Einruhr - Eine neue „St. Nikolaus“ für den Rursee: Besuch auf der Werft

Eine neue „St. Nikolaus“ für den Rursee: Besuch auf der Werft

Von: Peter Stollenwerk
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Ein Team der Rurseeschifffahrt mit Geschäftsführer Franz-Josef Heuken (re.) an der Spitze informierte sich jetzt vor Ort über den Fortgang der Arbeiten am neuen Fahrgastschiff. Foto: Peter Stollenwerk
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In seiner späteren Form schon gut zu erkennen ist das neue Schiff, das derzeit auf der Lux-Werft in Mondorf bei Bonn konstruiert wird. Foto: Peter Stollenwerk
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In seiner späteren Form schon gut zu erkennen ist das neue Schiff, das derzeit auf der Lux-Werft in Mondorf bei Bonn konstruiert wird. Foto: Peter Stollenwerk
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Elegant, komfortabel und barrierefrei: So sieht die neue „St. Nikolaus“ aus, die für die Rurseeschifffahrt ab der Saison 2018 auf dem Obersee in See sticht. Foto: Peter Stollenwerk

Einruhr. Zum vertrauten Bild der Eifeler Seenplatte gehört seit Jahrzehnten die weiße Flotte der Rurseeschifffahrt. Millionen von Fahrgästen haben bereits bei einer gemütlichen Fahrt auf den insgesamt vier Fahrgastschiffen auf Rursee und Obersee die idyllische Mittelgebirgslandschaft der Nordeifel genossen.

Zur Saison 2018 nimmt die Rurseeschifffahrt nun kräftig Fahrt auf, denn ab Ende März 2018 wird ein neues Schiff in See stechen, die hier seit Mitte der 1970er verkehrende „Eifel“ ablösen und sich zur ebenfalls noch recht neuen „Seensucht“ gesellen.

Das neue Fahrgastschiff befindet sich derzeit im Bau, und auch wenn noch nicht alle Details geklärt sind, steht der Name des neuen Flaggschiffes schon fest: „St. Nikolaus“ wird es heißen und damit an die fast 60-jährige Schifffahrtstradition auf dem Obersee anknüpfen.

Noch aber liegt die neue „St. Nikolaus“ direkt am Rheinufer bei Kilometer 660 in einer großen Halle der Lux-Werft in Mondorf. Seit Juli befindet sie sich im Bau und nimmt langsam Gestalt an. „Das sieht ja aus wie ein Schiff“, freute sich Herbert Harth (72), Urgestein bei der Rurseeschifffahrt, als jetzt ein Team des Unternehmens die Werft besuchte, um sich vor Ort einen Eindruck vom neuen Schiff zu verschaffen.

Über 50 Jahre war Harth als Kapitän auf dem Rursee unterwegs, und immer noch greift man gerne auf seine Dienste und seine Erfahrung zurück. Der eingerüstete graue Koloss lässt schon ahnen, dass hier bald ein elegantes Fahrgastschiff mit begehbarem Achterdeck vom Stapel laufen wird. Überall sprühen Funken vom grauen Stahlkörper hinunter auf den Boden der Werkshalle, denn das fünf Millimeter starke Stahlblech für den Rumpf muss geglättet werden.

Investition in die Zukunft

Auch Franz-Josef Heuken, Geschäftsführer der Rurseeschifffahrt, mustert zufrieden den Schiffs-Rohbau: „Das ist eine Investition in die Zukunft“ sagt er, die allerdings auch ihren Preis hat. „Nicht unter siebenstellig“, beantwortet Heuken nicht ganz konkret die Frage nach den Kosten, aber er und die rund 30 Mitarbeiter der Ruseeschifffahrt wissen, „dass diese Investition nötig war“, auch weil die „Eifel“ bei aller Nostalgie von der fahrgastfreundlicheren „Seensucht“ inzwischen ausgestochen wurde. Die Namensgebung war übrigens schnell entschieden: „,St. Nikolaus' ist ein schöner Name, und wir erhalten die Tradition aufrecht“, sagt Heuken.

Das erste Fahrgastschiff mit dem Namen „St. Nikolaus“ (nach dem Schutzheiligen der Seefahrer getauft) kam 1961 auf den Obersee und war im Jahr 2014 außer Betrieb genommen worden. Heute verkehrt es auf dem österreichischen Traunsee als Eventschiff. Ersetzt worden war die „St. Nikolaus“ durch den modernen und etwas kantigen Katamaran „Seensucht“.

Viele Menschen in Einruhr hatten damals wehmütig den Abschied vom kleinsten Schiff der Rurseeflotte und auch vom Verlust des Namens Abschied genommen, hatten sie doch stets die besondere Beziehung zum Dorf am See gesehen, dessen Pfarrpatron auch „St. Nikolaus“ ist.

Nun kehrt die „St. Nikolaus“ in anderer Gestalt wieder auf den Obersee zurück, wenn auch deutlich größer, komfortabler und barrierefrei. Die häufig von Fahrgästen vermissten Bordtoiletten fehlen ebenfalls nicht.

Vogelsang bringt Gäste

Auch mit Blick auf den anhaltenden touristischen Aufschwung rund um den Rursee wagt Franz-Josef Heuken die kostspielige Neuanschaffung: „Vogelsang hat uns und der Region sehr viel gebracht“. Der Besuch der ehemaligen Ordensburg werde von vielen Gästen gerne mit einem Ausflug auf der weißen Flotte verknüpft. Das war auch in der nun zu Ende gehenden Saison nicht anders. Rund 250.000 Fahrgäste nutzten das Angebot der Rurseeschifffahrt, allein 120.000 davon schipperten über den Obersee.

„Der Obersee ist der Renner“, sagt Heuken, der sich beim Besuch der Werft, wie auch seine mitreisenden Schiffsführer, diesmal lieber den kleinen Detailfragen widmet, die das neue Schiff betreffen. Soll auf eine Tischreihe auf dem Deck verzichtet werden und wie lässt sich der Stauraum im Schiffsrumpf effektiv nutzen? In einem Punkt lässt Heuken allerdings keine Diskussion zu: „Ich will keine Flaggenkette über dem Schiff. Das sieht aus wie 50er-Jahre-Kirmes“, stellt er klar.

Das neue Schiff wird nach dem Plan der Rurseeschifffahrt und den Vorschlägen der praxiserprobten Mitarbeiter gebaut. Bei der 1945 gegründete Lux-Werft, die schon über 200 Fahrgast- und Fährschiffe gebaut hat, darunter einen Raddampfer, der auf dem Ammersee fährt, oder das Galerieschiff „Kristallkönigin“ für die Donauschifffahrt, weiß man, worauf es ankommt. Das Unternehmen betreibt seit 60 Jahren auf dem Biggesee und anderen Gewässern im Sauerland eine eigene touristische Schifffahrt. Die „St. Nikolaus“ trägt die Baunummer 214, und ehe sie auf einem Tieflader in die Eifel transportiert wird, wird sie auf dem Rhein getestet: „Wenn sie auf dem Rhein schwimmt, dann klappt das auch auf dem Obersee“, lacht Franz-Josef Heuken.

Transport nächstes Frühjahr

Mehr als die Schwimmfähigkeit beschäftigt Elmar Miebach allerdings der Transport des Schiffes in die Eifel im nächsten Frühjahr. Der 54-Jährige ist Geschäftsführer bei der Lux-Werft mit ihren 50 Beschäftigten hat die rund 80 Kilometer lange Strecke zum Eiserbachdamm nach Rurberg, wo die „St. Nikolaus“ zu Wasser gelassen wird, schon mehrmals abgefahren. Einige Brücken und Kreisverkehre sind problematisch, aber nicht unüberwindbar. Schwierig wird das letzte Stücke von Vogelsang über die Bundesstraße 266 hinunter nach Einruhr: „Da gibt es eine enge Serpentine, die mir Sorgen macht“, sagt Miebach.

Aber auch diese enge Kurve wird letztlich der Schiffstaufe der neuen „St. Nikolaus“ wohl nicht im Wege stehen. Die Vorfreude der Obersee-Mannschaft der Rurseeschifffahrt ist jedenfalls jetzt schon riesig oder um es mit den Worten von Schiffsführer Ralf Keppler nach dem Werftbesuch auszudrücken: „Ich bin hemmungslos begeistert!“

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