Eifeler Brandmeister warnen vor Mangel an Nachwuchskräften

Von: M. S.
Letzte Aktualisierung:
5576936.jpg
Die Feuerwehren der Nordeifel nehmen die Herausforderungen einer sich stets wandelnden Gesellschaft erfolgreich an: Dieses Fazit ziehen Kreisbrandmeister Hollands und die kommunalen Wehrführer Christian Förster, Joachim Wynands und Falk Claßen (von rechts). Foto: Manfred Schmitz

Nordeifel. In der Bundesrepublik tun derzeit rund eine Million Feuerwehrleute Dienst – hauptberuflich oder ehrenamtlich. 110.000 von ihnen – Männer, Frauen, Jugendliche – sind in Nordrhein–Westfalen zum Wohle ihrer Mitmenschen und der Natur im Dauereinsatz. Und zwar 24 Stunden rund um die Uhr, 365 Tage und Nächte, auch an Sonn– oder Feiertagen.

Fragt man die Bundesbürger, welche Berufsgruppe ihnen am sympathischsten ist, kommt ohne zu zögern mit Zweidrittelmehrheit die Antwort: „Die Feuerwehr!“ Gleichzeitig klagen viele Freiwillige Feuerwehren über Mitgliederschwund.

Im Gespräch mit Kreisbrandmeister Bernd Hollands, dem Leiter der Feuerwehr Monschau, Falk Claßen, dem Leiter der Roetgener Feuerwehr, Joachim Wynands, und Simmeraths Leiter Christian Förster wurde deutlich: In Relation zu ihren Kameraden in anderen, meist von mittelgroßen Städten geprägten Teilen des Bundesgebietes, stehen die Südkreis–Kommunen recht gut da. „Wir sind noch in einer relativ glücklichen Lage. Zahlen und Fakten unserer Personalstatistik sind seit Jahren konstant und stabil, es besteht kein Anlass zur Dramatik“, resümiert Bernd Hollands.

Aber: „Wir müssen die Situation aufmerksam beobachten, dürfen uns nicht auf Erreichtem ausruhen. Wenn nur geringe Anzeichen für einen Negativtrend deutlich werden und die Löschgruppenstärke abnimmt, ist es zu spät, gegenzusteuern. Schließlich hat unsere Jugend, und ohne diese auch keine schlagkräftige Wehr, heute zahlreiche Angebote zur Freizeitgestaltung.

Und Betätigung in der Freiwilligen Feuerwehr ist schließlich auch ein Hobby zur Muße, freilich ein anspruchs– und verantwortungsvolles.“

Kreisbrandmeister Hollands leitet die Arbeitsgruppe Brandschutz im Amt 32 der Städteregion mit Dienstsitz an Simmeraths Kranzbruchstraße. Er ist in dieser Funktion seit zwei Jahren verantwortlich für die gesetzlichen Aufgaben im Feuerschutzrecht, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz. Der 54–jährige Kohlscheider ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er ist gelernter Schreinermeister und studierte Bauwesen. Mit seiner Berufung zum Amtsleiter pro Sicherheit ist er mehr als zufrieden: „Ich darf mein Hobby zum Beruf machen!“

Seine Mitarbeiter aus dem Südkreis der Kaiserstadt bezeichnet Hollands als „qualifiziert und hoch motiviert, wir haben die richtigen Leute vor Ort“. Ihre Gemeinschaft sei „gut aufgestellt, die Aufgabe des Kreisbrandmeisters ist die permanente Aufsicht über die Wehren, Brandschutz ist ausschließlich Pflicht der Kommunen“. Schlagkräftige Wehren zu erhalten sei Chefsache der Bürgermeister. Ständige Absolvierung von Leistungskursen und Seminaren an der Münsteraner Feuerwehrschule, praktische Übungen des Ernstfalles und versierter Umgang mit neuester Technik wie Atemschutzgeräten garantiere eine stets funktionstüchtige Wehr.

Ein Blick in die Personalstatistik ist recht vielsagend. So sind in den neun Kommunen der Städteregion, von Alsdorf bis Monschau, insgesamt 1883 Wehrleute in Löschgruppen bzw. – zügen aktiv. 475 Nachwuchskräfte umfassen die Jugendabteilungen, 591 Senioren sind der Ehrenabteilung überstellt. Überaus positiv vermerkt Hollands „dass 1282 Kameraden, also zwei Drittel aller Aktiven, den recht komplexen Lehrgang zum Atemschutz–Geräteträger bestanden“.

Schon mit zehn bis zwölf Jahren könnten Jungen wie Mädchen Mitglied einer Jugendabteilung werden. Auch Quereinsteiger, Frauen wie Männer im gestandenen Alter und aus jeder Berufsbranche, seien jederzeit willkommen. Die Grundausbildung umfasse 160 Stunden. Die Gemeinde Roetgen stellt mit 72 Personen die kleinste, Simmerath die zahlenmäßig größte Feuerwehr der Städteregion (320 Aktive an 13 Standorten).

Entscheidendes Kriterium

Ein entscheidendes Kriterium für den Einsatzerfolg jeder Löschgruppe sei, waren sich die vier Experten einig, die tägliche Verfügbarkeit von Einsatzkräften. Für den Roetgener Wehrführer Wynands stellt sich ein Problem unserer wachsend mobilen Gesellschaft: „Wir können momentan im Schnitt nur 14 Kameraden aufbieten, zu wenige, die Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Doch wer kann schon nach Alarmierung umgehend in seiner Heimatkommune gefährdeten Nächsten zu Hilfe eilen, wenn er in Köln auf einer Baustelle oder im Büro arbeitet?“

Ein rechtes Ärgernis, so das einhellige Urteil des „Quartetts, stellten die tückischen Ölspuren auf den Straßen dar. „In Roetgen“, beklagt Joachim Wynands, „müssen wir jährlich 30 Mal ausrücken, um unfallträchtige Brennstoffrückstände, meist Diesel, unschädlich zu machen.“ Als paradox empfinden es die Verantwortlichen, „dass laut Richterurteil die Feuerwehr für die Beseitigung von Ölspuren zuständig ist. Früher übernahmen dies die Straßenmeistereien. Nun befürchten viele unserer freiwilligen Mitglieder, dass sie in ihrem gemeinnützigen Engagement mit Kleinigkeiten verschlissen werden. Der Feuerwehrmann, im Hauptberuf Maschinenführer, muss seinen Arbeitsplatz im Stich lassen, um wegen einer Lappalie die Straße zu fegen“.

Da laut Christian Förster die „Feuerwehr ein Spiegel unserer Gesellschaft ist“, kommt frühzeitiger Nachwuchs-Gewinnung höchste Bedeutung zu. Bernd Hollands: „Die Kinderfeuerwehr, schon für Sechsjährige, wird unbedingt eingeführt, wir müssen der Flut von Freizeit– und Spaßangeboten an die Jugend – Internet, Sport, Urlaub, Wellness– und Vergnügungsparks – mit Positiverlebnissen und attraktiven Angeboten für Jungen wie Mädchen begegnen!“ Apropos Jugend: Beste Erfahrungen machte Roetgens Wehr mit Auflage eines farbig–informativen Flyers. Nach dessen gezielter Streuung an die örtlichen Haushalte traten fünf erwachsene Debütanten der aktiven Feuerwehr bei. Da erscheint es nur konsequent, dass der Kreisbrandmeister ankündigt, eine Broschüre für das Feuerwehrwesen in der Städteregion befinde sich in Vorbereitung.

Falk Claßen sieht „unsere Monschauer Wehr gut aufgestellt, mit gesunder Altersstruktur durchwachsen, wir profitieren von gleich vier Jugendeinheiten. Acht bis zehn Neuaufnahmen standen 2012 nur fünf Verabschiedungen in die Ehrenabteilung gegenüber, also ist erfreuliches Wachstum das Gebot der Zeit“.

Besonderes Gewicht bei der Mitgliederwerbung misst Falk Claßen auch den regelmäßig Tagen der offenen Tür bei. Gleichwohl sieht Claßen für die Zukunft Risiken in der Kontinuität: „Noch stellen die Arbeitgeber ihr Personal zugunsten der Wehr bereitwillig frei. Doch der demografische Wandel ist in allen gesellschaftlichen Bereichen unübersehbar. Viele junge Leute studieren, wechseln den Wohnort oder sind Berufspendler. In den Betrieben muss immer weniger Personal ein stetig umfangreicheres Aufgabenpensum bewältigen. Da ist es verständlich, wenn ein Unternehmer nicht recht glücklich ist, wenn sein Maschinenführer im Schichtbetrieb viele Stunden für die Wehr im Einsatz ist.“

Quereinsteiger

Christian Förster unterstrich die Bedeutung der Quereinsteiger für die Zukunft funktionstüchtiger Wehren: „In der Gemeinde Simmerath haben wir 75 Prozent dieser erfahrenen und berufserprobten Kräfte und beste Erfahrungen mit ihnen gemacht!“

Hollands und seine Kollegen bewerteten zu guter Letzt das „außerdienstliche“ Engagement Nordeifler Feuerwehren mit höchstem Lob: „Sie sind fester Bestandteil des sozialen Lebens, bei Dorffesten, Sport– und Kulturveranstaltungen zuverlässige Partner der Bürgerschaft.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert