Ein kurzes Kapitel in der bewegten Schulhistorie

Von: hes
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Schule
Das 1913/14 errichtete Schulgebäude an der Hauptdurchgangsstraße von Imgenbroich. Die Aufnahme dürfte um 1930 entstanden sein. Foto: Heimatverein, Schepp
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So sieht das Gebäude heute aus und wird als Wohnraum in zentraler Lage von Imgenbroich genutzt. Ein Schmuckstück ist es nicht gerade. Foto: Heimatverein, Schepp
Schulfoto
Das Schulfoto von 1935 vor dem damaligen Schulgebäude. Manch älterer Leser könnte sich oder Bekannte noch darauf wiedererkennen. Foto: Heimatverein, Schepp

Imgenbroich. Imgenbroich und seine Schulen: In der belebten Geschichte des einstigen Tuchmacherdorfs und heutigen Gewerbezentrums hat es beileibe nicht nur das heutige Schulgebäude an der Schulstraße gegeben. In wohl keinem Ort des Monschauer Landes ist eine solch bunte Vielfalt an Gebäuden zu finden, in denen einst Mädchen und Jungen für das Leben lernten.

Dieser Umstand bewog auch den Verein für Heimatgeschichte Imgenbroich im Jahr 2007, den dritten Teil seiner „Imgenbroicher Notizen“ ausschließlich den „Schulen in Imgenbroich“ zu widmen. Verfasser Otto Drosson hat darin viele Details das Schullebens in den beiden vergangenen Jahrhunderten zusammengetragen und erlaubt damit einen hochinteressanten Einblick in das Schulleben unserer Vorfahren.

Mehr Kinder erwartet

Ein markantes Datum darin ist das Jahr 1914: In diesem Jahr nahm die neu gebaute Volksschule Imgenbroich an der Trierer Straße, genau dort, wo heute nebenan eine Tankstelle ist, im Dezember, also vor 100 Jahren, ihren Betrieb auf. In den „Imgenbroicher Notizen“ beschreibt der Beitrag von Otto Drosson auch, welchen politischen Weg seinerzeit der Neubau einer Schule gehen musste, was ein solches Bauvorhaben vor 100 Jahren kostete und warum nur für etwa 35 Jahre der Imgenbroicher Schulbetrieb in diesem Gebäude stattfand. Nachfolgend einige Auszüge aus diesem Artikel.

„Die alte Schule wurde im Laufe der Jahre immer schlechter und baufälliger, sodaß der Ruf nach einer neuen Schule immer lauter wurde“, heißt es in einem Nachtrag der Lehrerin Neumann zur Schulchronik Imgenbroich 1909 bis 1923. Anfang April 1910 dann besichtigte ein Regierungskommissar das alte Schulhaus in Imgenbroich und führte ein Gespräch mit dem Gemeinderat. Nun konnte endlich ein Neubau geplant werden, wie einem im Juni 1910 vom Bürgermeister Dominik ausgefüllten Formular zu entnehmen ist.

Einige Angaben darin geben ein Bild von der damaligen Situation in Imgenbroich: Sämtliche Kinder sind katholisch und gehören einer ansässigen Bevölkerung an, welche aus Kleinbauern, Fabrikarbeitern und Tagelöhnern besteht. Die Familiensprache ist deutsch. Für die nächsten Jahre erwartete der Bürgermeister mehr Schulkinder (130-140 statt dato 120).

Zum Bauplan und zu den Kosten trug der Bürgermeister ein:

„Auf dem alten Schulplatz sollen ausgeführt werden: a) ein Schulhaus, enthaltend im Erdgeschoß, im Obergeschoß je einen Schulsaal mit je 70 Kindern sowie zwei Lehrerwohnungen – 41.000 M(ark), b) ein Abortgebäude – 3.000 M. Hand- und Spanndienste werden nicht geleistet.

Der Entwurf ist auf Grund der mit Erlaß vom 15. November 1895 ... erlassenen Denkschrift über den Bau und die Einrichtung ländlicher Volksschulhäuser in Preußen und unter voller Beobachtung der Bestimmungen des Erlasses vom 30. März 1897 aufgestellt. Derselbe hat der Schulgemeinde vorgelegen und deren Zustimmung unter der Voraussetzung gefunden, daß die Gemeinde zu den Baukosten nur 5000 M beizutragen hat.

Das Schulhaus soll massiv unter Schieferbedachung erbaut und unterkellert werden. Die Abortgrube wird ebenfalls massiv, das Gebäude dagegen aus Schwemmsteinfachwerk errichtet. Die bebaute Grundfläche und der umbaute Raum betragen bei dem Schulhaus 231,66 qm und 2126,80 cbm. Die Einheitskosten betragen für den cbm des umbauten Raumes bei dem Schulgebäude 19 M.

Von den Gesamtkosten (in Höhe von 44.000 M) sind gedeckt:

1) Durch ein 6 Amortisationsdarlehen von 5000 M

2) Durch den staatlichen Baubeitrag gemäß §17 des Gesetzes vom 18.7.1906 1/3 von 44.000 M 14.666 M.

Hand- und Spanndienste können nicht geleistet werden.

Es bleiben ungedeckt und werden als Staatsbeihülfe erbeten 24.400 M.“

Unter Darlegung der finanziellen Situation der Gemeinde wies der Bürgermeister noch einmal darauf hin, dass der Bau nur bei Gewährung der Beihilfe in voller Höhe möglich sei, ansonsten müsste die Planung geändert werden. Die alte Schule sollte abgerissen werden, der Unterricht während der Bauzeit im „Casino“ stattfinden.

Es war geplant, die Steine schon im Winter 1910/1911 im Steinbruch der Kirchengemeinde Konzen zu brechen, weil eine längere Lagerung vor dem Bau als sehr günstig angesehen wurde. Laut Rechnungen ist dies auch so gemacht worden, der ursprüngliche Bauplan ist aber wohl nicht genehmigt worden, denn der spätere Baukörper sah anders aus (unter anderem zwei Klassenräume im Erdgeschoss).

Erst 1912 wurde der Bau genehmigt, für 1913 eine Beihilfe in Höhe von 20.000 Mark in Aussicht gestellt. Baubeginn war im Mai 1913. Am 3.6.1913 wurde der Grundstein gelegt. Zu dieser Feier kam auch eine aus sechs Herren bestehende Ministerialkommission in Begleitung der Herrn Regierungspräsidenten.

Ungünstige Ausrichtung

Im Januar hatte der Bürgermeister noch einmal Änderungen beantragt bezüglich der Ausrichtung des Gebäudes. Der Bauplan sah zunächst vor, das Gebäude mit der Vorderfront parallel zum Hengstbrüchelchen zu erstellen. Dies hielt der Bürgermeister aus mehreren Gründen für ungünstig: Neben einer Giebelseite würde auch ein großer Teil der Vorderfront dem Schlechtwetter ausgesetzt sein, ebenso die Schulkinder, wenn sie sich vor dem Eingang versammelten.

Außerdem sei es schade, wenn nur eine Giebelseite und nicht die schöne Vorderfront zur Hauptstraße hin ausgerichtet sei. Zudem stehe das Casino nicht mehr als Ausweichmöglichkeit zur Verfügung, weil dort mittlerweile durch einen Umbau Wohnungen entstanden seien.

Bei der von ihm vorgeschlagenen Ausrichtung könne das bisherige Schulhaus zunächst stehen bleiben und weiterhin genutzt werden. Dem wurde höheren Orts zugestimmt. Was man dabei aber nicht berücksichtigt hatte war, dass eine Klasse nun nur zum Norden hin Fenster hatte. Dies sollte sich später als sehr ungünstig erweisen.

Nach gutem Baufortschritt verzögerte die Fertigstellung des Baus sich 1914 wegen des Kriegsausbruchs – die Arbeiter stehen im Felde. Im Dezember 1914 konnte die neue Schule endlich bezogen werden. Die Schlussrechnung konnte erst zwei Jahre später vorgelegt werden, weil der Kreisbaumeister Weber einberufen worden war.

Erwähnenswert ist noch, dass der Bauunternehmer Käfer auf eine Restzahlung von 939,64 Mark verzichtete. Der Betrag sollte zur Beseitigung von kleinen Mängeln, wie solche an jedem Neubau wohl vorkommen, verwandt werden.

Am 1. Dezember 1914 wurde die neue Schule bezogen, sowohl von den Schulklassen als auch von dem Lehrer und der Lehrerin. Vorher wurde sie vom H. Pastor Löhrer im Beisein der Gemeindevertretung, des Schulvorstandes, der Lehrpersonen und der Kinder feierlich eingeweiht: „Gelegentlich des Umzuges aus der alten in die neue Schule wurde unser System aus einem drei-klassigen in ein zwei-klassiges umgewandelt durch den derzeitigen Schulinspektor Dr. Kotschok; die Unterklasse umfaßt die drei ersten Jahrgänge mit durchschnittlich 50 Kindern, die Oberklasse die fünf letzten Jahrgänge mit durchschnittlich 65 Kindern.“

Am Schulneubau aber hatten die Imgenbroicher offenbar nicht lange Freude, denn keine zehn Jahre später heißt es in der Schulchronik:

„Im Laufe der Zeit haben sich bisher schon manche bauliche Mängel des neuen Schulhauses herausgestellt. Infolge der Verwendung des Bruchsteins und wegen des Fehlens einer Bekleidung der Wetterseite mit Schiefer- oder Zinkplatten, wie das anfangs projektiert und von der Reg. verlangt war, zeigt das Haus eine schreckliche Feuchtigkeit.

Ferner liegt die Unterklasse so, daß ihre sämtlichen Fenster nach Norden gerichtet sind, sie also mithin das ganze Jahr hindurch kein Sonnenstrahl trifft; daher ist die Klasse so feucht und kalt, daß sie im Winter selten über 10° Wärme gebracht werden kann. Der Unterricht mußte sehr oft morgens bei einer Temperatur von nur 3 – 4° C. begonnen werden. Um den Übelstand zu beheben, hat die Gemeinde einen neuen Ofen angeschafft; jedoch scheint der Schaden am Kamin zu sein; Kohlen sind auch sehr teuer; sie kosten jetzt, Januar 1923, wohl 4000 M den Zentner.“

Tage der Schule sind gezählt

35 Jahre lang, unterbrochen nur von den Kriegswirren im völlig zerstörten Imgenbroich, wurden die Imgenbroicher Kinder in der 1913/14 gebauten Volksschule unterrichtet – dann entschloss man sich, aufgrund der räumlichen Enge und des fehlenden Sonnenlichts infolge der Nordausrichtung eine neue Schule zu bauen.

Im Mai 1950 bewilligte die Regierung in Aachen den Antrag des Gemeinderates auf Neubau einer Schule in Imgenbroich – am 12.4.1951 fand die Grundsteinlegung der neuen, großen, der heutigen Grundschule statt. Doch auch deren Tage sind gezählt. Spätestens 2017 soll die Zusammenlegung der Grundschule Imgenbroich/Konzen in Konzen erfolgen – was dann aus dem Gebäude an der Schulstraße werden wird, vermag heute noch niemand zu sagen.

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