Ein unschätzbarer Vorteil des Kleinseins

Von: ag
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Eröffneten die kulturelle Saison im KuK.: V.l. Dr. Nina Mika-Helfmeier, Katharina Kreß, Helmut Etschenberg sowie die Künstler Anja Voigt, Dieter Call und Steffi Westermayer. Foto: Andreas Gabbert

Monschau. Im Kunst- und Kulturzentrum (KuK) des Kreises Aachen wurde jetzt mit der Ausstellung „Wo ist hier” von Dieter Call, Anja Voigt und Steffi Westermayer die kulturelle Saison eröffnet.

Dieter Call lebt in Konzen und hat mit Voigt und Westermayer an der Kunsthochschule Saarbrücken bei Prof. Wolfgang Nestler aus Kalterherberg studiert. „Die drei befreundeten Künstler wussten worauf sie sich einließen, war ihnen das KuK doch schon aus der Aktion 100 Bilder für Monschau bekannt”, sagte Kreisdirektor Helmut Etschenberg vor rund 40 Interessierten, die zur Eröffnung gekommen waren, in seinem Grußwort.

Damit meinte er „die schönen und für ein künstlerisches Raumkonzept spannenden Räume”, aber auch das Publikum der ländlichen Eifel. Ländlich bedeute nicht immer Kleinstadtidylle, verbunden mit Friedfertigkeit.

Die Ausstellung sei nicht nur als Präsentation der Arbeiten der Künstler zu verstehen. Die Entdeckungen in der Monschauer Umgebung und die Erfahrungen, die sie zwischen den Eifeldörfern und den Industrieanlagen der Völklinger Hütte, wo sie ihren Arbeitsplatz haben, sammeln konnten, hätten das Konzept für die Ausstellung beeinflusst und geprägt.

Das Besondere erkennen

Dort, wo die Künstlerinnen und Künstler Motive aufgriffen, die den Charakter der Region mitbestimmen, suche auch das KuK seine Identität, sagte Etschenberg und zitierte den Aachener Baumeister Ludwig Mies van der Rohe mit dem Ausspruch: „Small is beautiful” (Klein ist schön), womit er weniger die Tugend der Demut, sondern vielmehr die Vorzüge des Standortes, des Kleinseins, gemeint habe. Dies seien auch die Vorzüge des Kunst- und Kulturzentrums, das sich im ländlichen Raum ein wenig in einem „Ausnahmezustand” befinde, einem Zustand, der fast jedem Kunstschaffenden sehr wohl vertraut sei - ein Schweben zwischen Realität und Fiktion.

Einen weiteren Vorteil des Kleinseins erkannte er auch in dem „fast unbemerkten Streben nach Neuem verbunden mit einer Suche nach Öffnung. Klein sei auch die Stadt, in der sich das KuK befinde, aber die Horizonte führten durchaus in Weite. „Als Bürger der Stadt hoffe ich sehr, die Stadt Monschau erkennt das Besondere der kulturellen Bestrebungen des KuK, das sie sie würdigt und unterstützt und sich weiter in Richtung âKulturstadt aus Berufung´ entwickelt”, so der Kreisdirektor. Sein besonderer Dank galt der Leiterin des KuK, Dr. Nina Mika-Helfmeier, der das Haus durch ihr „großes persönliches Engagement von ganzen Herzen ” seine Existenz in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verdanken habe.

Anschließend gab die Kunsthistorikerin Katharina Kreß dem Publikum eine kleine Einführung in die Ausstellung. Demnach befindet sich im Erdgeschoss der Kern der Ausstellung, „sozusagen das Basislager, von wo aus auf innere und äußere Reisen gegangen wird”.

Dort finden sich u.a. Scherenschnitte von Dieter Call, eine Lochkameraserie von Anja Voigt und Installationen von Steffi Westermayer sowie eine Videoinstallation von Call und Voigt. Der verbindende Ort, das gemeinsame Atelier sei sehr präsent, die Arbeitssituation werde in eine Präsentation transportiert, der Ort selbst in dieses andere Hier überführt, erklärte Kreß.

Neue Fixpunkte

Auf dem Weg in das Obergeschoss begebe der Betrachter sich dann auf eine Reise, initiert, begleitet und gerahmt durch Arbeiten von Steffi Westermayer. Im Zentrum des Obergeschosses findet sich eine Installation aus Landvermessungsstangen, die von Fotoserien begleitet wird.

Wie zu Vermessungsarbeiten standen die Stangen bereits in Saarbrücken und hier in Monschau. „Sie gaben neue Orientierungs- und Fixpunkte, lenkten gleichzeitig die Bewegung von Passanten und mit ihr auch Blickwinkel.”

Eine veränderte Wahrnehmung, ein anderer Blick könne die Welt des ein oder anderen verändern, der Ort „flirre” mit der Wahrnehmung und werfe die Frage auf: Wo ist hier.
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