Eifelwolf wird im 19. Jahrhundert gnadenlos gejagt

Von: rpa
Letzte Aktualisierung:
wolf-hist_bu2
Der Wolfsbrunnen in Woffelsbach erinnert ebenfalls daran, dass es vor gut 150 Jahren in der Eifel Wölfe gab. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Wölfe waren es, die aus einer Herde in Imgenbroich fünf Schafe geraubt und gerissen hatten. Mitte September 1834 beklagt der Bürgermeister Hardt, die Wölfe würden immer dreister, sogar an den ersten Häusern von Mützenich seien sie aufgetaucht.

Eine Treibjagd Anfang September wie auch am 18. September in Bereich Roetgen, Konzen und Mützenich hatte kaum Erfolg: Zwar wurden zwei Wölfe gesehen, sie blieben aber außer Schussweite.

Ein wenig ist der Wolf bereits zurückgekehrt, denn im Buch „Tier- und Pflanzenwelt im Nationalpark Eifel” (2006, Bachem Verlag Köln) ist dem Wolf ein Kapitel gewidmet. Darin wird erzählt, dass die Wölfe einst auch Eifel und Venn durchstreiften, dass der Wolf dann gnadenlos verfolgt wurde bis er schließlich ausgerottet war.

Die Wolfskuhl in Konzen, der Wolfsweg in Höfen und die Wolfsgasse in Steckenborn erinnern daran, dass die Wölfe einst in dieser Region zu Hause waren. Auch in den Ortsnamen Wolfgarten (bei Mariawald) und Wollseifen hat der Wolf gleichsam seine Ausrottung in der Eifel überdauert.

Von 1816 bis 1822 waren die Wölfe in der Eifel regelrecht zur Plage geworden. In harten Wintern wagten sich die Rudel bis in die Dörfer, um Vieh zu reißen. Wild gab es zu dieser Zeit kaum noch, denn fast alle Wälder waren abgeholzt, die Eifel war ein karges Land. Allein 1816 wurden, wie eine Chronik berichtet, mehr als 30 Wölfe erlegt. Von 1817 bis 1888 zählte die Strecke in der gesamten Eifel-Region sogar 1672 Wölfe.

In jenen Jahren wurden vor allem in den Kreisen Monschau, Schleiden und Malmedy ausgedehnte Treibjagden veranstaltet. Im Gebiet zwischen Venn und Schneifel kamen im Zeitraum von 1820 bis 1865 insgesamt 69 ausgewachsene Wölfe, elf Jungwölfe und 42 Nestwölfe zur Strecke. Von 1816 bis 1822 wurden in den Wäldern im Regierungsbezirk Aachen 224 Wölfe getötet. Für tote Wölfe wurden Prämien gezahlt und solange immer wieder erhöht, bis auch der letzte Wolf erlegt war.

Unterschiedliche Daten

Wann aber genau der letzte Wolf in Eifel und Venn ausgerottet war, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Die letzte Meldung von der „Vertilgung” eines Wolfes datiert vom 11. Mai 1870. Der Wirt Johann Joseph André zu Bévercé erlegte in der Nähe von Baraque Michel einen Wolf, so lesen wir im „Kreuz der Verlobten” von Viktor Gielen. Der Raerener Pfarrer hat in diesem Buch den Wölfen ein ganzes Kapitel gewidmet. Darin berichtet er auch über das Schicksal des Lohgerberknechtes Aegidius Bauduin, der im Mai 1816 auf dem Wege nach Schöneseiffen von Wölfen „angefallen und aufgefressen” worden sein soll.

Der letzte „Eifelwolf” wurde angeblich 1888 bei Auel (im Kreis Daun) zur Strecke gebracht. In einer anderen (ungesicherten) Quelle ist hingegen zu lesen, dass 1890 in der Nordeifel (bei Monschau) noch einmal zwei Wölfe erlegt wurden. Nachzulesen ist dies 1960 bei E.G Zitzen in „Scholle und Strom”, Band 5, Tiere und Forsten. Tatsache aber ist: Noch um 1900 ließen einigen Gemeinden auch in den Kreisen Monschau und Schleiden den Eifelwolf in den Jagdpachtverträgen aufnehmen. Danach waren die Jagdpächter verpflichtet, sofort Anzeige zu erstatten, „wenn sich in ihren Revieren Spuren von Wölfen zeigten”.

„Im Monschauer „Stadt- und Landboten” finden wir in der Ausgabe vom 12. April 1873 eine Notiz, in der es heißt: „Im vergangenen Winter melden die Zeitungen das häufige Erscheinen von Wölfen. Auch in der Nähe von Simmerath zeigte sich eine solche Bestie. So wurde im Februar 1873 ein harmloser Wanderer von einem Wolf im Kranzbruch bei Simmerath überfallen. Doch dieser verhungerte Wolf war zu schwach, um sein Opfer zu reißen, denn der Wanderer gebrauchte seinen Stock dermaßen, dass der Wolf mit blutiger Schnauze und eingezogenem Schwanz laufen ging und in der so genannten Wolfsgasse verschwand.”

Heute erinnern nur noch einigen Straßennamen an die Wölfe in der Eifel - wie die Wolfskuhl in Konzen, der Wolfsweg in Höfen, oder das Dorf Woffelsbach mit seinem Namen. Der Name Woffelsbach, so wird erzählt, rühre von den Wölfen her, die früher zum Trinken an die Rur gekommen seien. Daran erinnert auch der aus den 1950er Jahren stammende Wolfsbrunnen, der im Jahr 2003 renoviert wurde. Der „Wolfshügel” ist ein Eifelblick bei Einruhr. Ein Wolf ist auch im kleinen Venn-Museum im Haus Ternell zu sehen. 1860 sei der letzte Wolf im Kreis Eupen erlegt worden, ist dort zu lesen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert