Nordeifel - Eifeler auf der Suche nach dem Sommer

Eifeler auf der Suche nach dem Sommer

Von: Carmen Krämer und Alissa Bauer
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Gähnende Leere aufgrund des s
Gähnende Leere aufgrund des schlechten Sommerwetters: Im Naturerlebnisbad Einruhr ist trotz Sommerferien derzeit nicht viel los. Marianne Kazmierowicz und ihr Mann wechseln dennoch jede Woche das Wasser, reinigen das Becken und auch das Kiosk ist weiterhin täglich geöffnet. Foto: Carmen Krämer

Nordeifel. Zur Erinnerung: Es ist nicht November, sondern Juli - wir befinden uns mitten im Sommer und bis Weihnachten ist es noch ein paar Monate hin.

Auch wenn es sich nicht so anfühlt, aber eigentlich ist jetzt die Zeit, in der man Ausflüge ins Freibad unternimmt, Grillabende mit Freunden organisiert oder sich zu Fahrradtouren mit anschließendem Eisschlecken aufmacht.

Dem Kalender nach müsste sich die Region eigentlich längst im Hochsommer befinden, aber wenn man einen Blick aus dem Fenster wirft, sieht man im besten Fall einen grau bewölkten Himmel. Sommerwetter? Fehlanzeige! Und der Wunsch nach warmen Sommerferien wird auch in nächster Zukunft unerfüllt bleiben, denn das Wetter in unserer Region ist weiter schwankend. Mal Regen, mal Wolken, mal Sturm, nur eines bleibt gleich: die herbstlichen Temperaturen.

Ein wenig Optimismus

Aus diesem Grund sieht man besonders in den Eisdielen der Region lange Gesichter statt italienische Lebensfreude. Denn hier ist für diese Jahreszeit verhältnismäßig wenig los. „Wenn es wenigstens konstanteres Wetter gäbe, und ein kleines bisschen wärmer wäre, dann wären wir schon glücklich”, erklärt Graziella Colman aus der Eisdiele „Da Graziella” in Imgenbroich.

Mehr Optimismus herrscht trotz des schlechten Wetters bei Nerio Martini vom Eiscafé „Venezia” in der Touristenhochburg Monschau. Hier ist der Glaube an einen schönen Sommer noch nicht verloren. Die Touristen würden schon noch kommen, wie in jedem Jahr, glaubt der Chef der Monschauer Eisdiele.

Aber was machen die Eisverkäufer der Region eigentlich an solch verregneten Tagen? Eines steht fest: An Arbeit mangelt es auch trotz schlechten Wetters nicht. Es muss schließlich auch bei geringer Nachfrage neues Eis hergestellt und die Cafés ständig in Schuss gehalten werden.

Außerdem wird nicht ausschließlich Eis verkauft, erklären die Mitarbeiter der Eiscafés „Da Graziella” aus Imgenbroich und „Zammatteo” aus Roetgen: „Wir sind und bleiben zwar eine Eisdiele, aber wir führen ja auch warme Getränke und die verkaufen sich jetzt viel besser. Cappuccino, Latte Macchiato und Kakao sind beliebt, obwohl die sonst fast nie zu dieser Jahreszeit getrunken werden. Das ist schon ein komisches Jahr!”

Das kann auch das Ehepaar Kazmierowicz bestätigen, das die Eintrittsgelder für das Naturerlebnisbad Einruhr und den Tretbootverleih entgegennimmt.

Hier herrschte am vergangenen Wochenende aufgrund des Dauerregens gähnende Leere. „Dass der Sommer auf sich warten lässt, wird nicht nur von unserem Eislieferanten beklagt, sondern ist auch nicht schön für den Verein”, erklärt Marianne Kazmierowicz, die den an das Freibad angeschlossene Kiosk gepachtet hat. Sie hält in den Sommermonaten gemeinsam mit ihrem Mann das Schwimmbad des Vereins Naturerlebnisbad Einruhr e.V. in Ordnung. Ihr Mann hat noch ein Nebengewerbe und im Winter ist die gelernte Industriekauffrau Hausfrau.

Die Arbeit im Freibad bereitet ihr Freude, auch wenn dieses Jahr zeitweise relativ wenig zu tun ist. Zwar kämen die Besucher zu ihrem Kiosk auf die Terrasse, im Schwimmbad wäre jedoch häufig Platz für mehr Besucher. „Bei diesem Wetter zählen wir nicht sehr viele Eintritte. Aber die Kosten laufen natürlich immer weiter.”

Tolle Freizeitbeschäftigung

Seit Pfingsten hat das Bad nun geöffnet. Zum Glück, denn an diesem verlängerten Wochenende war es noch schön. „Manchmal rufen auch jetzt Leute aus Aachen oder den Niederlanden an und fragen, wie das Wetter bei uns ist. Wenn es nachmittags aufklart, kommen sie auch. Aber das sind natürlich längst nicht so viele wie an warmen Sommertagen”, weiß die 57-Jährige.

So einen Sommer wie früher wünscht sie sich zurück. „Damals wusste man, es ist Sommer und das bleibt es auch. Aber so wie letztes und dieses Jahr ist doch wirklich traurig. Besonders für die Kinder, die Schulferien haben.” Das Freibad sei bei gutem Wetter schließlich eine ausgezeichnete Freizeitbeschäftigung und aufgrund seiner Übersichtlichkeit optimal für Familien mit kleinen Kindern.

Mehr als übersichtlich ist es in diesen Tagen auch am Badestrand in Rurberg. Wo sich sonst im Sommer Touristen und Daheimgebliebene tummeln, herrscht derzeit eine fast unheimliche Ruhe. Das Gras ist saftig grün und das Wasser lädt zum Baden ein, wäre da nur nicht diese Kälte und der ständige Regen.

Der macht auch den Angestellten der Sommerbobbahn in Rohren immer wieder zu schaffen. Zwar kommen die Besucher seit Ferienbeginn nicht mehr nur am Wochenende in Scharen, aber wenn es regnet, darf niemand die Bahn benutzen. „Wenn es die ganze Zeit regnet, öffnen wir erst gar nicht. Aber wenn nur ein Schauer runterkommt, dann trocknen wir danach die Bahn und eine halbe Stunde später darf man wieder fahren”, erklärt Josef Förster, Angestellter der Bobbahn.

Auf schwierige Wetterverhältnisse muss man sich in dieser Region auch bei anderen Freizeitaktivitäten einstellen, wie die Veranstalter und Betreuer von Ferienspielen-/freizeiten berichten. Marita Delvenne betreut in diesen Sommerferien zum vierten Mal die Ferienfreizeitmaßnahme der Stadt Monschau, die derzeit an der Jugendherberge am Hargard stattfindet.

Über die Jahre hinweg - zuvor war sie Betreuerin bei dem Ferienspielen des Bischofvogthauses - hat sie zahlreiche Erfahrungen und ein großes Repertoire an Spielen gesammelt. „Ich weiß mittlerweile, was bei den Kindern angesagt ist. Natürlich musste ich das Programm in diesem Jahr aufgrund der schlechten Vorhersagen ein wenig umstellen, aber viele Aktivitäten, die für draußen gedacht sind, kann man auch drinnen durchführen. Dafür bietet sich die Jugendherberge sehr gut an”, erklärt sie. „Außerdem sind es meistens eher die Erwachsenen, die Wert auf das Wetter legen. Die Kinder wollen auch bei Regen draußen Fußball spielen und Skateboard fahren. Das ist dann eine Frage der Kleidung.”

Bikini bleibt zu Hause

Auf wetterfeste Kleidung kann derzeit wohl niemand verzichten, der im Freien unterwegs ist. Sandalen und Bikini müssen dabei leider zu Hause bleiben, der Regenschirm ist ein ständiger Begleiter. Familie Mohr aus Langerwehe stört das aber nicht. Die sechsjährige Anna-Lena war mit ihren Eltern am vergangenen Wochenende in Einruhr unterwegs. Dick eingepackt in Regenjacken und geschützt durch ihre Regenschirme hatte die Familie einen Ausflug in die Eifel unternommen. Natürlich sei es schöner, in den Ferien im Freibad zu liegen, „aber die Eifel ist auch so immer eine Reise wert”, sind sich Harald und Anna-Lena einig.

Die Hoffnung, dass der Sommer noch kommt, teilt die Famile aber trotzdem - und das nicht nur mit den Eisverkäufern.
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