Höfen - Ein neues Dach für das „Alte Eifelhaus“

Ein neues Dach für das „Alte Eifelhaus“

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
5885963.jpg
Kommt ein Schilfrohrbündel geflogen: Reetdachdecker aus Ungarn kleiden mit handwerklicher Kunst das „Alte Eifelhaus“ in Höfen komplett mit neuem Reet ein. Foto: P. Stollenwerk

Höfen. In seiner über 350-jährigen Geschichte ist das Haus an der heutigen Hauptstraße 96 in Höfen noch nie abgebrannt (was bei alten Bauernhäusern eine Seltenheit ist), aber es hat schon eine Reihe von neuen Dächern erhalten. Nachdem Höfens ältestes Gebäude zuletzt im Jahr 1985 mit Reet neu eingedeckt wurde, ist jetzt die nächste Renovierung am „Alten Eifelhaus“ fällig.

Viele Menschen halten in diesen Tagen an, bestaunen die alte Baussubstanz mit der weißen Bruchsteinfassade und bewundern die Arbeit der Reetdachdecker aus Ungarn, die mit Geschick und Erfahrung das getrocknete Schilfrohr auf den langgestreckten Dachsatttel nach alter Handwerkskunst aufnähen. Die einzelnen Reetbündel werden mit Draht am Dachstuhl befestigt. Ständiger Gast an der Baustelle ist selbstverständlich auch der Bauherr Ewald Jansen, der mit Freude sieht, wie sein Haus, das er im Jahr 1997 erwarb, wieder ganz nach historischem Vorbild hergerichtet wird.

Kurz nach dem 30-jährigen Krieg ist das Haus erbaut worden, aber ansonsten ist über seine Geschichte nicht viel bekannt. „Hier haben immer einfache Leute gewohnt“, lacht der 51-jährige Bäckermeister, der im Haus ein urgemütliches Cafe mit eigener Backstube betreibt. Damals suchte er „ein schönes Geschäftshaus mit markantem Aussehen, und da kam das zum Verkauf stehende Eifelhaus wie gerufen. Als „Treffpunkt für Jung und Alt“ bezeichnet er sein Lokal, aber es ist viel mehr: Bei einem Monschau-Besuch steht für viele Touristen auch die Einkehr im „Alten Eifelhaus“ neben den Hausschutzhecken in Höfen auf dem Programm.

Mit seiner besonderen Geschichte hat das Haus, in dem der Ur-Eifeler Bäckermeister auch lebt und arbeitet, etwas „Ehrfürchtiges“, und so steht für Jansen der Erhalt und die Bewahrung der typischen Merkmale des Gebäudes auch an erster Stelle. Ein intensiver Dialog mit der Denkmalbehörde ging der insgesamt vierwöchigen Baumaßnahme voran, ehe den Dachdeckern nichts mehr im Wege stand.

Zunächst war eine Firma aus Bickerath aktiv, um den Dachstuhl herzurichten, ehe seit einer Woche nun die Reetdachdecker mit der Arbeit an der 300 Quadratmeter großen Dachfläche begonnen haben. Ende nächster Woche soll das Werk vollendet sein. Stolze 50.000 Euro kostet die Renovierung, und auch wenn man sich für den Preis locker einen neuen Bungalow kaufen könnte, gibt es für Jansen keine Alternative, „um den Charakter des Hauses zu bewahren“.

Noch in den 70er Jahren besaß das Gebäude ein Roggenstrohdach, aber dieses Material ist inzwischen nicht mehr geeignet, da das Getreide der höheren Stabilität wegen inzwischen auf kürzeren Halmen gezüchtet wird.

Materialbeschaffung schwierig

Bei der Beschaffung von neuen Reet stieß der Bauherr dann auf unerwartete Schwierigkeiten, denn das an den Seen in Mecklenburg-Vorpommern reichlich wachsende Schilfrohr wird durch verstärkte Aktivitäten von Umweltschützern vor dem Abbau bewahrt, um das Gleichgewicht von Flora und Fauna zu wahren. Diese Einschränkungen haben auch bereits einige Dachdecker-Unternehmen in Existenzschwierigkeiten gebracht. So kommt es, dass nun Reet aus der Nähe des Balaton-Sees in Höfen aufs Dach kommt. Das könnte auch demnächst noch anderen Häusern in Höfen ähnlich ergehen. Im Bundesgolddorf sind noch 14 Gebäude mit Reet eingedeckt.

Vielleicht hätte das alte Reetdach von 1985 noch fünf Jahre gehalten, aber der Bauherr wollte kein Risiko eingehen. Auch das neue Dach soll wieder für die besonderen Annehmlichkeiten sorgen: Es ist klimafreundlich und sehr leise, „eben etwas ganz Besonders, wie ein Oldtimer, den man hegt und pflegt“, sagt Ewald Jansen.

Wenn das Dach fertig ist, wird die 30 Zentimeter dicke Lage gleich imprägniert, denn die Feuergefahr ist gerade zu Beginn etwas höher. Bei einem schneelosen und regenfreien Silvester plagt den Hausbesitzer allerdings eine größere Besorgnis vor unkontrollierten Feuerwerkskörpern.

Dennoch hat Ewald Jansen an keinem Tag bereut, sich für das unverwechselbare Haus entschieden zu haben, und ein noch so wütender Sturm über dem Hohen Venn, das weiß er inzwischen, kann dem Dach nichts anhaben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert