Einfache Menschen erzählen: Eifeler Bäcker mit Kamera an die Front

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Auf einer Fläche von rund 700 Quadratmetern befasst sich die Ausstellung im Freilichtmuseum Kommern mit dem Ersten Weltkrieg.

Kommern. Vor rund 250 Gästen eröffneten Milena Karabaic, Dezernentin Kultur und Umwelt des Landschaftsverbandes Rheinland, Staatsminister a.D. Harry Kurt Voigtsberger, Präsident der Nordrhein-Westfalen-Stiftung, und Museumsleiter Dr. Josef Mangold kürzlich im LVR-Freilichtmuseum Kommern die Ausstellung „Kriegs(er)leben im Rheinland – Zwischen Begeisterung und Verzweiflung“.

Mit mehr als 200 Exponaten, zahlreichen Inszenierungen, zeitgenössischen Ton- und Bilddokumenten sowie vielen eigens für die Ausstellung produzierten Medien ist die auf einer Fläche von rund 700 Quadratmetern gebotene Ausstellung international eine der größten musealen Sonderschauen zu Themen rund um den Ersten Weltkrieg überhaupt.

Zwischen Begeisterung und Verzweiflung: Es sind die einfachen Menschen, allesamt aus dem Rheinland, die in dieser Ausstellung ihre Kriegserlebnisse schildern – ob als Soldaten an der Front oder als Zivilisten, die in der Heimat unter den Kriegsauswirkungen gelitten haben.

Eine Fülle von Schriftstücken, Zeichnungen, Gemälden, Fotografien und anderen Dokumenten aus Privatbesitz und aus den Sammlungen des Freilichtmuseums erzählen in ergreifender Weise „Kriegsgeschichte von unten“.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Tagebuchnotizen, Skizzen und Gemälde des „Eifelmalers“ Anton Keldenich aus Großbüllesheim bei Euskirchen, der 1915 zum Dienst an der Front in den Vogesen eingezogen worden war. Aber auch Fotografien eines Bäckers aus der Eifel sind zu sehen, der seine Kamera an die Front mitgenommen hatte. Szenarien ergänzen die Bild- und Textdokumente dieser und weiterer Zeitzeugen.

Mit ihrer Thematik und der Art ihrer Präsentation erschließt sich die Ausstellung einem breiten Publikum. Dass sie vor allem junge Menschen anspricht, zeigt sowohl die Publikumsresonanz der ersten Ausstellungstage als auch die hohe Beteiligung von Jugendlichen an der Ausstellungsvorbereitung.

In einem eigenen Ausstellungsbereich „Jugendliche sehen den Krieg“ zeigen Schulen aus dem Kreis Euskirchen eigene Beiträge: Texte, selbst gestaltete Bilder, Kollagen und Installationen zu unterschiedlichen Aspekten rund um den Krieg.

Besonders eindrucksvoll wirkt der Filmbeitrag einer Schülergruppe des Emil-Fischer-Gymnasiums Euskirchen: 100 Jahre nach einer „Liebesgabenfahrt“ Euskirchener Honoratioren zu „ihren“ Kriegern an die Somme haben Schüler diese Fahrt wiederholt, haben Kriegsschauplätze und Soldatenfriedhöfe besucht und sind mit Einheimischen ins Gespräch gekommen. Über die Nachstellung der damaligen Liebesgabenfahrt ist ein ausführlicher Dokumentarfilm entstanden.

Die Zielsetzung der Ausstellung, vor allem Jugendliche zu erreichen, ihnen zu helfen, aus eigener kritischer Reflexion der Vergangenheit Lehren zu ziehen, hatte auch die Nordrhein-Westfalen-Stiftung überzeugt: Sie unterstützte das Ausstellungsprojekt mit einem beachtlichen Förderbeitrag und sicherte damit die Realisation dieser Ausstellung.

Das ganzjährig an allen Wochentagen geöffnete LVR-Freilichtmuseum Kommern zeigt die Ausstellung „Kriegs(er)leben im Rheinland“ bis zum 18. Oktober 2015.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Zudem bietet das LVR-Freilichtmuseum Kommern ein Begleitprogramm an, das ab Ende Juli auf der Museums-Website www.kommern.lvr.de nachzulesen ist.

Die Laufzeit der Ausstellung ist noch bis 18. Oktober 2015.

Die Öffnungszeiten:

1. April bis 31. Oktober 9 bis 19 Uhr; 1. November bis 31. März 10 bis 17 Uhr, 24. und 31. Dezember 10 bis 14 Uhr, 25./26. Dezember und 1. Januar 11 bis 17 Uhr.

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