Ein ausgebildeter „Servicehund“ macht das Leben leichter

Von: Andreas Gabbert
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Hundeausbildung auf hohem Niveau: Erik Kersting demonstriert mit Labrador „Falk“, wie ein Vierbeiner einem Menschen mit Behinderung beim Ausziehen der Jacke helfen kann. Foto: Andreas Gabbert

Nordeifel. Der Hund nimmt den Reißverschluss zwischen die Zähne und zieht vorsichtig, bis die Jacke offen ist. Der Mann im Rollstuhl bewegt den Kopf zur linken Seite und nickt leicht. Jetzt schnappt sich der Vierbeiner den Jackenärmel. Er zerrt und zieht.

Ein nicht eingeweihter Beobachter könnte meinen, der Hund greife einen Menschen mit Behinderung an. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der sechsjährige Labrador mit dem Namen Falk ist ein Servicehund, der Menschen mit Behinderung das Leben erleichtern soll, etwa beim An- und Ausziehen.

Falk kann aber noch viel mehr. Er schaltet auf Kommando das Licht an und aus, er öffnet Türen, räumt die Waschmaschine aus und kann Menschen mit einem angepassten Löffel sogar füttern. Gelernt hat er das bei Erik Kersting. Seit fast 25 Jahren bildet der 48-Jährige spezielle Hunde aus: Blindenführhunde, Anfallswarnhunde, die einen Epilepsie- oder Diabetesanfall Stunden vorher erkennen können, oder eben „Hunde mit lebenspraktischen Fertigkeiten“ wie Falk.

Entscheidung nach der Geburt

Meist sind es Hunde der Rassen Golden Retriever, Labrador, Labrador Retriever, Königspudel, Labradoodle oder Goldendoodle die Kersting in seiner Hundeschule mit dem Namen „canis-familaris“ in Fringshaus ausbildet. „Die bleiben immer kindlich und haben eine hohe soziale Abhängigkeit. Die braucht man in diesem Bereich“, sagt Kersting. Aber auch nicht jeder Hund dieser Rassen ist für eine Ausbildung zu gebrauchen. 24 Stunden nach der Geburt, wenn die Welpen noch blind und taub sind und nicht vielen Reizen ausgesetzt sind, entscheidet ihr angeborenes Temperament darüber, ob sich der Hund für bestimmte Aufgaben eignet.

Im Alter von acht Wochen beginnt für den Welpen die Ausbildung. Zwei Jahre lang wird der Vierbeiner täglich mehrere Stunden mit seinem Trainer üben. Dabei kann es im Tagesablauf eines Hundetrainers wie Erik Kersting durchaus zu kuriosen Situationen kommen. „Erst sehen mich die Leute im Rollstuhl sitzen, kurz darauf bin ich mit dem Rollator unterwegs, etwas später dann als Blinder. Wenn die Leute sehen, wie ich den Blindenführhund ins Auto lasse und mich dann ans Steuer setze, gibt es schon mal erstaunte Gesichter“, erzählt Kersting.

Für Irritationen sorgt er zum Beispiel auch, wenn der Hund an der Kasse der Kassiererin das Portemonnaie reicht.

Aber nicht nur der Hund muss geschult werden, auch Herrchen oder Frauchen. Dazu kommt der Besitzer seinen Hund möglichst oft in der Schule besuchen. Im Dialog zwischen Menschen und Tier setzt Kersting auf Gewaltlosigkeit. „Mit Gewalt kann ich keine Partnerschaft aufbauen“, sagt er.

Die Ausbildung der Hunde dauert zwei Jahre und kostet rund 25.000 Euro. Darin enthalten sind die Futter- und Tierarztkosten sowie das Honorar des Trainers. Laut einer UN-Konvention haben Menschen mit Behinderung ein Recht auf die Bezahlung eines Hundes. „Was das anbelangt, ist man in Deutschland aber noch weit hinterher“, sagt Kersting. In Deutschland springt deshalb oft die Stiftung „Hunde helfen leben“ ein, die Kersting mit ins Lebens gerufen hat.

Rund um die Welt unterwegs

Zurzeit leben sieben Hunde bei ihm und seiner Familie. Vier davon sind „Azubis“, die bei Kersting in die Lehre gehen. Die anderen drei gehören zur Familie, Falk ist einer davon.

Um 7 Uhr geht bei den Kerstings das Licht an und die Arbeit mit den Service-Hunden beginnt. Vom Nachmittag bis zum Abend kommen dann Herrchen und Frauchen mit den „normalen“ Hunden.

Im Laufe der Zeit war Kersting an der Ausbildung von rund 180 Epilepsie-Hunden und 30 Blindenführhunde beteiligt. Inzwischen ist er die Hälfte des Jahres rund um die Welt in Sachen Hund unterwegs. Er kooperiert mit Universitäten und der Stiftung „Hunde helfen leben“. Deshalb nimmt der Stellenwert der Ausbildung der Hunde ab. Der Schwerpunkt verlagert sich von den Tieren zu den Menschen.

Schon oft hat Erik Kersting gesagt, das sei der letzte Hund, den er ausbildet. Ganz wird er es aber wohl nicht sein lassen können, schließlich hängt sein Herzblut an den Tieren und deren Ausbildung.

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