Simmerath - Ein Eifeler für die Eifel: Die Polizei hat ein neues Gesicht

Ein Eifeler für die Eifel: Die Polizei hat ein neues Gesicht

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
9346556.jpg
Reibungsloser Übergang: Hermann Carl (links) geht am 1. Februar in Pension. Sein Nachfolger Jochen Jansen ist im Bezirk Simmerrath schon seit dem 5. Januar im Dienst. Foto: A. Gabbert

Simmerath. Die Polizei bekommt ein neues Gesicht. Der Bezirksbeamte Hermann Carl geht am 1. Februar in Pension. Sein Nachfolger ist der 46-jährige Jochen Jansen aus Höfen. „Ich bin ein Eifeler für die Eifel“, sagt Jansen. Er ist in Höfen aufgewachsen und lebt dort mit seiner Frau, seiner 15-jährigen Tochter und seinem 20-jährigen Sohn.

Der Beruf des Polizeibeamten hat ihn immer gereizt. „Schon als Kind wollte ich Polizist werden, das hat sich auch später nie geändert“, sagt der 46-Jährige.

Die Hauptschule in Monschau verließ er mit der Mittleren Reife und besuchte anschließend im Alter von 17 Jahren die Polizeischule in Linnich. Sein Weg führte ihn über die Hundertschaft zum Personen- und Objektschutz.

In diesem Bereich war er bis 1993 beschäftigt, bevor er zwei Jahre lang Dienst bei der Einsatz-Hundertschaft in Aachen leistete. Danach wechselte er zur Hauptwache nach Stolberg, wo er im Schichtdienst in verschiedenen Positionen tätig war und die Eifel auch als Polizist kennenlernte.

Wechsel von blau auf grün

„Der Dienst in der Eifel unterscheidet sich grundsätzlich nicht vom Dienst in der Stadt. Es gibt ja Richtlinien. Als Bezirksbeamter ist es aber wichtig, die Mentalität der Menschen zu kennen, das macht es leichter“, erklärt Jansen.

Als neuer Bezirksbeamter für den Bereich Simmerath, zu dem auch die Orte Kesternich, Lammersdorf, Rollesbroich, Paustenbach und Witzerath gehören, wird er zu 80 Prozent im Außendienst tätig sein. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Kontakt zu den Bürgern. „Die Bezirksbeamten sind das Gesicht der Polizei“, sagt der Leiter der Polizeidienststelle in Simmerath, Harald Müller.

Zwölf Jahre lang hat Hermann Carl als Bezirksbeamter der Polizei in der Eifel sein Gesicht gegeben. Auch er startete seine Laufbahn auf der Polizeischule in Linnich. Das war im Jahr 1969. Über Düsseldorf, Köln, Stukenbrock, Stolberg und Eschweiler führte ihn sein Weg schließlich 1981 nach Simmerath, wo er zunächst im Streifendienst tätig war.

„Ich habe den Polizeidienst immer gerne gemacht, mein Traumberuf war aber ein anderer. Lieber hätte ich mich mit dem Wald und den Tieren beschäftigt“, sagt der 62-Jährige. In seiner Freizeit hat er das auch ausgiebig getan, als Organisator der Rollenden Waldschule und Mitgründer des Lernortes Natur hat er sich ebenfalls einen Namen gemacht. Auch in Zukunft werden Wald, Wild und Jagd einen großen Stellenwert bei ihm einnehmen. „Ich wechsele jetzt von blau auf grün“, sagt Carl und lacht. Hochsitz statt Streifenwagen lautet die Devise.

Am Bezirksdienst hat ihn immer die Nähe zu den Menschen gereizt. „Nirgendwo ist man näher am Bürger“, sagt er. Während der Einsätze begegne man immer aufgeregten Leuten, eine besondere Herausforderung sei es dann, stets einen kühlen Kopf zu bewahren.

Was Carl am Polizeidienst geschätzt hat – die Abwechslung und der Kontakt zu den Menschen – , ist auch für Jansen ein wesentlicher Punkt. Beide können sich nicht vorstellen, in einem Büro oder in einer Fabrik zu arbeiten, auch wenn ihnen dann viele traurige und schockierende Erlebnisse erspart geblieben wären.

„Das Schlimmste war, Eltern sagen zu müssen, dass ihr Kind tot ist“, sagt Carl. „Mein traurigstes Erlebnis war der Mord an den Kindern Tom und Sonja in Eschweiler. Das vergisst man nicht“, sagt Jansen. Die beiden Polizeibeamten erzählen von spannenden Rettungsaktionen, von Verfolgungsjagden, Hechtsprüngen über die Leitplanke, um sich selbst zu retten, von dummen Einbrechern und vielen anderen Erlebnissen. Mit ihren Geschichten könnten sie viele Bücher füllen.

Während sie in ihren Erinnerungen wühlen, fällt Jansen doch noch ein Unterschied zwischen der Stadt und der Eifel ein: „Die Einstellung zur Polizei ist hier positiver. Hier wird man auch mal gegrüßt, wenn man im Streifenwagen vorbeifährt. Außerdem kommt man leichter ins Gespräch.“

Auch Vertrauensperson

Immer wieder werden die Polizeibeamten auch in ihrer Freizeit angesprochen oder angerufen. „Oft ist man auch Kummerkasten oder Vertrauensperson. Dann muss man einfach nur zuhören – auch das ist sehr wichtig“, sagt Carl. Einen „Schutzmann im besten Sinne“, das habe er als Bezirksbeamter darstellen wollen. Sein Nachfolger sieht sich als Bindeglied zwischen der Polizei und den Bürgern, als jemand, der der Polizei ein Gesicht gibt.

Ein Unbekannter ist Jochen Jansen in der Eifel nicht. Als gebürtiger Höfener war er auch schon als Vorsitzender des Schützenvereins tätig. Dieses Amt gab er aus beruflichen Gründen wieder ab. „Mit dem Schichtdienst war das nicht zu vereinbaren.“

Wenn er Entspannung sucht, dann setzt er sich auf sein Motorrad und lässt sich den Wind um die Nase wehen. Deshalb darf das Frühjahr für ihn gerne etwas eher beginnen. Wenn es nach ihm geht, darf die Position des Bezirksbeamten ruhig die letzte Stufe auf der Karriereleiter sein. „Ich wollte diese Aufgabe unbedingt haben, das Aufgabenfeld entspricht meinen dienstlichen Neigungen.“

Neben dem Kontakt zu den Menschen, zur Ermittlungsarbeit, der Bearbeitung von Haftbefehlen, den Anfragen anderer Polizeistellen und Behörden, der Begleitung von Großveranstaltungen ist auch die Arbeit mit Schulen und Kindergärten wichtig, etwa im Rahmen der Verkehrserziehung.

Hermann Carl hatte stets auch die Jugendlichen in Simmerath im Blick und veranstaltete mit ihnen in seiner Freizeit viele Aktionen. Auch dabei brachte Carl seine Liebe zur Natur ein und pflanzte mit den Jugendlichen Obstbäume oder renaturierte mit ihnen Palsen im Venn. Auch für Jochen Jansen wird die Arbeit mit den Jugendlichen weiterhin einen Stellenwert haben. Mit dem Jugendtreff in Simmerath und Streetworkerin Lara Brammertz hat er bereits Kontakt aufgenommen.

Damit der Übergang reibungslos verläuft, ist Jochen Jansen schon seit dem 5. Januar als Bezirksbeamter unterwegs. Für Hermann Carl ist am 1. Februar Schluss.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert