Ein neuer Hahn dreht sich auf dem Kesternicher Kirchturm

Von: Peter Stollenwerk
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Teamwork war gefragt, als am Dienstag der neue Hahn auf die Turmspitze der Pfarrkirche Kesternich gehoben wurde. Foto: Peter Stollenwerk
Hahn
Ernst Wilden (l.) und Georg Gerards vom Kirchenvorstand freuen sich ebenso über den neuen Hahn wie Architektin Ursula Bongard-Soltani und Küster Bernd Marx (r.). Foto: Peter Stollenwerk

Kesternich. Als der Kesternicher Küster Bernd Marx am Dienstag früh um 9 Uhr spontan die Glocken der Pfarrkirche erklingen ließ, hatte das seinen ganz besonderen Grund. Es gab in der Pfarre St. Peter und Paul Bedeutsames zu verkünden: Die Glocken trugen die Botschaft von der soeben erfolgten gelungenen Montage des neuen Kirchturmhahns hinaus über das unter einer leichten Schneedecke ruhende Dorf.

Mit dem Aufsetzen des neuen, gold glänzenden Hahns samt Kugel und Kreuz wurde auch gleichzeitig der Schlusspunkt unter die nicht immer unter einem guten Stern stehende Sanierung des Kirchturms gesetzt. Wenn in Kürze dann noch das Gerüst abgebaut ist, wird wohl bald Gras über die Dauerbaustelle wachsen.

Am Dienstag aber dominierten Freude und Stolz bei den Beteiligten, als mit bärenstarker Technik die rund 120 Kilogramm schwere Konstruktion, bestehend aus Hahn, Kreuz und Kugel, in den grauen Novemberhimmel hinauf auf 45 Meter Höhe gezogen wurde. Eigentlich sollte sich der neue Hahn schon am Montagabend drehen, aber da der Kran nicht rechtzeitig vor Ort sein konnte und die Dachdecker nicht unbedingt in der Dämmerung in luftiger Höhe arbeiten wollten, wurde die Aktion verschoben.

63 Jahre lang hatte der alte Hahn in fester Position über Kesternich geschaut. Im Zuge der anstehenden Sanierung der Kirchturmspitze musste die am Fuß durchgefaulte Konstruktion ohnehin abgebaut werden, und damit bot sich auch die einmalige Gelegenheit, den Hahn aufzupolieren. Die Konstruktion hatte zudem in den letzten Jahren bereits eine bedenkliche Schieflage eingenommen. Vor gut einem Jahr hatte ein 100-Tonnen-Kran mit seinem 60 Meter langen Ausleger, der von der Firma Rudi Henn aus Kesternich zur Verfügung gestellt worden war, die Eisenkonstruktion nach unten gebracht. Ein knappes Jahr später ging es nun wieder in die andere Richtung.

Aber das gute Stück, das vor dem Kirchenportal für den Höhentransport in Position gebracht worden war, war kaum noch wiederzuerkennen. Der alte, etwas simpel gestaltete Hahn wurde ersetzt durch einen größeren Gockel mit schwungvoll wallendem Gefieder und stolzgeschwellter Brust. Die für die Kirchturmsanierung zuständige Architektin Ursula Bongard-Soltani hatte für den neuen Entwurf gesorgt. Die Ausführung in VA-Edelstahl übernahm die Firma Poschen aus Simmerath. Das Eisenkreuz, auf dem der Hahn thront, war noch in einwandfreiem Zustand, wurde sandgestrahlt und kehrt nun an seinen angestammten Platz zurück, ebenso auch die dazugehörige vergoldete Bleikugel. Erneuert wurde auch die Holzkonstruktion, der sogenannte Kaiserstiel, auf dem Kugel, Kreuz und Hahn thronen.

Vergoldung vom Spezialisten

Dass der neue Hahn samt Kugel nun auch zum neuen Blickfang für Kesternich geworden ist, liegt vor allem an seinem goldigen Glanz. Für diese gelungene optische Wirkung sorgte Hilli Breidenich aus Kesternich, der als ehemaliger Bühnenbildner am Stadttheater Aachen und Absolvent der Werkkunstschule Aachen auch im fortgeschrittenen Alter von 83 Jahren noch perfekt die Kunst des Vergoldens beherrscht. Über 80 Stunden dauerte die Prozedur, und für den Kunsthandwerker war es Ehrensache, sich dabei ganz in den Dienst der guten Sache zu stellen. „Da darf sich kein Lüftchen bewegen“, beschreibt Breidenich die filigrane und in mehreren Schritten erfolgte Technik des Vergoldens.

Entscheidend für die Verarbeitung sei die Konsistenz des Haftgrundes, die sogenannte Mixtion, erzählt der 83-Jährige. Nach einer Trockenzeit von bis zu 24 Stunden kann das Blattgold aufgetragen werden. Den richtigen Zeitpunkt erkenne man, indem man mit einem Finger über den Haftgrund fahre. „Wenn ich dann ein leichtes Quietschen höre, ist der Untergrund genau richtig.“ Den Vorgänger-Hahn, der vor etwa 20 Jahren schon einmal von der Kirchturmspitze genommen wurde, hatte Hilli Breidenich auch vergoldet. Die Goldbeschichtung sei normalerweise sehr beständig, sagt er. Die Lebensdauer aber hänge vor allem „von der Klimaentwicklung und vom Kot der Krähen“ ab.

Was es mit dem Hahn auf einem katholischen Kirchturm sonst noch so auf sich hat, hatte Pastor Michael Stoffels bereits in der Sonntagabendmesse bei dessen Einsegnung in den Mittelpunkt des Gottesdienstes gestellt. Der Hahn gelte als Symbol für Wachsamkeit. Außerdem solle er vor dem Glaubensverrat warnen und mahne zu Umkehr: „Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“, hatte Jesus zu Petrus gesagt.

Die Montage des neuen Hahns war für die Mitarbeiter des Dachdeckerbetriebs Piana aus Monschau nur Minutensache. Die Konstruktion erlaubt es dank eines Kugellagers nun auch, dass sich der Hahn auf dem Kirchturm dreht. „Jetzt weiß man mit Blick auf den Kirchturm immer ganz genau, woher der Wind weht“, schmunzelt Ernst Wilden vom Kirchenvorstand, der sich, wie auch der stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende Georg Gerards, nun erleichtert zeigt, dass die Baumaßnahme nach fast einem Jahr endlich zum Abschluss gekommen ist. Es hatte monatelange Verzögerungen gegeben, weil von der Bauaufsicht die Gerüst-Konstruktion als nicht sicher eingestuft worden war und die Arbeiten daher lange ruhen mussten.

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