Ein Büchlein auf den Spuren der Monschauer Tuchmacher

Von: P. St.
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Im Roten Haus in Monschau finden sich mehrere Stoffmusterbücher, die Zeugnis geben von der hohen Kunst der Monschauer Tuchmacher. Foto: Archiv/P. Stollenwerk
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Die Monschauer Tuchmacher - Eine Wanderung durch Monschaus Vergangenheit und Gegenwart von Albertus und Franz Mathar, preislich bei 12 Euro. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Monschau. Monschaus Geschichte und Bedeutung als einstige Tuchmacherstadt ist weithin bekannt und oft erzählt worden. Rund 200 Jahre lang bestimmte die Produktion der Tuche Leben und Arbeiten in Monschau und verhalf der Rur-stadt zur Ruhm und Reichtum, ehe ab 1950 der endgültige Niedergang der Textilindustrie in den alten Stadtmauern nicht mehr aufzuhalten war.

Mit dem eher wenig beachteten technischen und industriellen Aspekt der Tuchmacher in Monschau beschäftigt sich nun ein neues im Eupener Grenz-Echo-Verlag (GEV) herausgegebenes Büchlein, das den Leser auf eine ebenso unterhaltsame wie kritische aber auch lehrreiche Wanderung durch die ehemalige Tuchmacherstadt mitnimmt.

Verfasst haben den Band Albertus Mathar aus Rohren und sein in Köln lebender Bruder Franz Mathar, die beiden Söhne des aus Monschau stammenden Schriftstellers Ludwig Mathar. Sie veröffentlichten bereits gemeinsam mehrere Bücher.

Der historische geprägte und reich bebilderte Wanderweg durch die Monschauer Altstadt, auch mit vielen Bezügen zur Gegenwart, beschreibt insgesamt 29 Stationen auf rund vier Kilometern Länge, die in Zusammenhang mit den Monschauer Tuchmachern stehen, beginnend an Dreistegen, vorbei am berühmten Roten Haus, dem großartigen Wahrzeichen der Monschauer Tuchmachertradition, bis hin zu den Scheiblerschen Fabriken im Rosenthal.

Heute prägt das touristische Treiben das Leben in der Altstadt, und kaum einem Besucher dürfte bewusst sein, dass nahezu jedes historische Gebäude mit der Tuchmacherzeit verknüpft ist.

Ein Museum wird gefordert

Ihren Beginn nahm die Monschauer Tuchermacherherstellung im 17. Jahrhundert; sie gilt heute als Meilenstein der Textilproduktion im Rheinland. Um so bedauerlicher finden es die beiden Autoren, dass es bislang nicht gelungen sei, in Monschau ein Tuchmachermuseum einzurichten. Eine solche Einrichtung wird von ihnen daher konkret gefordert. Mit der alten Post als ehemalige Tuchfabrik direkt neben dem Roten Haus schlagen sie auch bereits einen „idealen Ort“ vor.

Als aktuell größtes Problem der historischen Altstadt sehen Albertus und Franz Mathar den „schleichenden Zerfall der Sozialstruktur“. Als Produktions- und Versorgungszentrum habe Monschau völlig seine Bedeutung verloren. Die Erwerbsstruktur sei fast ausschließlich auf den Tourismus ausgerichtet. Überalterung, Bevölkerungsschwund und Leerstände könnten auch bald den Verlust der Spuren der alten Tuchmachertradition zur Folge haben.

Im Zuge der Wanderung beschreiben die Autoren detailliert und kenntnisreich Monschaus Entwicklung zur Tuchmacherstadt mit beeindruckenden Zahlen: So beschäftigte allein die Firma Scheibler & Söhne im Jahr 1762 in ihrem Betrieb über 6000 Menschen.

Die Monschauer Tuchfabrikanten waren in zwei Gruppen organisiert: 1775 bildeten zehn Firmen der protestantischen Fabrikanten die sogenannte „Feine Gewandtschaft“. Ihr gegenüber standen die 46 Fabrikanten der „Groben Gewandtschaft“, die sich aus katholischen und kleinen Handwerksmeistern zusammensetzte.

Bei der Wanderung auf den Spuren der Tuchmacher wird der Leser immer wieder mit überraschenden und erstaunlichen Aspekten versorgt, die ihm Monschaus Rang als Tuchmacherstadt eindrucksvoll vor Augen führen.

Hohe Auslandszölle und der technische Fortschritt der Produktion führte dazu, dass gut 100 Jahre später in Monschau nur noch sechs Tuchfabriken mit etwa 800 Beschäftigten existierten. Monschaus Einwohnerzahl war zwischenzeitlich auf 1800 Personen gesunken.

Im Jahr 1978 kam das Ende der „Seidenfabrik“ mit deren Abriss, und mit der Schließung der Rheinischen Wollwerke im Jahr 1983 war dann auch Monschaus letzte Textilproduktionsstätte verschwunden.

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