Nordeifel - Ein Polizist mit „guter preußischer Ausbildung”

Ein Polizist mit „guter preußischer Ausbildung”

Von: Kaspar Vallot
Letzte Aktualisierung:
Das Tuchschererhaus und das ge
Das Tuchschererhaus und das gegenüberliegende Volksschulgebäude im Rosenthal dienten zweitweise der Monschauer Schuljugend.

Nordeifel. Als zum „Wiederaufbau des Monschauer Landes” aufgerufen wurde, herrschte zunächst allgemeine Ratlosigkeit. Wie sollte da vorgegangen werden? Wer konnte und wer durfte Hand anlegen? Wer sollte diesen Wiederaufbau steuern? Bedurfte es dazu nicht einer Verwaltung, besetzt mit geschultem Personal?

Für eine „Branche” fand die US-Kommandantur schon Sommer 1945 eine Lösung. Sie erteilte die Weisung, eine „Kreispolizei” einzurichten. Chef dieser Behörde wurde der Roetgener Polizeiwachtmeister Peters, der alle Voraussetzungen für dieses Amt erfüllte. Er war weder in der Partei gewesen, noch war er im Herbst 1944 geflohen, zudem besaß er eine gute preußische Ausbildung.

Prämiengelder gezahlt?

Schnell bei der Hand war auch eine „Feuer-Versicherungs-Gesellschaft”, die in Monschau eine Agentur unterhalten hatte. Die Gesellschaft überraschte Bürgermeister Walter Scheibler mit der Botschaft, im Kreis Monschau wieder aktiv zu werden. Diese Absicht lasse sich, gewiss auch zum Nutzen der Monschauer, jedoch nur realisieren, wenn eine Auflage der US-Kommandantur erfüllte werde: Ein Barkapital von 100.000 Reichsmark nachzuweisen.

Die Firma bat den Bürgermeister, doch einmal nachzuforschen, ob während der Kriegswirren noch Prämiengelder an die Monschauer Agentur gezahlt worden seien. Der Bürgermeister schrieb zu diesem Vorgang in einem späteren Bericht, er sei „froh gewesen”, schon im Frühjahr 1946 nach Aachen melden zu können, mancher Monschauer habe seine Prämien trotz allem bezahlt. Überwältigend kann diese Zahlungsbereitschaft allerdings nicht gewesen sein, denn es waren ganze 5000 Reichsmark, die der Gesellschaft aus Monschau zuflossen, für den Bürgermeister indes „ein wesentlicher Betrag zum Wiederaufbau der Gesellschaft”.

Schwieriger war es für Landrat Scheibler, die von den alliierten Soldaten freigegebenen Diensträume im Landratsamt mit Personal zu besetzen. Eingerichtet wurden eine Kasse, das Ernährungsamt und das Bauamt. Behörden, denen die Engländer aber schon bald die personellen Flügel stutzten. Kaum eingestellte Beamte wurden schon bald reihenweise entlassen, weil sie tatsächlich oder vermeintlich der „Partei” angehört hatten, wobei die Besatzungs-Offiziere mitunter keinen Unterschied zwischen „Partei” und „DRK” machten.

So wurden der Leiter der Oberschule, Oberstudienrat Bouschery, ebenso der Leiter des Bauamtes, Bauingenieur Hermanns, der Chef des Ernährungsamtes, Heinrich Jansen, „und viele andere”, so stand es in einem Protokoll zu lesen, entlassen. Darauf folgend, wurde der Verdacht geäußert, dass es der Besatzung darum gehe, „den Wiederaufbau möglichst lange hinauszuschieben und zu sabotieren”.

Dennoch: Es wurde Stein auf Stein gesetzt. Sparkassendirektor E. Förster hatte sich auf die Fährte Monschauer Nazigrößen geheftet und in Altkirchen im Westwald „Sparkassenbücher und mancherlei andere Unterlagen” aufgestöbert.

Diese Unterlagen waren im Tresor der örtlichen Sparkasse deponiert worden und im Altenkircher Landesamt fand Förster sogar die Personalakte der Monschauer Kreisverwaltung. Überall schauten sich Monschauer „Spione” um, so auch in Bensberg. Nach Bensberg hatte der Monschauer Bürgermeister Schumacher bei seiner Flucht aus Monschau die Bücher des Standesamtes und die Einwohnerkartei mitgehen lassen. Sogar der Monschauer Feuerwehrwagen, in dem sich Parteigenossen aus Monschau abgesetzt hatten, konnte in seine Heimatgarage überführt werden.

An Buß- und Bettag wurde gearbeitet

Auch die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) kam wieder auf die Füße. Sie kündigte schon im Herbst 1945 an, „den Erkrankten und ihren Familien wieder Beistand gewähren” zu können. Allzu üppig müssen die Hilfen allerdings nicht ausgefallen sein, denn ihr Bestand an „Barmitteln und Sparbüchern” wurde von der AOK mit 40.000 Reichsmark angegeben.

Ab und zu versuchten auch deutsche Bedienstete, das einzusetzen, was die „Befehlsgewalt” genannt wurde. So ordnete der Aachener Regierungspräsident Philipp Lude an, dass der auf den 21. November 1946 fallende kirchliche Buß- und Bettag „für den Bezirk Aachen aufgehoben und zum Arbeitstag erklärt” sei.

Mit der Obrigkeit eher wenig am Hut

Aber wer gab schon etwas um derartige Verordnungen aus deutscher Feder! An diesem „Arbeits- und Feiertag” wurde gewerkelt und gebastelt. So auch auf dem Anwesen eines Dedenborners, dem deutsche Beamte nichts anhaben konnte. Der pfiffige Dedenborner hatte nämlich mit amerikanischen Soldaten ein Abkommen getroffen, das beide Seiten verpflichtete.

Der Deutsche hatte den Soldaten täglich frische Milch sowie nicht minder frische Eier zu liefern, die Soldaten garantierten ihm dafür jeglichen Schutz vor behördlichen An- und Übergriffen.

Wer als Deutscher alliierte Soldaten in dieser Form im Rücken wusste, konnte ohne Risiko missachten, was deutsche Stellen verfügten. So war dann auch der Besuch „kläglich”, als die Belegschafts- und Betriebsführer aller Monschauer Betriebe zu einer Versammlung in die Turnhalle beordert wurden. Noch dünner war die Beteiligung an einem Streik, der zu einer bessern Behandlung der Bediensteten führen sollte.

Dazu stand in der Zeitung zu lesen: „Arbeiter, die früher einmal den christlichen Gewerkschaften angehört hatten, wollten sich nicht wieder an Gewerkschaften und Parteien binden. Die sind schon bedient! ”

Tägliche Schulspeisung

Bedeutend besser war das Echo, das kirchliche Verbände und die Gemeinden mit der Einladung auslösten, die Schulkinder sollten an einer täglichen Schulspeisung teilnehmen, für die amerikanischen Lebensmittel zur Verfügung standen. Die „nahrhaften Suppen” gab es in den Jahren von 1946 bis 1949 täglich, gegen einen Beitrag von zehn Pfennig, also fünf Cent, pro Suppe.

Ein Kapitel für sich war das Schicksal der Höheren Schule, des Gymnasiums also, über das Kunibert Hammerschmidt, Lehrer aus Höfen, im Almanach „Heimatland” berichtet hat. Danach war das Gymnasium von Herbst 1944 bis Herbst 1945 geschlossen. Weil englische Militäreinheiten das während des Krieges benutzte Schulgebäude besetzt hatten, zog das Gymnasium zur Volkshochschule.

Die Regelung: Jede Schulform unterrichtet eine halbe Woche vormittags und eine halbe Woche nachmittags. Als Ausweichräume standen Schulen, der Sitzungsaal des Stadtrates, das Alumnat und das evangelische Pfarrhaus zur Verfügung. Über eine Bibliothek konnte man nicht mehr verfügen. Als Grund gibt Kunibert Hammerschmidt an: „Die Bücherei war mit den Schulmöbeln zusammen von den Soldaten in die Rur geworfen worden.” (Wird fortgesetzt)
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert