Eine Zuhause für Schwalben im Kuhstall

Von: ag
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Schwalbe
Sogar eine lockere Dachlatte taugt den Schwalben als Nistplatz: „Das ist mein lustigstes Nest“, sagt Landwirt Bruno Horrichs aus Mützenich. Foto: Andreas Gabbert
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Rauchschwalben nisten oft in Ställen: Bei Bruno Horrichs sind sie gern gesehene Gäste. Foto: stock/Anka Agency International

Mützenich. Im Kuhstall des Landwirtes Bruno Horrichs aus Mützenich herrscht zurzeit reger Flugbetrieb. Die Schwalben sind wieder da, und auch rund um Haus und Hof sind sie dabei, Nester zu bauen oder auszubessern und Nahrung für die Jungen zu jagen. Es zwitschert an jeder Ecke.

Rund ein Dutzend Nester haben die Mehlschwalben gebaut, die Rauchschwalben in etwa die doppelte Anzahl. „In guten Jahren sind bis 120 Vögel im Stall“, sagt Horrichs, der den Hof am Steinbüchel nun schon 31 Jahre lang bewirtschaftet. Schwalben hat es auf dem Bauernhof schon immer gegeben. „Ich kenn das gar nicht anders“, sagt Horrichs.

Früher war das ein normales Bild in den Eifeler Scheunen. Doch die Schwalben werden immer weniger. Ein Grund dafür ist, dass sie kaum noch Nistmöglichkeiten finden. Früher fanden mehrere Rauchschwalben in jedem Kuhstall Platz, heute sind die Ställe oft verschlossen, oder es gibt sie gar nicht mehr. „Die Intensivierung der Landwirtschaft, zunehmende Hygieneanforderungen, die starke Versiegelung der Landschaft und die Sanierung vieler Gebäude machen ihnen zu schaffen“, sagt Thorsten Wiegers, Sprecher des Naturschutzbundes (Nabu) NRW.

Nicht asphaltierte Feldwege und Hofeinfahrten – ideale Orte für die Schwalben, um feuchten Lehm für den Nestbau zu sammeln – seien inzwischen eine Seltenheit. Außerdem würden Nester der Mehlschwalben an den Hausfassaden oft überzogenen Hygienevorstellungen zum Opfer fallen. Als Folge davon würden genügend Brutmöglichkeiten fehlen und die Nahrungsgrundlage ginge zurück.

„Die Nester der Schwalben sind laut Bundesnaturschutzgesetz geschützt und dürfen grundsätzlich nicht beschädigt oder abgeschlagen werden“, erklärt Wiegers. Trotzdem verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Vögel ständig. Die Konsequenz ist, dass die Mehlschwalbe auf der Roten Liste der Brutvögel Nordrhein-Westfalens als gefährdet eingestuft wird. Für die Rauchschwalbe gilt das schon länger.

Bruno Horrichs freut sich, wenn die Schwalben im Frühjahr zurück kommen und bietet ihnen gerne Raum zum Leben. Dafür wurde er vom Nabu als schwalbenfreundlicher Hofbesitzer ausgezeichnet. Zudem hat Horrichs auch Vorteile durch die Schwalben am Haus und in den Ställen.

„Die Fliegen belästigen meine Kühe und beißen sie beim Melken. Dann schlagen die Kühe das Melkzeug ab und verhalten sich unruhig. Da kann jeder Bauer ein Lied von singen. In der Regel reichen die Schwalben aus, um die Fliegen deutlich zu dezimieren“, sagt Horrichs. Im Gegenzug lässt er, wenn es zu trocken ist, das Wasser laufen, um eine Matschkuhle feucht zu halten. Das brauchen die Schwalben zum Nestbau und zur Körperpflege. Manchmal tummeln sich dann bis zu 50 Tiere an der Kuhle.

Bald geht es richtig los

Die ersten Rauchschwalben sind in diesem Jahr am 10. April in Mützenich angekommen. „Zwischendurch sind die auch noch zweimal weggeflogen. Immer dann, wenn es kalt wurde“, erzählt Horrichs. Die Mehlschwalben sind etwas später gekommen, dafür aber auch gleich geblieben. Inzwischen füttern sie schon die ersten Jungen.

Viele Nester sind bei Horrichs schon seit Jahrzehnten belegt. „Die gucken, ob die Nester noch da sind. Ansonsten werden die Plätze neu verteilt. Oft wollen die Jungtiere auch in die Nester, in denen sie geboren wurden, dort finden sie aber nur Unterschlupf, wenn die Eltern umgekommen sind“, erzählt der 52-Jährige. Manchmal fällt auch ein Nest herunter. „Das ist nur schlimm, wenn die Brut drin ist. Sonst wird eben neu gebaut.“

Die Zahl der Schwalben, die den Weg nach Mützenich zu Bruno Horrichs finden, variiert von Jahr zu Jahr. „Das ist ein Auf und Ab. Wenn viele wegfliegen, heißt das nicht automatisch, dass auch viele zurückkommen“, sagt Horrichs.

Schon jetzt zwitschert es überall. Richtig los geht es aber, wenn die erste Brut durch ist und die zweiten Eier da sind. „Die Jungen haben dann kein Nest mehr und hocken im Stall auf den Balken“, sagt Horrichs. Noch sei aber das Nahrungsangebot nicht optimal. „Wegen des kalten Mais gibt es noch nicht so viele Fliegen. Wenn es gewittrig und schwül wird, geht es hier richtig los.“ Zurzeit sieht er die Schwalben öfter auf den Weiden, wo sie sich die Mistfliegen von den Kuhfladen holen.

In der Regel brüten die Schwalben zweimal im Jahr, manchmal auch dreimal. Damit sei in diesem Jahr aber nicht zu rechnen, sagt der Landwirt. Ab September würden sich die Eltern nur noch auf wenige oder einzelne Tiere konzentrieren. „Der Rest verendet, das ist schon grausam.“ Damit die Tiere auch dann noch ausreichend Nahrung finden, lässt Horrichs das Licht im Stall länger an. „Dann können die länger über die Kühe fliegen und Insekten fangen.“

Wenn das Nahrungsangebot immer knapper wird, naht der Abschied der Schwalben. „Die verabschieden sich oft wochenweise. Aber nie in einer geschlossenen Gruppe“, berichtet Horrichs.

Wenn die Vögel dann im nächsten Frühjahr wieder zurückkommen, freut sich auch Bruno Horrichs. Schließlich bringen die Schwalben sprichwörtlich das Glück an die Häuser.

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