Ein neues Energiezeitalter in Simmerath?

Von: Peter Stollenwerk
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Noch wächst zwischen Strauch
Noch wächst zwischen Strauch und Schmidt der Mais, doch wenn die Pla nungen verwirklicht werden, den entsteht wischen Zäunchen und Parkplatz ein Oberbecken, das dreimal so groß wie die Kalltalsperre ist. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath/Städteregion. In zehn Jahren könnte die Energiewelt in Simmerath völlig anders aussehen: Auf den Wiesen im Bereich Am Zäunchen/Michelshof bei Strauch glitzert ein See, der dreimal so groß wie Kalltalsperre ist, und über dem Fichtenbestand des Lammersdorfer Waldes drehen sich an die 20 Windräder, deren Flügelspitzen am höchsten Punkt über 180 Meter in den Himmel ragen.

Dieses Szenario ist keinem Science Fiction-Film entnommen, sondern existiert als Planunterlage beim in Aachen ansässigen Stadtwerkeverbund Trianel, der in der vorigen Woche das 700 Millionen-Projekt im Rathaus Simmerath vorstellte.

Trianel ist eine Tochtergesellschaft der Aachener Stadtwerke (Stawag), die das Vorhaben am Dienstagabend in der Hauptschule Simmerath der interessierten Öffentlichkeit vorstellen will .

Die beiden Großprojekte zur Erzeugung von Ökostrom in der Nordeifel sind zwar noch weit von der Umsetzung entfernt, aber laut Trianel-Projektleiter Markus Hakes ist Simmerath als Standort für die insgesamt über dreiviertel Milliarde Euro umfassende Investition sehr gut im Rennen, auch wenn bundesweit insgesamt 12 Standorte untersucht werden.

Trianel plant am Rursee bei Woffelsbach ein riesiges Wasserspeicherkraftwerk (es soll sich um die bundesweit viertgrößte Anlage handeln), desweiteren möchte Stawag-Solar mit weiteren Partnern im Lammersdorfer Wald einen neuen Windpark mit 15 bis 20 Anlagen errichten.

2015 fällt der Baubeschluss

Ein Baubeschluss soll aber erst frühestens 2015 fallen. Das Kraftwerk würde 2019 an Netz gehen. Die Planungen sehen vor, hinter Strauch (in Richtung Schmidt gesehen links der Landstraße ein Oberbecken mit rund sieben Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen zu bauen. Die Grünflächen bis zum Parkplatz Buhlert und auch Teile des Waldes würden dafür benötigt.

Wenn man bedenkt, dass die Kalltalsperre rund 2,1 Millionen Kubikmeter Wasser fasst, lässt sich erahnen, dass hier eine kleine Tagebau-Aktion erforderlich ist, um das knapp 50 Hektar große Oberbecken auszubaggern. Das Erdreich soll zu einem zehn bis 15 Meter hohen Uferwall aufgeschüttet werden.

In dieses Becken soll dann Wasser aus dem Rursee über einen rund drei Kilometer langen Stollen gepumpt werden. Der Rursee verfügt zwar über ein Stauvolumen von 200 Millionen Kubikmeter, so dass nur etwa 3,5 Prozent des Inhaltes vorübergehend abgezogen würden, aber je nach Stauhöhe des Rursees kann der Wasserspiegel bei Betrieb des Kraftwerks um bis zu zwei Meter schwanken.

Ein Speicher-Kraftwerk arbeitet nach einem leicht nachvollziehbaren System: Das hochgepumpte Wasser stürzt bei Strombedarf über den Stollen hinab in eine Turbine, die über einen Transformator Strom erzeugt, während bei geringer Nachfrage und gleichzeitiger Stromeinspeisung durch den Windpark das Wasser wieder ins Oberbecken zurückgepumpt würde. Der Stollen wird teilweise in über 100 Meter Tiefe gegraben, Geräuschbelästigungen wird es also nicht geben.

Bei der geplanten Ökostrom-Produktion in Simmerath ist der Windpark im Lammersdorfer Wald das zweite Standbein. Kraftwerk und Windpark zusammen könnten im günstigsten Falle zusammen rund 460.000 Haushalte mit Strom versorgen - also die gesamte Städteregion mit Aachen und zum Teil umliegende Kreisen.

Der neue Windpark mit derzeit 17 geplanten Anlagen von 186 Meter Höhe könnten sich schon in zwei bis drei Jahren drehen. Zwei Voraussetzungen sind dabei besonders wichtig: Der Standort muss einem Umweltverträglichkeitsgutachten standhalten, und es muss ein Konsens mit den Gesellschaftern des Windparks Strauch-Michelshof hergestellt werden, denn das Oberbecken wird die meisten der sieben hier stehenden Anlagen verdrängen. Ein Ausgleich könnte im neuen Windpark Lammersdorf stattfinden, wo eventuell ebenfalls eine finanzielle Beteiligung der Bevölkerung angeboten wird.

„Für viele Dinge beginnen jetzt die Vorprüfungen”, sieht auch Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns einer für Simmerath spannenden Zeit als „Modellkommune der Energiewende”entgegen. Wichtig sei aus seiner Sicht, dass der Gemeinderat einstimmig ein positives Signal gesetzt habe, und auch die FDP trotz ihrer kritischen Betrachtung der Windenergie einer Prüfung der Machbarkeit am Standort Lammersdorf zugestimmt habe. Hermanns: „Eine solche Einmütigkeit in der Politik ist nicht selbstverständlich.”

Auch die Interessen der Rurseenutzer spielten beim Projekt eine wichtige Rolle. Mit dem Wasserverband Eifel-Rur müsse man ausloten, was möglich ist.” Die touristische Nutzung des Rursees müsse erhalten bleiben. „Hochpumpen und Ablassen müssen genau reguliert werden.” Durch das Oberbecken, blickt der Bürgermeister in die Zukunft, könne sich zudem eine weitere touristische Nutzung dieser neuen Wasserfläche ergeben. Außerdem sei geplant, die beeindruckende Technik der Turbinen mit ihrem sehr hohen Wirkungsgrad (80 Prozent gewonnener Energie stehen 20 Prozent Verbrauch gegenüber) zur ständigen Besichtigung freizugeben. Ebenso müssten auch Gespräche mit der Landwirtschaft geführt werden, da in Strauch beträchtliche Flächen, die die Gemeinde verpachtet hat, verloren gingen.

Und schließlich müssten auch für die Gemeinde Simmerath selbst „die Rahmenbedingungen stimmen.” Will heißen, dass die Gemeinde durch zusätzliche und dauerhafte Einnahmen zu einer Verbesserung ihrer Haushaltssituation und damit zu einer Entlastung der Bürger beitragen kann. Hermanns: „Im Moment stehen die Zeichen auf Energiewende. Da müssen wir die Chance ergreifen.” Das angedachte Großprojekt könne zu einem „ganz wichtigen Faktor” für die Entwicklung der Gemeinde werden und nicht zuletzt auch zu einem beträchtlichen Imagegewinn beitragen. Dafür aber sei die Mitwirkung der Bevölkerung unerlässlich.

Einen ersten Eindruck davon, wie sich die Bürger positionieren und was sie von dem Ökostrom-Projekt in ihrer Gemeinde halten, dürfte man am Mittwochabend gewinnen.

Bürgerinformation in der Hauptschule

Der Stadtwerkeverbund Trianel mit Sitz in Aachen plant im Bereich der Gemeinde Simmerath die Realisierung von bedeutenden Projekten zum Ausbau erneuerbarer Energien. Hierbei handelt es sich um einen Windpark mit etwa 17 Windrädern im Wald bei Lammersdorf und den Bau eines Wasserspeicherkraftwerks im Bereich des bisherigen Windparks Strauch-Michelshof mit einer Stollenverbindung zum Rursee. Zur Vorstellung dieser umfangreichen Projekte lädt die Gemeinde Simmerath ein zu einer Bürgerinformation für Mittwoch, 20. Juli, um 19.30 Uhr, in die Aula der Gemeinschaftshauptschule Simmerath. Es erfolgt eine Vorstellung der Projekte durch die beteiligten Unternehmen. Auch Fragen und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger sind willkommen.
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