Ein Erdgrab voller Panzerminen entdeckt

Von: P. St.
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Hammer. Dass in der Eifel auch mehr als 60 Jahre nach Kriegsende immer noch brisante Munition in der Erde gefunden wird, ist nichts Ungewöhnliches. Die Kampfmittelräumer werden in der Region garantiert nicht arbeitslos.

Dass aber auf einen Schlag gleich 40 Panzerminen gefunden werden, lässt selbst Experten aufhorchen. Entdeckt wurde die immer noch gefährliche Munition jetzt in einem Waldstück bei Hammer. Der in Dedenborn lebende erfahrene Kampfmittelräumer Peter Nießen (67) hatte von einem Feuerwehrmann aus Hammer erfahren, dass in unmittelbarer Nähe der Rurbrücke bei Hammer in direkter Nähe eines Wanderwegs ein verdächtiger Metallgegenstand aus dem Waldboden schaue, der eventuell beim Holzrücken ans Tageslicht befördert worden war.

Sollte Brücke gesprengt werden?

Als Peter Nießen, der in seinem früheren Beruf inzwischen nur noch gelegentlich tätig ist, das Metallstück sah, erkannte er gleich, dass es sich bei dem Gegenstand, der zwischen zwei Fichten am Beginn einer Böschung lag, um alte Kriegsmunition handeln muss. Mit der Hand schob er den Waldboden vorsichtig zur Seite und zum Vorschein kam ein regelrechtes Grab mit Munition. Rund 40 englische Panzerminen, so schätzt Nießen, waren hier in der Erde verbuddelt worden. Umgehend informierte er den Kampfmittelräumdienst, der das immer noch hochexplosive Material fachgerecht entsorgte. Nießen vermutet, dass es möglicherweise deutsche Soldaten waren, die beim Rückzug von der Ardennen-Offensive in den Besitz der Minen gelangten und diese in einem Stellungsloch versteckten. Es sei denkbar, dass die Minen für die Sprengung der Rurbrücke vorgesehen worden seien, um die Alliierten bei ihrem kriegsentscheidenden Vorstoß noch zu behindern.

Die Minen, die in ihrer Form und Größe an eine Buttercremetorte erinnern, sind zwar stark angerostet, aber ansonsten noch voll funktionsfähig, wenngleich ein Mensch kaum in der Lage sein dürfte, die Mine auszulösen, da dies erst bei einem Aufdruckgewicht von rund 175 Kilogramm geschieht. Auf einigen der Fundstücke war auch noch das Herstellungsdatum (9/43) gut zu lesen. Dennoch sind dreieinhalb Kilogramm Sprengstoff pro Mine nicht zu unterschätzen, zumal niemand weiß, wie chemische Reaktionen im Laufe der Zeit das Ursprungs-Material verändern. „Ich hätte nicht gerne das Szenario erlebt, wenn beispielsweise bei einem Waldbrand die Minen hochgegangen wären. Das hätte wegen der eingebauten Deformatoren in einer Katastrophe enden können“, sagt Peter Nießen. Nun aber ist die Gefahr zum Glück beseitigt – zumindest an dieser Stelle im Wald.

Am gleichen Tag seines Munitionsfundes wurde der in Dedenborn lebende Kampfmittelräumer übrigens von einem Pilzsammler kontaktiert. Dieser hatte auf dem Gebiet des Nationalparks Eifel in einem Erdloch eine 105-Millimeter-Granate gefunden.

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