Ein langer Weg zu den Stolpersteinen in Eicherscheid

Von: P. St.
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Nele Urmes und Laurin Melms von der evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land griffen nach einem Jugendgottesdienst im Herbst 2013 gemeinsam mit Carola Biermeier das Thema Stolpersteine für Eicherscheid auf. Jetzt freuen auch sie sich, dass das Projekt konkret wird. Foto: P. Stollenwerk.

Eicherscheid. Ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen soll am kommenden Mittwoch in Eicherscheid gesetzt werden. Dann werden auf dem Kirchweg gegenüber der Pfarrkirche drei Stolpersteine ins Straßenpflaster verlegt. Sie sollen an das Schicksal der jüdischen Familie Kaufmann erinnern, die fast 18 Jahre in Eicherscheid lebte und lange Zeit unter Verfolgung des Nazi-Regimes zu leiden hatte.

Ortskartell Eicherscheid, der Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid sowie die politisch Verantwortlichen haben beschlossen, am damaligen Wohnort drei Stolpersteine gemeinsam mit dem bundesweit bekannten Künstler Gunter Demnig, Urheber der Aktion sowie Gründer der gleichnamigen Stiftung, zu verlegen.

Demnig möchte an die Opfer der NS-Zeit erinnern, indem er vor deren letzten selbst gewählten Wohnort pflasterstein-große Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einlässt. Inzwischen liegen in 1099 Orten Deutschlands und in 20 Ländern Europas solche Stolpersteine.

Es war ein langer Weg bis zu den Stolpersteinen in Eicherscheid. Umso erfreuter hat deshalb auch die evangelische Kirchengemeinde Monschauer Land zur Kenntnis genommen, dass die Idee nun umgesetzt wird.

Denn das Schicksal der Eicherscheider Familie Kaufmann beschäftigte bereits vor vielen Jahren auch eine engagierte Jugendgruppe der evangelischen Kirchengemeinde, die Anfang November 2013 in der Pfarrkirche Roetgen anlässlich des 75. Jahrestages der Reichsprogromnacht im Rahmen der Kampagne „Erinnern, Erkennen, Engagieren“ einen Gottesdienst unter der Leitung von Pfarrer Jens-Peter Bentzin gestaltete. In diesem Gottesdienst wurde auf bewegende Weise an die Judenverfolgung in der Nazizeit erinnert.

Auch das Schicksal der Familie Kaufmann wurde dabei thematisiert. Detailliert hatten die Jugendlichen recherchiert, welchen Repressalien die dreiköpfige Familie, die damals einzigen jüdischen Bewohner im Landkreis Monschau, ausgesetzt war. Auch in Eicherscheid selbst versuchten die Jugendlichen in Gesprächen mit Zeitzeugen herauszufinden, wie die Menschen damals der jüdischen Familie begegneten.

Zu Gast beim Arbeitskreis

Die Gruppe stellte eine Präsentation zusammen und regte an, mit Hilfe der evangelischen Kirchengemeinde die Verlegung von drei Stolpersteinen vor dem Haus der Familie auf den Weg zu bringen. Das Presbyterium griff diesen Vorschlag wenige Tage später auf und beschloss am 11. November 2013, sich an die Gemeinde Simmerath, den Eicherscheider Ortsvorsteher, den Gesichtsvereins des Monschauer Landes und weitere Interessierte zu wenden, mit dem Ziel, dass die Stolpersteine verlegt werden.

Einem Monat nach dem Gottesdienst stellten die Jugendlichen ihre Idee dem Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid bei einer Sitzung vor. Nele Urmes und Laurin Melms, die damals zum Team der Verantwortlichen gehörten, wollen sich jetzt anlässlich des Verlegungstermin für die Stolpersteine noch einmal in die Thematik einbringen. Als man damals den Vorschlag in Eicherscheid eingebracht habe, habe man den Eindruck mitgenommen, dass noch eine „gewisse Reserviertheit“ bestehe, aber grundsätzlich sei die Idee im Arbeitskreis positiv aufgenommen worden.

Ludwig Siebertz vom Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid bestätigt, dass es seinerzeit mehrere Kontaktgespräche mit der evangelischen Kirchengemeinde gegeben habe, wobei das Thema Stolpersteine im Arbeitskreis bereits im Jahr 2011 erstmals auf der Tagesordnung gestanden habe. In den zurückliegenden anderthalb Jahren aber habe es keinen Kontakt mehr mit der Kirchengemeinde gegeben.

Einen kleinen Missklang gab es dann im Januar 2017 als alle Beteiligten sich bei einem Ortstermin in Eicherscheid über die genaue Platzierung der Stolpersteine verständigen wollten. Die evangelische Kirchengemeinde konnte sich mit ihrem Wunsch nicht durchsetzen, die Steine unmittelbar vor dem ehemaligen Wohnhaus der Kaufmanns zu verlegen.

Das Engagement würdigen

Ein Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde wird der Stolperstein-Verlegung am Mittwoch, 10. Mai um 10.30 Uhr beiwohnen, und der Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid will auch den Beitrag der Jugendlichen würdigen.

Für den evangelischen Pfarrer Volker Böhm, der momentan ein Sabbatjahr absolviert, ist es wichtig, dass auch das Engagement der Jugendlichen Erwähnung im Stolperstein-Projekt findet. Entscheidend sei aber, dass die Idee nun umgesetzt werde, und die Erinnerung an das Schicksal der jüdischen Familie damit wach gehalten werde.

Die Verlegung der Stolpersteine findet in Anwesenheit des Kölner Künstlers Gunter Demnig statt. Eingeladen wurde vom Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid auch Hanna Zack Miley. Die heute 77-jährige Buchautorin überlebte die Nazizeit in Deutschland, weil Sie an Bord des berühmten „Kindertransports“ im Jahre 1939 ins Ausland geschickt wurde. Ihre Eltern blieben zurück und wurden von den Nazis ermordet.

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