Eine Eule ist nicht immer eine Eule

Von: Günter Krings
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Die Scheck-Tageule ist eine ungewöhnliche Eule, zum einen, weil sie kein Vogel ist, zum anderen, weil sie anders als die meisten der Eulenfalter nicht nachtaktiv ist, sondern, wie ihr Name ausdrückt, am Tag Nachrung und Sexualpartner sucht – auch in der Eifel. Foto: Günter Krings

Nordeifel. Wenn jemand das Wort „Eule“ hört, stellt er sich in den meisten Fällen einen größeren Vogel mit aufgeplustertem Gefieder vor. Aber das ist nicht immer der Fall. Kenner von Schmetterlingen nennen eine Familie dieser Insekten „Eulen“. Das ist eine große Gruppe von Faltern, die bis auf wenige Ausnahmen nachtaktiv sind und deshalb von den meisten Menschen überhaupt noch nicht wahrgenommen wurden.

Eine tagaktive Art der Eulenfalter in unserer Heimat ist die Scheck-Tageule, die zumindest im Gebiet des Nationalparks zu finden ist.

Sie hat graubraune Vorderflügel, die mit weißen Flecken durchzogen sind. Der Hinterleib weist weiße Ringe auf. Sie leben auf naturnahen Wiesen, Trockenrasen und an Waldrändern und meiden stark bewirtschaftete und gedüngte Flächen. Im Frühsommer, also Ende Mai und im Juni, fliegt der Falter tagsüber umher auf der Sache nach Nahrung und Sexualpartnern.

Die zweite Generation ist aktiv in den Monaten Juli bis August. Die Falter suchen Nahrung auf vielen Blütenpflanzen, die Raupen sind etwas wählerischer in der Nahrungsaufnahme: Rotklee, Flügelginster, Steinklee, Vogelwicke. Die Überwinterung der Scheck-Tageule erfolgt als Puppe, die am Boden liegt oder an einer Pflanze hängt.

Von den Insekten nun zur Vogelwelt: Auch Ornithologen, die sich schon seit Jahrzehnten mit der Vogelwelt unserer Region beschäftigt haben, kamen in dieser Brutsaison aus dem Staunen nicht heraus. Die Landung von drei Gänsegeiern, die aus Südeuropa hier eingeflogen waren, aber natürlich nicht hier mit einer Brut begonnen hatten, konnte beobachtet werden. Und es kam zu einem Durchflug eines Mönchsgeiers, zusammen mit drei Gänsegeiern, am 15. Juni über der Dreiborner Hochfläche. Diese Vögel können eine Flügelspannweite von fast drei Metern erreichen und sind die größte Geierart in Europa.

Ein südeuropäischer Gast

Weitaus weniger auffällig, aber vom ornithologischen Gesichtspunkt aus betrachtet durchaus sehr interessant, war die erste Beobachtung einer Brillengrasmücke in unserer Region, ebenfalls am 15. Juni auf der Dreiborner Hochfläche. Einige Dutzend Ornithologen aus ganz Deutschland sind da wohl angereist, um diese Rarität zu beobachten, die sonst nur auf der iberischen Halbinsel und in der Provence zu beobachten ist. Bis zum 9. Juli wurde fast täglich dort ein Männchen vorgefunden. Ein Weibchen und eine Brut konnten nicht nachgewiesen werden.

Während der häufige Turmfalke sich bei der Jagd fast ausschließlich auf Mäuse spezialisiert hat, jagt der seltene Baumfalke größere Insekten und Kleinvögel. Dieser Zugvogel wurde in unserer Region in diesem Frühjahr beobachtet an der oberen Kall, im NSG Lenzbach bei Paustenbach, im Bereich des oberen Tiefenbachtales, in der Flur Brückborn bei Konzen und im Bereich Laufenbach-Hatzevenn.

In diesem Frühjahr wurden im Mai und Juni auch wieder einige Braunkehlchen entdeckt, und zwar im oberen Kalltal, im Bereich Lenzbach und im Paustenbacher Venn. Ob dieser kleine Singvogel allerdings erfolgreich hier gebrütet hatte, blieb unklar.

In der Nähe der Gisges Harth zwischen Simmerath und Konzen und im Bereich des Michelshofes bei Steckenborn konnten auf Querrohren von Hochspannungsmasten fütternde Feldsperlinge beobachtet werden. Zwischen dem Michelshof und dem Sportplatz Strauch waren in mindestens fünf dieser Querrohre Nester von Feldsperlingen. Rufende Hohltauben wurden nur im Gebiet des Forstes Dedenborn vernommen.

Kiebitze brüten erfolgreich

Nach vielen Jahren wurde in diesem Jahr auch wieder die erfolgreiche Brut von Kiebitzen notiert. Seit Anfang Mai wurde im oberen Kalltal ein Paar dieser Wiesenvögel beobachtet, und am 17. Juni führte dieses Paar dann drei Jungvögel.

Der Schwarzstorch brütet mit Sicherheit im Nationalpark, aber vermutlich auch noch an mehreren anderen Stellen. Insgesamt dürften in dieser Brutsaison ungefähr 85 verschiedene Vogelarten in unserer Region gebrütet haben. Weiterhin nicht vertreten als Brutvogel sind Grauspecht und Rebhuhn, sehr selten mittlerweile Feldlerche und Rauchschwalbe.

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