Ein Paradies, weit weg von jedem Handynetz

Von: Barbara Berger
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Auf dem kleinen Weihnachtsmarkt, den der Förderverein Auenland-Mulartshütte veranstaltet, können Kinder und Erwachsene in den Tipis noch kleine Weihnachtsgeschenke erwerben. Foto: Barbara Berger

Mulartshütte. Kein Verkehrslärm stört. Stattdessen toben Kinder ausgelassen auf der großen Wiese, bolzen stundenlang selbstvergessen auf dem Fußballfeld oder lassen einfach die Seele baumeln.

Selbst jetzt im Winter fällt es dem Betrachter nicht schwer, sich vorzustellen, dass der Familien- und Jugendbildungshof „Auenland” in Mulartshütte gerade im Sommer ein Paradies für jede Kinderseele sein muss.

Weit weg von jedem Handynetz und der künstlichen Realität, die die heimische Spielekonsole vorgaukelt, liegt er am Rande des Dorfes und lockt vor allem mit zwei Dingen: viel Natur und frischer Luft.

Eine zarte Schneedecke hat sich jetzt über das „Auenland” gelegt und leichter Glühweinduft lockt die Besucher zu dem kleinen Weihnachtsmarkt, den der Förderverein Auenland-Mulartshütte pünktlich zum Fest auf die Beine gestellt hat. Der Erlös des Marktes soll dem Kindergarten Rott gespendet werden. Aber auch das Auenland freut sich über Spenden.

Der Name ist kein Zufall

Nicht zufällig erinnert der Name der sozialen Einrichtung, die sich vor allem zum Ziel gesetzt hat Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen eine neue Chance zu bieten, an das märchenhafte Auenland aus Tolkiens „Der Herr der Ringe”.

„Als wir Anfang 2008 überlegt haben, wie wir unsere Einrichtung nennen wollen, schauten wir uns auf dem Gelände um, und der Name kam uns spontan in den Sinn, weil es hier genauso aussieht wie im Buch beschrieben”, erinnert sich der Eschweiler Zoran Medic, der gemeinsam mit Diplom-Pädagoge Roland Lommen und Ingenieur Volker Almstedt die Idee zu dem Sozialprojekt lieferte.

Gemeinsam erwarben sie das 45.000 Quadratmeter große Areal, das vormals Angestellten der Aseag als Erholungszentrum diente. Heute basiert das Konzept des Auenlandes auf zwei wesentlichen Pfeilern, erläutert Fördervereinsvorsitzende Ragnhild Fuchs. „Der Hof soll grundsätzlich allen Vereinen und Familien zur Verfügung stehen, die für Feste oder ihren Urlaub einen Ort der Erholung zu erschwinglichen Preisen suchen.” Das gelte vor allem für finanziell schwächer Gestellte, ergänzt Medic, „teilweise haben wir Familien zu Besuch, die Urlaub nur vom Erzählen kennen”.

Aber natürlich seien auch andere Gruppen herzlich willkommen. Während die Kinder in drei riesigen Tipis Indianer spielen, mit Waldpädagogin Anke Bilda auf Erkundungstour gehen oder die anderen Nutzungsmöglichkeiten des Hofes ausloten, können sich die Erwachsenen am Lagerfeuer oder in den gemütlichen Gemeinschaftsräumen entspannt zurücklehnen. „Verloren geht hier keiner”, verspricht Zoran Medic, der auch als Geschäftsführer und Verwalter des Hofes fungiert, lachend.

Besonders am Herzen liegt den Verantwortlichen, die sich fast alle ehrenamtlich engagieren, aber die Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen. In Zusammenarbeit mit der Arge Aachen bietet das Auenland beispielsweisen jedes Jahr sechs Ausbildungsstellen im Garten- und Landschaftsbau für junge Menschen, die sich noch nicht in einem Beruf etablieren konnten und „Schwierigkeiten haben, in das normale Arbeitsleben hinein zu finden”, so Medic. Klar, das sei manchmal eine schwierige Klientel, gibt er zu, aber „unsere Jugendlichen bleiben dabei, während sie anderswo abbrechen”, versichert er stolz.

Und auch für die Zeit nach der Lehre versucht das Auenland vorzusorgen: „Wir schicken unsere Auszubildenden zu anderen Firmen, mit denen wir kooperieren. So steigen die Chance, dass sie im Anschluss übernommen werden”, so der Geschäftsführer.

Zusammen mit Jugendlichen des Kinder- und Jugendhilfeprojekts „Kaspar-X” aus Aachen hat er die gesamte Anlage auf Vordermann gebracht. Entstanden sind gemütliche Sechsbettzimmer, ausgekleidet mit hellem Holz. In den Gemeinschaftsräumen sorgen Kamine für eine behagliche Atmosphäre. Die baldige Sanierung des noch aus Aseag-Zeiten stammenden Freibades ist fest im Terminkalender eingeplant.

Insgesamt erscheint die Anlage sehr gepflegt, was nicht erstaunt wenn man von Waldpädagogin Anke Bilda hört, dass „viel Herzblut” eingeflossen sei.

So viel Engagement wird belohnt: „Die Wochenenden des nächsten Jahres sind fast komplett ausgebucht”, freut sich Ragnhild Fuchs. Nur während der Woche würden sich die Betreiber gern noch mehr Gäste wünschen, beispielsweise Schulklassen, Vereine oder Betriebsfeiern.
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