Ein Dach schützt jetzt die Postkutsche

Von: Karl-Heinz Hoffmann
Letzte Aktualisierung:
13074858.jpg
Die Postkutsche, die über vier Jahrzehnte zwischen Erkensruhr und Einruhr verkehrte und deren Betrieb 2012 eingestellt wurde, hat eine neue Bleibe gefunden. Helmut Förster, Vorsitzender des Bürgervereins Erkensruhr-Hirschrott, präsentiert stolz den neuen Unterstellplatz, den der Verein mit ehrenamtlichem Engagement geschaffen hat. Foto: K.-H. Hoffmann

Erkensruhr/Einruhr. Über vier Jahrzehnte war sie in touristischer Hinsicht für die Gemeinde Simmerath ein Werbeträger mit überregionaler Anziehungskraft. Von 1969 bis 2012 verkehrte die Postkutsche, die sogenannte „Diligence“, von Juni bis Anfang September durch das malerische Tal zwischen Erkensruhr und Einruhr oder von Einruhr nach Jägersweiler Richtung Obersee.

Im Jahr 2012 kam dann die Hiobsbotschaft: Fahrten hoch auf dem gelben Wagen waren nicht mehr möglich. Wegen technischer Mängel des historischen Gefährts musste der Betrieb dann eingestellt werden.

Nachdem die Kutsche seitdem mehr oder weniger von der Bildfläche verschwunden war, hat sie nun dank des Bürgervereins Erkensruhr-Hirschrott eine neue wettergeschützte Bleibe gefunden. Direkt neben dem Backhaus („Backes“) in Erkensruhr haben die Mitglieder des Bürgervereins mit viel ehrenamtlichem Engagement einen „Carport“ errichtet, in dem die Postkutsche einen würdigen Platz bekommen hat. Auf einer Fläche von 4,50 mal sieben Metern ist dort in Erkensruhr ein weiterer touristischer Hingucker geschaffen worden.

Wie Helmut Förster, Vorsitzender des Bürgervereins, erzählt, habe man im September vorigen Jahres mit den Arbeiten für den Unterstellplatz der Kutsche begonnen. Bis auf das von einer Fachfirma errichtete Ständerwerk wurden alle anderen Bauarbeiten von den Vereinsmitgliedern in Angriff genommen. „Ich schätze mal, dass wir da weit über 300 Arbeitsstunden reingesteckt haben“ erklärt Förster nicht ohne Stolz und ergänzt: „Dass das Ganze nicht ganz billig war, dürfte auch der Nichtfachmann erkennen; da ist der Verein an seine Grenzen gegangen“. Wenn man jetzt jedoch sehe, was dabei herausgekommen ist, „so ist das Geld sicher gut angelegt“.

Im Zusammenhang mit Planung und Ausführung dankt Helmut Förster vor allem auch Ortsvorsteher Christoph Poschen, der bei Überwindung der bürokratischen Hürden überaus hilfreich zur Seite gestanden habe. Ortsvorsteher Poschen sprach dem Bürgerverein ein großes Dankeschön für die geleistete ehrenamtliche Arbeit aus. „Es ist schön, dass die Postkutsche nun einen Platz erhalten hat, wo man sie in ihrer ganzen Schönheit betrachten kann“.

Die 2012 festgestellten technischen Mängel bei der Diligence waren so gravierend, dass das Fahrzeug durch den TÜV für den Fahrbetrieb keine Zulassung mehr erhalten hätte. Fieberhaft hatten dann alle Beteiligten, unter anderem auch der Förderverein der Postkutsche, nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Da es aber Reparaturwerkstätten für Kutschen nicht wie Sand am Meer gibt, gestaltete sich die Suche langwierig. Schließlich diagnostizierte ein „Kutschengutachter“, dass es sich nicht lohnen würde, nochmals Geld in die Postkutsche zu stecken. Rund 10.000 Euro hätte eine Reparatur gekostet. Damit war das Ende der regelmäßigen Fahrten mit der historischen Postkutsche, dem Nachbau eines königlich bayrischen Landpostwagens aus dem 18. Jahrhundert, durch das – wie es in alten Werbebroschüren hieß – „romantische Kleinwalsertal der Eifel“ besiegelt.

Geistiger Vater und Miterbauer der Kutsche war im Übrigen der 1994 verstorbene Ottmar Wollgarten aus Erkensruhr, worauf auch eine Gedenktafel am Backhaus hinweist. Nach Einstellung des Fahrbetriebs stand sowohl für Karin Birkhoff vom Förderverein der Postkutsche als auch für Helmut Förster fest, dass die Diligence als Ausstellungsstück in Erkensruhr bleiben muss. „Das ist uns nun gelungen“, erklärt Förster dazu und ist sich sicher, dass der gelbe Landpostwagen an seinem neuen Standplatz wieder als Motiv für viele Urlaubsbilder dienen wird und damit letztlich auch wieder als Werbeträger für den Ort und die Region in Aktion tritt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert