Monschau - Einem großen Maler musikalisch alle Ehre erwiesen

Einem großen Maler musikalisch alle Ehre erwiesen

Von: js
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Die musikalische Leitung lag bei dem jungen aserbeidschanischen Dirigenten Fuad Ibrahimov, der sehr überzeugte. Foto: J. Schreier

Monschau. Es war eine sehr schöne und noble Geste, dass die Stadt Monschau ihrem berühmten Sohn, dem Maler Paul Siebertz, zum 100. Geburtstag nicht nur die Ausstellung im Frühjahr, sondern zudem noch ein Gedenkkonzert widmen wollte, das nun am Sonntag mit großem Erfolg aufgeführt wurde.

Die Idee von Bürgermeisterin Margareta Ritter war es dabei, dass die verschiedenen Künste sich gegenseitig spiegeln und befruchten und gleichzeitig auch den Kunststandort Monschau stärken. Dafür, dass Kunst als schöpferische Kraft auch in unserer Region weiterwirkt, sah Ritter die Tatsache an, dass in dem jungen Komponisten Anno Schreier aus Imgenbroich eine Persönlichkeit heranwuchs, die den Namen der Stadt im größeren Rahmen bekannt machen und damit sozusagen den Stab von Paul Siebertz übernehmen könnte. Von Schreier erklang dann auch ein ungewöhnliches Werk an diesem frühen Abend in der Aukirche.

Margareta Ritter begrüßte neben Städteregionsrat Helmut Etschenberg und Frau auch die beiden Söhne des Malers, Alexander und Paul Siebertz, zu einem Konzert, das die zahlreichen Besucher restlos begeisterte. Das musikalische Ereignis fand im Rahmen der Kammermusikreihe „Montjoie musicale“ statt. Diesmal war aber die Besetzung und der allgemeine Aufwand etwas größer, so dass die Aukirche als Veranstaltungsort gewählt wurde, die sich wieder einmal als akustisch und atmosphärisch wunderbar geeigneter Raum erwies.

Der künstlerische Leiter der Reihe, Florian Koltun, fand sehr geschickt die Verbindung zur Malerei von Paul Siebertz, indem er von den verschiedenen Farben des Klanges sprach, mit denen die Musik arbeitet. Auch habe einer der aufgeführten Komponisten, Edward Grieg, einen ähnlich starken Bezug zu seiner Heimatlandschaft gehabt, wie dies von Paul Siebertz in Bezug auf „seine“ Eifel und „sein“ Hohes Venn gesagt werden könne. Von diesem musikalischen Nachmittag wäre jedenfalls Paul Siebertz selber zweifellos begeistert gewesen.

Florian Koltun hatte eine Orchestervereinigung eingeladen, deren Qualität sich als hervorragend herausstellte. Es handelte sich um die Klassische Philharmonie Bonn, hier in einer Kammerbesetzung.

Als Konzertmeisterin begrüßte man die Geigerin Ervis Gega, die bereits als Solistin in einem Konzert der Reihe „Montjoie musicale“ zu erleben war. Die musikalische Leitung lag bei dem jungen aserbeidschanischen Dirigenten Fuad Ibrahimov, der sehr überzeugte.

Schon das erste Stück, Mozarts Divertimento KV 136, ließ aufhorchen. Es ist dies ein sehr bekanntes, man möchte beinahe sagen abgedroschenes Werk, dessen Motive sogar als Ansagesignale im Rundfunk benutzt werden. Aber hier erklang es in einer wunderbaren Frische wie neu. Die „musikalische Klangrede“ dieses Stücks wurde vom Dirigenten und von den Musikern in einer Lebendigkeit, Energie und Feinfühligkeit zur Darstellung gebracht, die schlechthin mitreißend war.

Dann kam das solistische Mittelstück des Nachmittags, Mozarts Konzert für zwei Klaviere, KV 365. Hier lag naturgemäß die Aufmerksamkeit auf den beiden Flügeln, die wohl mit einigem Aufwand in die Aukirche gebracht worden waren, sowie auf der Leistung der beiden Solisten. Es waren der Leiter der Kammermusikreihe, Florian Koltun, selbst, sowie seine Frau, die chinesische Pianistin Xin Wang. Vielleicht konnte man in der Tat den Eindruck haben, dass die beiden Klaviere den Gesamtklang etwas dominierten, so dass das Orchester nicht wie zuvor Glanzlichter setzen konnte. Aber die Zuhörer konnten umso genauer den intensiven musikalischen Dialog der beiden Solisten verfolgen, die sich Motive zuwarfen und ein Klanggespinst entwarfen, in dem man sich als Zuhörer gern verfing.

Orgelstück von Anno Schreier

Nach der Pause kam nun eine Überraschung in Gestalt eines Orgelstücks von Anno Schreier. Es war wohl ein bisschen schwierig gewesen, ein passendes Werk des vielbeschäftigten Imgenbroicher Komponisten für diesen Nachmittag zu finden. Tatsächlich hatte Schreier ausgerechnet am gleichen Tag die Uraufführung seines neuen Cellokonzerts, das von der Badischen Staatskapelle mit dem Solisten Julian Steckel – dem Vernehmen nach mit großem Erfolg – in Karlsruhe aus der Taufe gehoben wurde. Anno Schreier konnte deswegen auch in Monschau nicht anwesend sein.

Sein Orgelstück wurde aber kongenial von der jungen, in Linnich wirkenden Organistin Youna Park dargeboten. Es handelte sich um ein eigentlich dreisätziges Werk, von dem zwei Teile zu Gehör gebracht wurden. Der zweite Satz „Nocturne“ geht noch zurück auf Schreiers Frühzeit in Monschau. Ebenso wie beim einleitenden Stück „Aria“ hört man hier naturgemäß eine etwas andere Musiksprache als bei Mozart. Sie spiegelt auf ihre Weise die Schwierigkeiten und Probleme der heutigen Zeit wider, ließ aber doch in ihrer musikalischen Tiefe auch viel von der Hoffnung und der Sehnsucht hören, die ein sensibler junger Mensch von heute in sich trägt.

Zum Schluss des Nachmittag kehrte dann das Orchester zurück und war mit Edward Griegs „Suite im Alten Stil – Aus Holbergs Zeit“ wieder ganz in seinem Element. Auch hier: ein an sich gut bekanntes Werk wurde von den Bonner Musikern mit großem Einsatz und hoher Musikalität zu einer neuen Gegenwärtigkeit gebracht. Das überaus dankbare Publikums ließ sich zu Beifallsstürmen hinreißen.

Der große Erfolg dieses Konzerts lässt es durchaus sinnvoll erscheinen, auch auf dieser mittleren organisatorischen Ebene (gleichsam zwischen Bürgersaal und Burg) weitere Angebote zu überlegen. Auf jeden Fall hat die Stadt Monschau hiermit ihrem großen Maler Paul Siebertz alle Ehre erwiesen.

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