Eine Wiese wird zum Forschungslabor

Von: Andreas Gabbert
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Der Forscher Nils Borchard hat seine Messgeräte auf einem Feld bei Rollesbroich aufgebaut: Mit ihrer Hilfe untersucht er die Intensität der CO2-Abgabe des Bodens sowie die Aktivität der Mikroorganismen, um verlässlichere Klima-Modelle zu entwickeln. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Es wirkt als habe eine Weltraumexpedition ihre Gerätschaften auf dem Feld an der K 32 in der Nähe von Rollesbroich zurückgelassen. Masten mit Antennen sind dort aufgestellt, schwarze Schläuche ziehen sich durch den Boden, von einer silbernen Metallbox führen sie zu Geräten, die an einen hypermodernen, futuristischen Schnellkochtopf erinnern. Mit einem leisen Surren senkt sich der Deckel dieses seltsamen Gerätes ab und schließt über dem Boden luftdicht ab. Diese Prozedur wiederholt sich im Stundenrhythmus. Nein, Außerirdische sind hier nicht gelandet, hier läuft ein großes Forschungsprojekt. Es geht um den Boden und seine Auswirkungen auf das Klima.

„Kochtöpfe“ sammeln Daten

Dr. Nils Borchard lässt die Tür des weißen VW-Transportes an dem der Schriftzug des Forschungszentrums Jülich prangt ins Schloss fallen und marschiert mit einem Laptop unter dem Arm zu der silbernen Metallkiste herüber. Er zieht einen Schlüsselbund aus der Tasche, fummelt den richtigen Schlüssel heraus und öffnet das Vorhängeschloss, mit dem der Behälter gesichert ist. Zum Vorschein kommen noch mehr technische Geräte, Kabel, Computerzeug. Borchard schließt seinen Computer an und liest die Daten aus, die die „Kochtöpfe“ gesammelt haben, bei Bedarf korrigiert er die Einstellungen oder wechselt Teile aus, dann geht es weiter zur nächsten Kiste.

Von „Kochtöpfen“ würde Borchard natürlich niemals sprechen. Er nennt sie Kammern. Mit ihrer Hilfe untersucht er die Intensität der CO2-Abgabe des Bodens sowie die Aktivität der Mikroorganismen und die Rolle der Pflanzenwurzeln bei diesem Prozess. Der Boden ist nämlich ein riesiger CO2-Speicher. Damit spielt er auch im Rahmen des Klimawandels eine wichtige Rolle. Der Erdboden einschließlich der Vegetation ist eine der wichtigsten Komponenten des Klimasystems. Sie regelt maßgeblich, wie und in welcher Form die Sonnenenergie der Atmosphäre zugeführt wird. Der Boden ist mit ausschlaggebend für die Bildung von Wolken und Gewittern und damit auch für die Wettervorhersage wichtig. Boden und Vegetation entwickeln im Wechselspiel mit der Atmosphäre das bodennahe Klima und gestalten damit unmittelbar den wichtigsten Raum für das Leben auf der Erde und damit auch für den Menschen.

Wie verhält sich der Kohlenstoff im Boden, wenn sich Temperatur, Feuchtigkeit oder die Art der Nutzung verändern? Das sind Fragen, die den Wissenschaftler Borchard beschäftigen. „Wir wissen nicht genau, wie sich das Gesamtsystem im Rahmen des Klimawandels verhält. Dieses Projekt soll dabei helfen, die Wechselwirkungen besser zu verstehen“, erklärt er. Die in Rollesbroich gewonnenen Erkenntnisse sollen dabei helfen, bessere Modelle zu entwickeln und genauere Vorhersagen treffen zu können.

Universitäten arbeiten zusammen

Nils Borchard ist aber bei weitem nicht der einzige Wissenschaftler, der auf dem Feld bei Rollesbroich seine Forschungen betreibt. Die Zusammenhänge zwischen Bodenbeschaffenheit und Klima sind Gegenstand eines Sonderforschungsprojekts der Universitäten Aachen, Bonn und Köln sowie des Forschungszentrums in Jülich. Das Projekt trägt den Namen TR 32 (Sonderforschungsbereich/Transregio 32 „Patterns in Soil-Vegetation-Atmosphere Systems: Monitoring, Modelling and Data Assimilation“) und vereint die Forscher verschiedener Disziplinen unter einem Dach. Meteorologen sind dabei, Geophysiker, Mathematiker, Geografen wie Borchard, die den Boden untersuchen, und Hydrologen, die den Weg des Wassers im Boden verfolgen. Verschiedene wissenschaftliche Welten treffen hier in Rollesbroich auf dem Feld aufeinander und befruchten sich gegenseitig.

Die wesentliche Forschungsarbeit erfolgt dabei durch Doktoranden. Die jungen Wissenschaftler werden in das breite Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen, die in dem Forschungsprojekt vertreten sind, eingeführt. Dies hilft ihnen neben der eingehenden technischen und wissenschaftlichen Ausbildung in ihrem spezifischen Forschungsgebiet, ihr eigenes, professionelles Netzwerk aufzubauen. „Dieses Projekt ist für junge Wissenschaftler eine sehr gute Möglichkeit sich zu profilieren“, meint auch Borchard.

Der 35-Jährige hat in Berlin Geografie studiert und in Bonn seinen Doktor gemacht. Dort lebt er heute mit seiner Familie. Täglich pendelt er zu seiner Arbeitsstelle nach Jülich zum Forschungszentrum und in der Vegetationsphase einmal wöchentlich auch in die Eifel, um die Kammern zu kontrollieren, die den Wissenschaftlern helfen sollen, den Klimawandel besser zu verstehen.

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