr für die Unterbringung der dem Land zugewiesenen Flüchtlinge vor deren Verteilung auf die einzelnen Kommunen zu nutzen.

Der Gemeinde Simmerath sind aktuell circa 150 Flüchtlinge zugewiesen, die teilweise in Lammersdorf-Langschoß und überwiegend dezentral in diversen Wohnungen in allen Orten des Gemeindegebietes untergebracht sind.

Christoph Poschen wirbt abschließend für Toleranz und Verständnis bei seinen Mitbürgern: „Einruhr ist als Tourismusort für seine Gastfreundlichkeit bekannt. Es wäre sehr schön, wenn auch die Flüchtlinge diese Gastfreundschaft genießen könnten.“

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