Ein Experiment: Elektrischer Ortsbus für Roetgen?

Von: Andreas Gabbert
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Rainer Welzel (rechts) und Bernd Vogel haben versucht, ihre theoretischen Überlegungen über den Einsatz eines Elektroautos in die Praxis umzusetzen: Am Ende fehlt nicht viel, damit ihre Rechnung aufgehen würde. Foto: A. Gabbert

Roetgen. Lautlos setzt sich das Elektroauto in Bewegung, als Ratsherr Bernd Vogel (PRB) an der Bushaltestelle am Pferdeweiher an der Bundesstraße 258 den Blinker setzt und Gas gibt. Mit an Bord ist Ratsherr Rainer Welzel (UWG).

Das Auto haben sie sich ausgeliehen, um ein Experiment zu starten und ihre theoretischen Überlegungen in der Praxis auszutesten. Hintergrund des Ganzen ist die vom Aachener Verkehrsverbund (AVV) angekündigte Änderung der Buslinien im Rahmen des Nahverkehrsplans.

Die Schnellbuslinien sollen dann innerhalb von Roetgen nur noch auf der B 258 verkehren und keine Umwege mehr durch den Ort fahren. „Das ist notwendig und richtig“, sagt Vogel. Das Problem sei aber die große Fläche der Gemeinde. Deshalb soll ein Ortsbus her, um die Fahrgäste zu den Haltestellen der Schnellbusse zu bringen. „Wenn man den Schnellbus konsequent umsetzt, braucht es auch einen Zubringer“, sagt Welzel.

Wie lange hält die Batterie?

Die beiden Politiker haben sich einen Rundkurs für einen möglichen Ortsbus ausgedacht, um die Fahrgäste zu einem zentralen Knotenpunkt zu bringen. Dabei setzen Vogel und Welzel auf Elektromobilität. „Warum sollen wir warten, wenn wir im Kleinen schon etwas bewegen können“, sagt Vogel. „Die Innovation ist da. Warum sollte man diese als Pilotprojekt im kleinen Rahmen nicht testen?“

Ein Ortsbus für Roetgen könne frühestens im Dezember 2017 starten, erklärt der Pressesprecher des AVV, Markus Vogten. Was für ein Fahrzeug dabei zum Einsatz kommen werde, stehe noch nicht. „Da gibt es verschiedenste Überlegungen.“ Das hänge auch davon ab, wer die Konzession erhalte. Konkretere Überlegungen könne man im April oder Mai anstellen.

Das Problem bei einem elektrisch betriebenen Ortsbus sei das Verhältnis zwischen der Reichweite des Fahrzeugs, der Batteriekapazität und der Masse der Batterie, erklärt Vogel. Denn je größer die Reichweite ist, um so mehr Kapazität benötigt die Batterie, was wiederum mehr Masse mit sich bringt. Auf langen Strecken gebe es noch keine Alternative zu den Dieselfahrzeugen, auf kurzen Strecken mit Stop-and-Go-Verkehr sei der Einsatz von Elektrofahrzeugen aber sinnvoll, sagt Vogel, der als Lehrer für Kraftfahrzeugtechnik am Berufskolleg Simmerath/Stolberg unterrichtet.

Deshalb wollen Vogel und Welzel mit ihrem Experiment testen, ob sich der Einsatz eines Elektro-Ortsbusses in Roetgen lohnen würde. Eine wichtige Frage dabei ist, ob eine Batterieladung für die gesamte Tagesstrecke ausreichen würde. Das ist der Kern des Experiments. Vogel verweist in diesem Zusammenhang auf eine Bachelorarbeit, die am Institut für Kraftfahrwesen in Aachen eingereicht wurde und die die Situation in Roetgen umfangreich beleuchtet habe. „Demnach ist das durchaus machbar“, sagt Vogel.

Vorstellbar sei auch der Einsatz im Schülerverkehr, um die Verkehrssituation an der Schule zu entspannen, sagt Welzel. Außerdem könne man überlegen, die Kinder, die die Offene Ganztagsschule besuchten, nachmittags wieder nach Hause zu bringen. Dieser Service war den Sparmaßnahmen der Gemeinde zum Opfer gefallen. Auch der Westen der Gemeinde könne dann an das Busnetz angeschlossen werden, außerdem könne man auch Fahrgäste aus dem belgischen Petergensfeld mitnehmen und so eventuell in den Genuss einer EU-Förderung für das Projekt kommen, überlegen die beiden Politiker.

Für den innerörtlichen Busverkehr müsse die Gemeinde ohnehin selbst aufkommen, daher müsse für das Projekt eigentlich genügend Kapital vorhanden sein, erklären sie. Gerne würden sie das RWE, die Gemeinde, Unternehmer, den AVV, das Institut für Kraftfahrwesen, Belgien, den Bund und das Land NRW in einem Boot sehen. „Damit könnten wir die Sache super machen“, sagt Vogel.

Im Zusammenhang mit einem neuen zentralen Omnibushof, über den in Roetgen schon länger diskutiert wird, müsse eine Ladestation für den Elektrobus installiert werden. Es sei technisch lösbar, dass der Bus zum Aufladen an einer Stelle parke, an der Induktionsschleifen im Boden verlegt seien. Das funktioniere völlig kabellos, sagt Vogel. Aufgeladen wird die Batterie auch bei Bremsvorgängen.

Das Experiment der beiden Ratsvertreter startet am Pferdeweiher. Von dort geht es über die Raerener Straße, Spanisch, Mühlenstraße, Schwerzfelder Straße, Hauptstraße, Lammerskreuzstraße, Faulenbruchstraße, Bundesstraße, Grünepleistraße, Brandstraße, Hauptstraße und Rosentalstraße einmal quer durch den Ort.

Immer wieder halten die beiden Politiker an, um den Stopp an den Haltestellen zu simulieren. Jedes Mal geht der Blick zur Anzeige der verbleibenden Reichweite des Elektroautos. Am Ende fehlt nicht viel, damit die Rechnung aufgehen würde. „Auf der Kurzstrecke haben Elektrofahrzeuge enorme Vorteile, im Stop-and-Go-Verkehr sind sie unschlagbar. Dennoch hätte ich mir ein besseres Ergebnis gewünscht“, zieht Vogel eine erste Bilanz.

Mit Blick auf einen möglichen Elektro-Ortsbus müsse man sehen, wie sich die Technik weiterentwickele, hier sieht Vogel noch Optimierungsbedarf. Er hofft, dass die Bundesregierung die Elektromobilität künftig stärker fördern wird. „Viel Zeit haben wir aber nicht mehr“, sagt Welzel.

Den Bemühungen der Lokalpolitiker stehe man neutral gegenüber, sagt AVV-Sprecher Markus Vogten. „Im Prinzip ist es nicht schlecht, wenn man sich Gedanken macht.“ Fraglich sei aber inwieweit dieser Versuch eine Rolle in den Planungen spielen werde. „Im Endeffekt treffen nicht wir die Entscheidung, sondern die Städteregion und die Gemeinde“, sagt Vogten.

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