Ein Bauernhof der anderen Art

Von: Heiner Schepp
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Das Wollschwein gehört zur bedrohten Art, die durch Züchtung auf dem Höfener Hugotshof erhalten wird. Gleichwohl wird ein Teil der hier gezüchteten Tiere nach meist 16 Monaten Lebensdauer auch für den Fleischverkauf verwertet. Foto: Heiner Schepp
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Melanie Hugot krault die anhängliche Ziege „Evi“, die sich, wie alle Tiere auf dem Hugotshof, hier frei bewegen kann. Foto: Heiner Schepp
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Kisten statt Regale: Im Hofladen des Hugotshofs wird eine kleine, aber treue Stammkundschaft mit Fleisch, Obst, Gemüse und mehr versorgt. Foto: Heiner Schepp

Höfen. Mangalitza-Schweinefilet, im Heumantel gebacken, mit Kartoffel-Pastinakekrönchen und jungem Gemüse im Kräuterrahm. Klingt ländlich-lecker. Was sich dahinter verbirgt, können die Freunde der ländlichen Küche am kommenden Mittwoch, 11. September, im dritten WDR-Fernsehprogramm erleben.

Ab 21 Uhr geht es dann in der ersten Folge der fünften Staffel von „Land & lecker“ um das Lieblingsrezept von Bäuerin Melanie Hugot aus Höfen. Gemeinsam mit ihrem Mann Andreas bewirtschaftet die 36-Jährige einen Biohof im Heidgen, der nun im Rahmen der NRW-Kochsendung im WDR zu Fernsehehren kommt.

130 Archen in Deutschland

Nicht nur das TV-Format ist etwas anders als die inflationär über den Bildschirm flimmernden Kochsendungen – auch der Hugotshof ist es. Und das nicht nur, weil er frei von jeglichen Subventionen wirtschaftet. Wenn man den mit grobem Rundstein gepflasterten Hof betritt, fällt sogleich eine Tafel neben dem Eingang zum Hofladen ins Auge: „Nutztierarche“ steht da in großen Lettern, und darunter wird erklärt, was es damit auf sich hat.

Eine Nutztier-Arche ist ein Zuchthof oder eine Zuchtstätte für alte und gefährdete Nutztierrassen. Der Höfeverband der Nutztier-Archen wird von der Dachorganisation ‚Vielfältige Initiativen zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (VIEH)‘ kontrolliert und betreut. Derzeit gibt es in Deutschland 130 Nutztier-Archen, alle diese Höfe und Züchter werden auf artgerechte Tierhaltung und Fütterung kontrolliert.

Besondere Haltungsformen müssen eingehalten werden: Freilauf oder Auslaufhaltung bei allen Wiederkäuern, Schweinen und Geflügel, Wassergeflügel muss zusätzlich eine Bademöglichkeit haben und Ställe müssen mit Stroh eingestreut sein, Spaltenboden ist untersagt.

Auch bei der Fütterung gibt es Vorschriften. Alle Tiere sollen traditionell gefüttert werden, also ohne Leistungsfutter (Mastfutter). Den Tierzüchtern wird nahegelegt, auf Soja, Eiweißfutter und genmanipulierte Futtermittel zu verzichten.

Auf dem Hugotshof bzw. den zugehörigen Weiden (auch in Kalterherberg und Eicherscheid) leben aktuell 22 Hochlandrinder, 25 Schweine, fünf Ziegen, fünf Schafe, rund 100 Hühner und die beiden Gänse „Gunther“ und „Giselhart“, die frech und schnatternd den Hof bewachen – „besser als jeder Hofhund“, so Melanie Hugot lachend. Vor fünf Jahren ist sie mit ihrem Mann aus Bayern in die Eifel gezogen, und gemeinsam hat sich das Paar den Traum vom Biobauernhof als Nebenerwerbslandwirtschaft (Andreas arbeitet zusätzlich im Gartenbau) erfüllt.

Schützen und schlachten?

Dazu gehört auch ein kleiner Hofladen, dessen Spezialität das Fleisch vom Hugotshof aus eigener Schlachtung ist. Wie aber passt das zusammen – Nutztiere erhalten, aber dann zum Verzehr anbieten. Melanie Hugot kennt die Frage und nennt ein Beispiel: „Wenn eines unserer Wollschweine zehn Ferkel wirft, dann behalten wir davon zwei für die Arterhaltung, sechs für den Fleischverkauf und verkaufen zwei beispielsweise nach Süddeutschland, weil dort das Fleisch mit seinen 20 Zentimeter Speckschicht noch gefragter ist als anderswo in Deutschland“, so die Bäuerin.

Die Tiere, die später geschlachtet werden, haben allerdings auch ein weitaus längeres und angenehmeres Leben als Zuchtschweine für die industrielle Fleischgewinnung: „Bei uns werden die Schweine erst mit 16 Monaten geschlachtet, normalerweise mit sechs. Und sie haben hier bei uns eine wunderschöne und naturbelassene Umgebung“, ist Melanie Hugot überzeugt und gesteht, „dass mir jedes einzelne Tier am Herzen liegt und jedes geschlachtete Tier ein bisschen weh tut“. „Therese“ beispielsweise, auch eine Wollschwein-Dame, wurde jüngst dreimal erfolglos gedeckt und wird deshalb wohl bald zum Schlachten nach Vossenack gebracht.

Bei den Hugots gibt es aber nicht nur Fleisch. Vor allem auch die Eier von den freilaufenden Hühnern des Höfener Hofs haben eine treue Stammkundschaft. Manche Hofkunden kommen, um das frische Gemüse zu kaufen. Tomaten und Paprika, Äpfel und Birnen, Sellerie und Salate kommen nur teilweise vom Hugotshof, meist stammen Obst und Gemüse vom befreundeten Gemüsehof Steiger in Bornheim, wo es bei deutlich milderem Klima besser gedeiht und im Sinne des kontrolliert integrierten Anbaus geerntet wird.

Auch Milchprodukte, Tee und Gewürze liefern Biohöfe, mit denen der Hugotshof kooperiert, Liköre, Fruchtaufstrich oder Honig sind dagegen wieder aus eigener Herstellung.

E-Mail und Newsletter

Gleichwohl ist der Verkauf im Hugots-Hofladen nicht das Hauptanliegen dieses Bauernhofs. „Wir können nicht alle Anfragen bedienen, besonders was das Fleisch angeht. Das ist aber auch nicht unsere Idee von diesem Hof“, berichtet Melanie Hugot, dass sie erst jüngst Anfragen von Restaurants nach Fleisch vom Hugotshof ablehnen musste. Vielmehr möchte man eine kleine, treue Stammkundschaft versorgen, die zumeist per E-Mail bestellt oder im wöchentlichen Newsletter sieht, was es derzeit gibt.

Am Mittwoch aber ist erst einmal Spannung angesagt, wenn das Portrait des Hugotshofs über den Bildschirm flimmert, wenn Bäuerin Melanie ihr eingangs genanntes Rezept kocht, die fünf „Konkurrentinnen“ aus ganz NRW zu Gast hat und das Krainer Steinschaf „Bärbel“ oder die verschmuste Ziege „Evi“ zu TV-Stars werden. Ob Melanie Hugot dann den Titel „Beste Bauernköchin in NRW“ gewinnt wird allerdings erst nach der letzten Folge von „Land & lecker“ feststehen.

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