Imgenbroich - Eifeler Mädchen träumt den Model-Traum

Eifeler Mädchen träumt den Model-Traum

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
„Hallo, ich bin Beccy”: Norm
„Hallo, ich bin Beccy”: Normalerweise läuft die 19-jährige Rebecca Mir durch Monschau-Imgenbroich. Doch derzeit läuft sie über die Laufstege im Casting-Format „Germanys next Topmodel”. Die Aufzeichnungen werden ab Donnerstag auf ProSieben Foto: ProSieben/Oliver S.

Imgenbroich. „Hallo, ich bin Beccy, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Aachen.” Sehr sympathisch kommt die junge Frau daher, die da im kurzen Video auf der Internetseite von ProSieben über den Bildschirm flimmert.

„Beccy” - das ist Rebecca Mir, die mittlerweile 19 Jahre alt ist und nur im weitesten Sinne aus Aachen kommt. Denn der Teenager ist ein Mädchen vom Land: Sie wohnt genau genommen in Monschau-Imgenbroich und hat es nun unter die Top 50 des Castingformats „Germanys Next Topmodel” (GNTM) geschafft, das am Donnerstag, 20.15 Uhr, in seine sechste Staffel startet.

Doch übermorgen wird ein Großteil der 50 jungen Mädchen schon gar nicht mehr im Rennen sein. Denn in Echtzeit läuft das Auswahlverfahren der TV-Show schon seit vier Wochen - und zwar jenseits des großen Teiches. Heidi Klum, die allgewaltige Macherin von GNTM, weilt mit ihren Auserwählten bereits seit Anfang Fe-bruar in der Sonne von Los Angeles, wo aber nicht Sonnenbad und Chillen angesagt sind, sondern - laut Website - „knallharte Arbeit” und - das weiß jeder, der das Format kennt - ein gnadenloses Filterverfahren.

„Die Top-50 müssen Heidi Klum und ihre neuen Jury-Kollegen Thomas Hayo und Thomas Rath täglich von ihren Modelqualitäten überzeugen”, steht auf der Internetseite der Show. Offenbar sind die Spielregeln seit der letzten Staffel modifiziert worden. Laut Homepage müssen die Bewerberinnen in der sechsten Staffel „rund um die Uhr alles geben, denn es kann jederzeit für eine oder mehrere von ihnen nach Hause gehen”. Was das konkret bedeutet, will bei ProSieben derzeit noch niemand erläutern.

Ihr Handy musste sie abgeben

Zu den Spielregeln des Formats gehört schon immer, dass nicht vor der Ausstrahlung der ersten Folgen an die Öffentlichkeit dringt, wer noch dabei ist und wer schon nach Hause fliegen musste. „Die Mädels mussten ihre Handys abgeben und den Kontakt nach Hause auf das Allernötigste beschränken”, erzählt Rebeccas Mutter Mareike. „Ich werte es aber mal als gutes Zeichen, dass meine Große noch nicht wieder zuhause ist.”

Egal, wo ihre Tochter am Ende landen wird - ein wenig „Star” ist Rebecca Mir bereits jetzt - im weltweiten Netz. Im Internet-Netzwerk Facebook findet sich eine Gruppe namens „Rebecca - Topmodel 2011”, der schon vor dem Fernsehstart knapp 600 Mitglieder angehören. Und dass die 19-Jährige schon jetzt beim Publikum gut ankommt, zeigt sich auf der Internetseite von „Germanys Next Topmodel”, wo „Beccy” unter den „Top sechs” in der Zuschauergunst auftaucht.

Dabei ist Rebecca Mir eigentlich ein ganz normaler Teenager. Sie besucht die Jahrgangsstufe elf des St.-Michael-Gymnasiums in Monschau, verbringt ihre Freizeit am liebsten mit ihren Freunden und gibt als Hobbys Musik und Musical an. Mit Freundin Anni war die Imgenbroicherin sieben Jahre lang Messdienerin in der örtlichen Pfarrgemeinde und betätigte sich sportlich beim Voltigieren im Reiterverein im benachbarten Eicherscheid.

Für den großen Traum vom Model hat Rebecca sich zunächst bis April von der Schule beurlauben lassen. „Das ist okay”, findet die Mutter und sagt: „Rebecca ist 19 und soll das auch ein Stück weit selbst entscheiden.” Von ihrer Mutter kam vor knapp zwei Jahren der Impuls, dass das Modeln etwas für die schlanke (Maße: 86-62-87) und recht große junge Frau sein könnte. „Sie hatte schon immer den Mumm und das Selbstbewusstsein, sich zu präsentieren”, erinnert sich Mareike Mir. Den exotischen Hautteint hat Rebecca dabei wohl ihrem Vater zu verdanken, der aus Afghanistan kommt, in Aachen lebt und natürlich auch mit seiner Tochter fiebert.

Und so bewarb sich Rebecca vor gut einem Jahr bei verschiedenen Modelkonkurrenzen, unter anderem bei der Wahl zur „Miss Aachen”, beim Modelcontest der „Euregio Wirtschaftsschau” und bei der vorigen Staffel von „Germanys Next Topmodel”. Bei letzterer schaffte das Mädchen es dann zwar, vor den Augen von Heidi Klum laufen zu dürfen, doch zwölf Stunden Wartezeit und eine Magen-Darm-Erkrankung schwächten Rebecca dermaßen, dass sie damals noch keine weitere Beachtung fand. Ganz anders erging es ihr bei der Wirtschaftschau in Aachen: Die damals 18-Jährige wurde „Miss Euregio”.

Halbjährige Modelausbildung

Der Preis war ein professionelles Shooting, dass Rebecca Mir ermutigte, neben der Schule auf eigene Kosten eine halbjährige Model-Ausbildung in Holland auf sich zu nehmen. „Da sind wir zweimal in der Woche abends nach Kerkrade gedüst, und während Beccy drinnen das Laufen lernte, bin ich mit Seppl um den Block gewalkt”, erzählt Mareike Mir von der mehrmonatigen Frischluftkur für sie und ihren Boxerrüden.

Die Mutter und Rebeccas Geschwister - der große Bruder Tobias (21) und Schwesterchen Helena (6) - vermissen das immer fröhliche Familienmitglied. „Es ist schon sehr ruhig hier ohne Rebecca”, erzählt Mareike Mir und denkt vor allem an die Wochen vor ihrer großen Reise, als die junge Frau im heimischen Wohnzimmer das Stöckeln mit den Highheels ausprobierte. „Das macht sie gut, obwohl sie solche Schuhe normalerweise nicht anzieht.”

Nun heißt es also Warten - auf Nachricht aus L.A. und auf Donnerstag, wenn Rebecca Mir - ganz unabhängig von ihrem Abschneiden - zu einem Fernsehgesicht avancieren wird.

Dann wird ein Millionenpublikum zuschauen, wenn sie flunkert: „Hallo, ich bin Beccy, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Aachen.”

Einschaltquoten sinken

„Germanys next Topmodel” hat sich zu einer festen Größe im Programm von ProSieben entwickelt. Doch in der zuletzt ausgestrahlten Staffel sanken die Einschaltquoten und im Gegenzug wuchs die Kritik am Format und der allmächtigen Heidi Klum. Die Einschaltquote unter den 14- bis 49-Jährigen sank von Staffel vier zu Staffel fünf von 29 auf 23 Prozent. Absolut fiel die Zuschauerzahl in dieser Altersgruppe damit von knapp vier Millionen auf teils unter drei.

Kritisiert wurde von Brancheninsidern, dass die Sendung ein falsches Bild der gesamten Branche zeichne. So sprach Louisa von Minckwitz, Geschäftsführerin einer der größten deutschen Modellagenturen, in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung” von vollkommen abwegigen „Prüfungssituationen”, denen sich die Teilnehmerinnen aussetzen müssten. Im Zusammenhang mit den Modelverträgen, die die Teilnehmerinnen schließen müssen, sprachen Fachleute von „Knebelverträgen”. Der Verband lizensierter Modellagenturen kritisierte die Verträge als „völlig unangemessene Benachteiligung der Teilnehmerinnen”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert