Roetgen - Eine normale Familie mit sieben Kindern

Eine normale Familie mit sieben Kindern

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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An Nachwuchs mangelt es nicht in der Familie Alpmann: Im Namen von Bundespräsident Joachim Gauck überreichte Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss jetzt für das siebte Kind Valentin eine Patenschaftsurkunde. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Die Familie Alpmann ist ganz schön gewachsen. Im Laufe der Jahre ist sie immer größer geworden. Mit fast pünktlicher Regelmäßigkeit stellte sich neuer Nachwuchs ein, und irgendwann musste der große Esstisch in der Küche mit Hilfe einer Anbauplatte verlängert werden.

Jetzt haben die sieben Kinder genug Platz: Isabel (8), Emily (6), Annemarie (5), Frederic (4), Caroline (2) Benjamin (1), Valentin (4 Monate) und selbstverständlich auch Papa Thomas-Ferdinand (52) und Mutter Rebecca (38). Bei vier Mädchen und drei Jungen ist in der Runde für eine gute Mischung gesorgt.

Familie Alpmann, die seit dem Jahr 2009 im Roetgener Neubaugebiet Wiedevenn wohnt, ist eigentlich eine ganz normale Familie. Ihr Auto ist vielleicht ein bisschen größer, und die Einkäufe im Geschäft fallen in der Regel etwas umfangreicher aus, aber ansonsten fällt sie nicht aus dem Rahmen, sieht man einmal von der Tatsache ab, dass sieben Kinder in der heutigen Zeit die absolute Ausnahme bilden.

Im Bundesdurchschnitt bringt eine Frau heute 1,5 Kinder zur Welt. Zum Vergleich: Nur 0,1 Prozent aller Mütter in Deutschland hatte 2010 laut Statistischem Bundesamt sieben Kinder oder mehr. Da liegt die Familie Alpmann also ganz weit vorne.

Wenn man das Haus betritt, dann glaubt man auf den ersten Blick nicht, das man sich in einer Wohnung aufhält, in der neun Personen, darunter überwiegend Kleinkinder, leben. Es ist ruhig, aufgeräumt, niemand schreit (vielleicht hin und wieder das Baby) und irgendwie scheint alles seine Ordnung zu haben. Da kann man beim Betreten von Wohnungen mit einem Kind und einem Haustier von durchaus anderen Erlebnissen berichten.

Die Familie Alpmann möchte keinen Sonderstatus besitzen, aber in der gesellschaftlichen Wahrnehmung bildet sie dennoch eine Art Sehenswürdigkeit – zumindest aber eine herausragende Erscheinung. Das sieht man auch an höchster Stelle im Lande nicht anders. Nach der Geburt von Valentin am 2. Februar 2016 beantragte man bei Bundespräsident Joachim Gauck eine Ehrenpatenschaft, die dieser ab dem siebten Kinder übernimmt.

Dem Roetgener Bürgermeister Jorma Klauss kam nun die Ehre zuteil, der Familie Alpmann im Auftrag des Bundespräsidenten die Patenschaftsurkunde zu überreichen, eine „außerordentlich schöne Aufgabe“, die ihm in seiner Zeit als Bürgermeister wohl nicht mehr so schnell begegnen werde, wie der erster Repräsentant der Gemeinde Roetgen wohl richtig feststellte.

Im Kreise der komplett anwesenden Familie war der offizielle Teil schnell abgehandelt, und Jorma Klauss war begeistert von der Tatsache, „dass sie die Gemeinde Roetgen mit so vielen Kindern bereichern“. Ohnehin verfüge die Gemeinde ja schon über den den höchsten Anteil an unter 18-Jährigen in der gesamten Städteregion.

Vor sieben Jahren zog die Familie Alpmann, damals mit zwei kleinen Kindern, von Kerpen nach Roetgen, noch nicht ahnend, dass die Doppelhaushälfte im Wiedevenn bald zu eng sein würde. Thomas-Ferdinand Alpmann wechselte zu diesem Zeitpunkt als Lehrer ans Monschauer Gymnasium. Aber ebenso wie Ehefrau Rebecca, die ebenfalls als Lehrerin tätig ist, machen beide Elternteile von der Möglichkeit der Elternzeit Gebrauch und teilen sich die Arbeit im Haushalt und bei der Kindererziehung.

Roetgen als kinderfreundliche Gemeinde und zudem ganz von Wald umgeben war eine bewusste Wahl zum Wohnen, und die Familie wurde nicht enttäuscht, zumal sich auch das Umfeld als sympathisch erwies. Bei sieben Kindern kann es schon mal etwas lauter werden, „aber die Nachbarschaft ist wirklich toll“, sagen die Eltern. Nur dass sich im Wohngebiet viele Autofahrer nicht am Tempo 30 halten würden, empfinden sie als Ärgernis.

Die ursprüngliche Familienplanung der Alpmanns war einmal von drei Kindern ausgegangen. „Dann aber merkten wir, dass die Kinder immer pflegeleichter wurden“, lacht der Vater, so dass die Ziele der Familienplanung nach oben korrigiert wurden.

Auch wenn es im Haus räumlich inzwischen etwas enger geworden ist, ist der soziale Friede nicht gefährdet. „Wir rücken einfach alle ein bisschen zusammen“, sagt Mutter Rebecca, die das Raumproblem erst noch kommen sieht, „wenn die Kinder älter werden“.

Das konzentrierte Zusammenleben aber hat auch viele Vorteile. Es fehlt nie an einem Spielpartner, und die Kinder lernen schnell, dass zum Streiten auch Versöhnen gehört. Viele Konflikte werden untereinander geregelt, und vieles regelt sich von selbst – anders geht es auch gar nicht.

Thomas-Ferdinand Alpmann kann anderen Eltern nur Mut machen, eine Großfamilie zu gründen. „Es funktioniert und ist eine wirkliche Bereicherung. Das Lebenskino wird um einiges spannender.“ Das kann auch die Mutter nur bestätigen, der wohl bewusst ist, „dass es ein Geschenk ist, sieben gesunde Kinder bekommen zu haben“.

In der Öffentlichkeit ist die Familie Alpmann in kompletter Stärke ein Blickpunkt. Oft stellt man fest, „dass Leute, die uns begegnen, verwundert stehen bleiben, sich umdrehen und erst einmal durchzählen.“

Es dauert selbstverständlich auch seine Zeit, bis bei einem Ausflug alle reisefertig sind. Da müssen die Eltern erfahrungsgemäß etwa eine Stunde Vorlaufzeit einplanen, ehe dann alle im VW-Bus Platz genommen haben. Der Fahrer darf sich unterdessen glücklich schätzen, dass er keinen Personenbeförderungsschein vorlegen muss. Bis zu acht Personen dürfen mit einem normalen Führerschein transportiert werden.

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