Eine wichtige Etappe für das „Haus für Menschen in Not“

Von: Andreas Gabbert
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Zahlreiche Bürger waren zum Richtfest am „Haus für Menschen in Not“ gekommen: Nachdem der Zimmermann den Richtspruch verlesen hatte, konnten sie sich bei einem Rundgang einen ersten Eindruck von dem Gebäude verschaffen. Foto: A. Gabbert

Roetgen. Die Bauarbeiten für das „Haus für Menschen in Not“ an der Pilgerbornstraße in Roetgen waren nach der Grundsteinlegung Ende November trotz einer witterungsbedingten mehrwöchigen Unterbrechung im Januar zügig vorangeschritten, so dass die Roetgener Bürger jetzt schon das Richtfest feiern konnten.

Als am Donnerstagabend die ersten Gäste eintrafen, wurde auch noch gehämmert, gesägt und gekehrt. Rund 75 Personen waren gekommen, um den Abschluss einer wichtigen Etappe dieses außergewöhnlichen Projektes zu feiern und sich bei einem Rundgang durch das Gebäude einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Als im Jahr 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen und nach Lösungen für die Unterbringung dieser Menschen gesucht wurde, hatten die Roetgener Bürger selbst die Initiative ergriffen. Nachdem die ersten Pläne für ein neues Flüchtlingswohnheim an der Pilgerbornstraße als Ersatz für die Unterkunft auf dem Kuhberg der Öffentlichkeit vorgestellt worden waren, wurde der Verein Ende April 2016 im Rahmen einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates „aus der Mitte der Bürgerschaft“ heraus gegründet, wie es in einer gemeinsamen Presseerklärung des Vereins und der Gemeinde Roetgen hieß.

Der Verein sei aus dem Gemeinderat und dem Flüchtlingsrat heraus gebildet worden, „um ein positives Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für die Werte zu setzen, die uns Deutsche und Europäer heute ausmachen, nicht zuletzt Menschlichkeit und Solidarität“. Man wolle ein „Haus für Menschen in Not“ bauen, „gegenwärtig vor allem für Flüchtlinge, langfristig aber für alle, die in Not geraten sind“, hatte der Verein erklärt.

Innerhalb von drei Monaten hatten über 200 Bürger dann mehr als 250.000 Euro als Spende und Bürgerdarlehen dem eigens gegründeten Verein „Roetgen hilft Menschen in Not“ zur Verfügung gestellt. 38.157 Euro wurden dem Verein gespendet, 86.500 Euro wurden als Darlehen zur Verfügung gestellt. 30.000 Euro kamen durch Bürgschaften zustande und weitere 100.000 Euro durch Zwischenfinanzierungsmittel (kurzfristige Darlehen während der Bauphase). Die Gesamtkosten für das Wohnheim liegen mit Nebenkosten und den Kosten für den Einbau einer Küche bei rund 690.000 Euro. 532.000 Euro davon stellt die NRW-Bank als Darlehen zur Verfügung. Das Unternehmen Innogy beteiligte sich mit 28.000 Euro an den Kosten von 51.000 Euro für die Installation einer Solaranlage und einer Wärmepumpe. Die Gemeinde hatte das Grundstück an der Pilgerbornstraße erworben und dann verpachtet.

„Zuerst haben wir gesagt, Roetgen, wir schaffen das. Heute sagen wir, Roetgen, wir feiern das“, sagte der Vorsitzende des Vereins „Roetgen hilft Menschen in Not“, Bernhard Müller, zur Begrüßung der Gäste. Müller hatte beim Bau die Federführung übernommen, wofür ihm in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates von allen Fraktionen gedankt wurde. „Sie selber sind alle Beteiligte. Schauen Sie, ob es richtig gemacht wurde“, lud Müller die Gäste zur Besichtigung der Baustelle ein.

Bürgermeister Jorma Klauss hatte Salz und Brot als Geschenk mitgebracht, das er stellvertretend für alle Beteiligten an Müller überreichte. Er dankte allen, die sich bei diesem Projekt engagiert haben und hob das außergewöhnliche Engagement der Bürger hervor. „Viele schauen, wie es sich entwickelt – nicht nur im Ort, sondern auch darüber hinaus“, sagte Klauss. Die Bürger der Gemeinde hätten durch ihr „super Engagement, das Roetgen in vielen Dingen auszeichnet, etwas geschaffen, das es sonst so wahrscheinlich nicht gibt“, erklärte Klauss. Müller zeigte sich stolz auf das gemeinsam Erreichte. „Jetzt ist klar, dass wir es schaffen. Wichtig ist, dass das Haus jetzt steht“, sagte Müller.

Fertiggestellt wird das Haus voraussichtlich im Sommer dieses Jahres. Dann soll es über fünf Sozialwohnungen mit je zwei Zimmern und einem Betreuungszimmer verfügen. Auf 311 Quadratmetern soll es Platz für 15 bis 20 Personen bieten, in Notzeiten kurzfristig auch für mehr Personen.

Die Zahl der unterzubringenden Personen wird von den Anwohnern nach wie vor skeptisch gesehen. Der Vorsitzende der benachbarten Siedlungsgemeinschaft, Elmar Willemsen, hatte beim Richtfest aber auch viel Lob für das Projekt übrig. Das Haus sei schön geworden, die Baustelle sei gut organisiert gewesen und die Kontakte zwischen Gemeindeverwaltung und den Anwohnern seien positiv gewesen. „Den Rest werden wir sehen, wenn hier Menschen wohnen“, erklärte Willemsen auf Nachfrage.

Nach der Fertigstellung wird die Gemeinde Roetgen das Gebäude mieten und für Menschen in Not zur Verfügung stellen.

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