Eifelpfeil: Er verdient sein Geld mit Pfeil und Bogen

Von: Andreas Gabbert
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Michael Kieweg in seiner Werkstatt am Kirchbruch in Konzen: Das Wohnen und Arbeiten im gleichen Haus erfordert zwar Disziplin, eröffnet ihm aber auch Freiheiten und eine Unabhängigkeit, die er nicht mehr missen möchte. Foto: A. Gabbert

Konzen. In der Werkstatt von Michael Kieweg in Konzen stapeln sich Kartons mit Geweihen und Federn in allen möglichen Farben. Die braucht der 52-Jährige zur Ausübung seines nicht alltäglichen Berufs. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und arbeitet heute als Pfeil- und Bogenbauer.

Auf dem Tisch liegt eine halbierte, orange-farbene Truthahnfeder. Mit einem Rollmesser fährt Kieweg an einer Schablone entlang, die er extra für diesen Zweck angefertigt hat. Anschließend wird der Federkiel an einem Pfeil befestigt, um die Stabilisierung zu verstärken.

„Ohne diese Verstärkung würde der Pfeil zwar schneller fliegen, aber auch empfindlicher und nervöser reagieren“, erklärt Kieweg. Etwa zehn Minuten braucht er, um einen einfachen Pfeil fertigzustellen, nach oben gibt es aber keine Grenze. Zum Einsatz kommen Materialien wie Karbon, Holz oder Bambus. Wer so einen Pfeil haben möchte, ist ab 6 Euro dabei.

Nach oben keine Grenzen

Auch beim Bogenbau gibt es aufwandsmäßig und preislich nach oben keine Grenze. Meist bereitet Kieweg mehrere Rohlinge vor, die er dann später weiterverarbeitet. Die Fertigungsdauer hängt stark vom Material ab. „Flachbögen aus Bambus lassen sich auch gut mit der Maschine bearbeiten“, sagt Kieweg.

Anders sieht das aber zum Beispiel bei dem Eibestab aus, der in der Werkstatt in einer Ecke steht. Dieser ist aus einem kompletten Stamm gespalten und da er keine geraden und glatten Referenzflächen aufweist, mit Maschinen sehr schwierig zu bearbeiten. „Den will ich nicht verhunzen“, sagt Kieweg. Ein einfacher Bogen ist ab 150 Euro zu haben.

Auf der Werkbank findet sich kaum noch ein freier Platz. Garn, Kerzen, Beize, Holzöl, Akkuschrauber, Kleber, Schieblehre, Hobel, Leder, Beile, Äxte, Dechsel, Hohleisen, Schraubzwingen, Schnitzmesser und verschiedene Chemikalien zur Bearbeitung von Metallen verteilen sich dort. „Die meisten sind klassische Werkzeuge der Holzbearbeitung“, sagt Kieweg.

Testen und Neues ausprobieren

Michael Kieweg wurde 1964 in Aachen geboren. 1972 zogen seine Eltern mit ihm nach Lammersdorf. „Meine Kindheit habe ich überwiegend draußen im Freien verbracht. Ich habe mit meinen Freunden Räuber und Gendarm gespielt und natürlich auch mit Pfeil und Bogen. „Wer jemals als Kind einen Bogen gebaut hat, der kann verstehen, was mich daran fasziniert“, sagt Kieweg.

Nach dem Abitur 1984 am St.-Michael-Gymnasium in Monschau zog es ihn zum Studium der Physik zurück in die Kaiserstadt. Das Studium schmiss er bald hin und absolvierte Ausbildungen zum Stahlbauer und zum Schmied. Später kam noch eine Ausbildung zum Maschinenbautechniker hinzu. 1992 kehrte er als Familienvater in die Eifel zurück und ließ sich in Konzen nieder.

Hier traf der Fantasy-Begeisterte auf Bekannte, die an sogenannten Live-Rollenspielen teilnehmen, bei denen die Spieler ihre Spielfigur auch physisch selbst darstellen. „Die brauchten ein paar Bogenschützen. Wir wollten die Bögen und die Pfeile selbst bauen und haben uns auf Mittelaltermärkten umgesehen. Wir dachten, wir kriegen das hin. Dem war aber doch nicht so. Wir wussten einfach nicht, auf was man achten muss. Irgendwann hatten wir was, das hielt, aber nicht gut aussah“, sagt Kieweg.

Im Laufe der Zeit wurden die Bögen dann aber immer besser. Aber auch heute noch probiert Kieweg gerne Neues und testet die Grenzen aus. „Ab und zu muss ein Bogen bei der Arbeit kaputtgehen, damit ich weiß, wie weit ich gehen kann. Sonst lerne ich nichts dazu“, sagt er.

Lange Zeit blieb der Bogenbau für ihn ein Hobby, das sich selber tragen musste. Zu einer Zeit, in der Kieweg arbeitslos war, kam sein Freund Jürgen Evans auf die Idee, gemeinsam eine Werkstatt in Monschau am Holzmarkt zu eröffnen. „Das muss um 2006 herum gewesen sein. Ich hab das zuerst abgelehnt und erstmal überlegt“, erinnert sich Kieweg.

Schließlich eröffneten die beiden doch die Werkstatt, arbeiteten bis zu Evans Ausstieg gemeinsam und boten auch Kurse im Bogenbau an. Als sein Kollege ausstieg, stand Kieweg vor der Frage: „Schmeiß ich hin oder mach ich weiter?“ Beruflich sah er keine andere Perspektive und machte weiter. „Die ersten zwei Jahre waren anstrengend. Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich mir noch eine Dose Lack kaufen kann, oder ob es dann nicht mehr für die Miete reicht“, sagt Kieweg.

Kieweg baute und lehrte nicht nur, sondern schrieb auch Artikel für Fachzeitschriften über den Bogenbau. Auf Mittelaltermärkten trat der Mann mit der imposanten Erscheinung als Wikinger verkleidet auf und machte Werbung für sein Geschäft. Die Nachfrage zog an. Der nächste große Schritt war die Zusammenarbeit mit einem Professor der Universität Düsseldorf. Kieweg wurde beauftragt, Pfeile für ein historisches Forschungsprojekt nachzubauen. „Das hat viele neue Türen geöffnet“, sagt er.

In seinen alten Beruf oder in ein Angestelltenverhältnis will Kieweg nicht mehr zurück. „Ich weiß auch nicht, ob ich das könnte. Hier bin ich mein eigener Herr“, sagt er und lässt den Blick durch die Werkstatt schweifen. Die Werkstatt am Holzmarkt in Monschau hat er schon vor längerer Zeit geschlossen und in seinem Haus am Kirchbruch in Konzen neu aufgebaut.

Das Wohnen und Arbeiten im gleichen Haus erfordert zwar Disziplin, eröffnet ihm aber auch Freiheiten und eine Unabhängigkeit, die er nicht mehr missen möchte. Auch abends bastelt er oft noch in seiner Werkstatt. „Wenn andere Tatort gucken, werkel ich hier so für mich hin. Das macht ja Spaß. Das ist nicht einfach ein Job, sondern auch Freizeitinhalt. Dann arbeitet man auch anders“, sagt Kieweg.

Wer Interesse an Pfeil und Bogen hat und vielleicht selbst mal einen Bogen bauen möchte, kann mit Michael Kieweg unter Telefon 0178/8582259 oder per E-Mail an info@eifelpfeil.de Kontakt aufnehmen.

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