Ein neuer Sportplatz noch in weiter Ferne

Von: Peter Stollenwerk
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Hier wäre der beste Platz für den neuen Simmerather Sportplatz. Doch das Kleinspielfeld hinter der Sporthalle der Hauptschule reicht direkt ans Naturschutzgebiet Kranzbruch, so dass eine bauliche Erweiterung nicht genehmigungsfähig ist. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Einigkeit herrschte im Simmerather Hochbauausschuss darüber, dass der Zentralort Simmerath unbedingt einen neuen Sportplatz braucht. Ob es aber je dazu kommt, ist derzeit höchst ungewiss.

Nachdem die Planungen der Gemeinde Simmerath vorsehen, die vorhandene Josef Jansen-Sportstätte als Wohngebiet zu vermarkten (was bisher noch nicht gelungen ist), ist man gemeinsam der Hansa-Gemeinschaft Simmerath auf der Suche nach einer Alternative.

Auch im Ausschuss wurde intensiv diskutiert, wie man zu einer Lösung finden kann und wie vor allem die veranschlagten Kosten in Höhe von 660.000 Euro für einen Kunstrasenplatz mit Flutlichtanlage gestemmt werden sollen.

Bei der Entscheidung für den Bau einer neuen Schwimmhalle (die 50 Jahre alte Halle musste vor rund anderthalb Jahren aufgrund von Bauschäden gesperrt werden) wurde beschlossen, das gesamte 33.000 Quadratmeter Gelände der Josef Jansen-Sportstätte mit Schwimmhalle, Turnhalle und Sportplatz in ein Wohngebiet umzuwandeln. Der zu erwartende Verkaufserlös soll unter anderem für die Teilfinanzierung des derzeit laufenden Schwimmhallen-Neubaus verwendet werden. Außerdem hat die Gemeinde Simmerath einen Zuschuss in Höhe von 400.000 Euro für den Bau eines neuen Sportplatz vorgesehen.

Inzwischen haben mehrere Gespräche mit der Hansa-Gemeinschaft Simmerath stattgefunden. Als Standort für einen Sportplatz wurde das neben der Leitstelle Simmerath gelegene Wiesengrundstück ausgewählt. Bei einer Ortsbesichtigung mit Vertretern des Sportvereins erklärte sich der Ehrenvorsitzende das Hansa, Wolfgang Lützenberger, seines Zeichens Diplom-Ingenieur, bereit, kostenlos eine Vorplanung mit Kostenberechnung zu erstellen. Bei dieser Berechnung sollten auch die Eigenleistungen des Vereins berücksichtigt werden. Damit es zu einer seriösen Berechnung kommt, wurden von der Gemeinde Simmerath die Kosten für das Bodengutachten übernommen. Diese Bodengutachten sorgte dann bereits für die erste Überraschung. Das am Rande des Kranzbruchvenns liegende Grundstück befindet sich auf nicht tragfähigem Schlufflehm, so das ein Bodenaustausch erfolgen müsste.

Die Kostenberechnung hat es auch in sich: Ohne Stellplätze, ohne Flutlicht und ohne Sportheim würde ein Rasenplatz etwa 450.000 Euro kosten. Ein Ausbau als Kunstrasenplatz würde die Kosten auf 580.000 Euro steigen lassen. Ein Kunstrasenplatz mit Flutlichtanlage und etwa 20 Stellplätzen würde bei 660 000 Euro landen. Die Kosten für ein Sportheim und eventuell eine Laufbahn kämen noch dazu.

Darüber hinaus, so führt Lützenberger in seiner Berechnung auf, sehe der Verein keine Möglichkeit zur Erbringung von Eigenleistung. Im Verein sind die Meinungen beim Thema Eigenleistung gespalten, da durch den Beschluss der Gemeinde die vorhandene Sportplatzanlage geopfert wurde und die Motivation bei Ersatzbeschaffung Hand anzulegen daher eher gering ist.

Für die Verwaltung aber steht fest, dass ohne Vereins-Eigenleistung kein neuer Sportplatz errichtet werden kann, da der Zuschuss auf 400 000 Euro limitiert ist.

Ein anderes Grundstück in Simmerath ist nicht zu finden; zudem hält die Verwaltung es für unabdingbar, dass der Sportplatz sich in unmittelbarer Nähe des neuen Schulzentrums befindet, um Synergieeffekte zu nutzen.

Inzwischen hat die Verwaltung weitere mögliche Alternativen aufgezeigt; dies auch vor dem Hintergrund, dass der Spielbetrieb der Fußballabteilung der Hansa Simmerath derzeit überschaubar ist. Die einzige Seniorenmannschaft der Hansa spielt in der Kreisliga C mit einer Spielgemeinschaft mit Huppenbroich. Die Heimspiele werden je zur Hälfte in Simmerath und Huppenbroich ausgetragen. Desweiteren nehmen eine A-Jugendmannschaft sowie eine F-Jugend- und eine Bambini-Mannschaft an der Meisterschaft teil.

Anstelle eines neuen Sportplatzes, so unterbreitete Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns den Hansa-Verantwortlichen, könne er sich auch die Erweiterung des vorhandenen Tartan-Kleinspielfeldes hinter der Sporthalle der Hauptschule von bisher 42 x 55 Meter auf 42 x 70 Meter vorstellen. Bei einer Umgestaltung als Kunstrasenplatz wäre mit Kosten von rund 200 000 Euro zu rechnen. Für den Jugendspielbetrieb wären diese Maße ausreichend. Hier könnte dann auch ein neues Sportheim entstehen, während Dusch- und Umkleidemöglichkeiten in der Sporthalle genutzt werden könnte. Gleichzeitig könnte die Infrastruktur des Sportplatzes Huppenbroich verbessert werden.

Nicht auf ungeteilte Begeisterung stieß dieser Vorschlag bei der Hansa, die an ihrer alten Platzanlage hängt. Dennoch will die Gemeinde die Ergebnisse der vereinsinternen Gespräche abwarten.

Die Diskussion im Hochbauausschuss wurde dominiert von einem Fragenkatalog der SPD-Fraktion, nachdem Marc Topp mehrere Positionen in der vorliegenden Kostenberechnung angezweifelt hatte und es für möglich hielt, die Kosten zu senken, wenn man ein zweites Gutachten durch eine Fachfirma einholen würde.

Beste Lösung nicht möglich

Christoph Poschen (CDU) sah dieses Unterfangen nicht als zielführend an, da man zunächst die weiteren Gespräche mit der Hansa abwarten solle. Zu den von der SPD angesprochenen Punkten könne man den Planer ja direkt befragen.

Auch Bürgermeister Hermanns mahnte, „die Realitäten zu sehen”, selbst wenn ein weiteres Gutachten tatsächlich eine Preissenkung herbeiführen würde. Im übrigen koste ein neues Gutachten auch Geld, und er sehe keinen Grund an der Kostenberechnung Lützenbergers zu zweifeln. Wenn die Hansa daran festhalte, keine Eigenleistung einzubringen, dann stelle sich die Frage eines weiteren Kostenvoranschlags ohnehin nicht.

Verständnis zeigte Stefan Weber (UWG) für die Haltung der Hansa, der ein intaktes Sportgelände weggenommen werde. Sicher sei aber, dass für 400 000 Euro kein neuer Sportplatz zu bekommen sei.

Der praktikabelste und naheliegendste Vorschlag für einen neuen Sportplatz lässt sich nicht umsetzen: Dies wäre die Erweiterung des Kleinspielfeldes. Doch dann gerät die Anlage zu einem Drittel in das Naturschutzgebiet Kranzbruch. Hermanns: „Da gibt es keine Chance. Das haben wir mit den Behörden rauf und runter abgeklärt.”

Eindeutig gegen einen Sportplatz-Neubau in Simmerath sprach sich CDU-Ratsvertreter Josef Mohren aus. „Wir werden in Zukunft in der Gemeinde Simmerath zu viele Sportplätze haben.” Das Ziel müsse sein, verstärkt die Plätze in anderen Orten zu nutzen. Als ersten Verein treffe es jetzt eben die Hansa, weil durch die „Schwimmbad-Katastrophe” eine neue Situation entstanden sei.

Nach langer Diskussion wurde der SPD-Antrag auf Einbeziehung eines weiteren Planungsbüros für eine alternative Kostenberechnung abgelehnt, während Einigkeit darüber herrschte, dass die Verwaltung die Möglichkeiten der Gewährung von Fördermittel prüfen solle.

Zu den Realitäten bei den Überlegungen für einen Sportplatz-Neubau zählt auch die Gesamtsituation des Amatuerfußballs, die Simmeraths Hochbauausschuss-Ausschusssvorsitzender Jens Wunderlich in seiner Funktion als Mitglied des Jugendausschusses beim Fußballverband Mittelrhein (FVM) erläuterte. Hier gehe man davon aus, dass innerhalb der nächsten Jahre die Zahl von bisher 1200 Mannschaften im FVW-Bereich um ein Drittel abnehmen werde.

Diese Entwicklung sei auch eine Folge der offenen Ganztagsschulen, die sich auf das Freizeitverhalten auswirke. Wenn die Kinder heute bis 16 oder 17 Uhr in der Schule blieben, dann sei es um so wichtiger, dass sich die Sportstätten in direkter Nähe zu den Schulen befänden.

Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns geht sogar davon aus, dass auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in 10 Jahren in der Eifel nur noch die Hälfte der jetzt gemeldeten Fußball-Mannschaften am Start sein wird.
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