Eifeldörfer: Weniger Menschen, mehr leerstehende Häuser

Von: hes
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Teils ist der Zustand einer Immobilie selbst der Grund für deren schwierige Vermarktbarkeit. In den meisten Fällen jedoch, wie hier in Kalterherberg, ist der Leerstand strukturell bedingt, weil auch ein noch so lukratives Häuschen an Attraktivität verliert, wenn Autobahn, Arbeitsplatz oder Einkaufsmöglichkeiten selbst mit dem Auto erst nach längerer Fahrt erreichbar sind. Foto: Heiner Schepp

Monschau. „Haus zu verkaufen”. Wo immer man in diesen Tagen durch die Dörfer im Monschauer Land fährt, sind die Schilder mit dieser Aufschrift nicht weit.

Die Angebote in den Schautafeln von Geldinstituten und Immobilienvermittlungen bestätigen den Eindruck: Selten war der Eifeler Haus- und Wohnungsmarkt derart überschwemmt mit zu kaufenden oder zu mietenden Häusern, Wohnungen, Doppelhaushälften oder auch Gewerberäumen.

Entfernung entscheidend

Je weiter man sich vom Oberzentrum Aachen und der Autobahn entfernt, desto eklatanter scheint die Zahl der dörflichen Leerstände zu werden. Alleine 30 zum Verkauf stehende Immobilien wurden kürzlich bei einer Ortsbereisung der Stadt Monschau in Kalterherberg gezählt; nicht vermietete Häuser und Wohnungen nicht mitgerechnet.

„Kalterherberg legt fast eine Stunde vom Oberzentrum Aachen entfernt, der nächste Autobahnanschluss Lichtenbusch ist zu Berufsverkehrzeiten bestenfalls in 45 Minuten zu erreichen”, rechnete die Stadtverwaltung Monschau jetzt im Wirtschaftsausschuss vor und kommt zu dem Schluss: „Trotz hervorragender dörflicher Infrastruktur wird diese Entfernung für Neubürger offenbar als zu weit empfunden, was sich in rückläufigen Bevölkerungszahlen, sinkenden Immobilienpreisen und einer zunehmende Leerstandsquote ausdrückt”, heißt es da und Björn Schmitz von der Verwaltung spricht von einer „subjektiven Schwelle im Empfinden der Zumutbarkeit der Entfernung von Wohnen, Arbeiten und Einkaufen bzw. Stadterleben”.

Die dörflichen Leerstände sind deshalb nun Gegenstand einer Machbarkeitsstudie im Rahmen der Förderkulisse „Leader”. Frei übersetzt stehen diese sechs Buchstaben für die „Verbindung von Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft”.

Mit „Leader” sollen innovative Projekte im ländlichen Raum finanziert werden, dies aus EU-Mitteln und unter Gegenfinanzierung von Land, Kreis, Gemeinden oder Privaten. Deutschland ist in 148 „Leader”-Regionen mit maximal 100.000 Eiwohnern aufgeteilt, die kulturgeschichtlich, naturräumlich, wirtschaftlich oder verwaltungstechnisch eine Einheit bilden.

Die nordrhein-westfälische Eifel ist eine von elf „Leader”-Regionen in NRW, der damit im Zeitraum 2007 bis 2013 nicht unerhebliche Fördermittel zustehen.

Aktuell werden unter Beteiligung der Stadt Monschau und des „Leader”-Managements vier Projekte betrieben, die Björn Schmitz von der Verwaltung nun im Wirtschaftsausschuss vorstellte. Das „Leader”-Projekt sieht einen Lösungsansatz darin, den wachsenden dörflichen Leerständen die steigenden Übernachtungszahlen im Ferienwohnungstourismus entgegenzusetzen.

Marktlücke oder Überangebot?

„Die betroffenen Gebäude müssten dafür zu einem angemessenen Vermietungsstandard aufgewertet und zentral vermarktet werden, wobei die Eigentümer wahlweise selbst investieren oder ihr leerstehendes Haus bei einer entsprechenden Institution einbringen können”, so die Verwaltung.

Im Wirtschaftsausschuss erntete die Idee ein geteiltes Echo. Während - der selbst in der Branche tätige - FDP-Vertreter Wolfgang Weber die Gefahr eines touristischen Überangebots („Wie viele Ferienwohnungen verträgt Monschau?”) sah, verwies Bürgermeisterin Margareta Ritter auf das benachbarte Ostbelgien, wo Ferienwohnungen eine rasante Entwicklung zum bedeutendsten touristischen Standbein genommen hätten.

Rainer Harth (CDU) empfahl, leerstehehde Häuser nicht um jeden Preis zu modernisieren: „Wer Urlaub in der Eifel macht, sucht nicht unbedingt höchsten Komfort, sondern sucht bewusst nach einer Unterkunft in ihrer ursprünglichen Form und Einrichtung”, verwies auch Harth auf das Beispiel Ostbelgien.

Nahversorgung, Dorfgestaltung und Denkmäler

10.000 Euro beträgt der Eigenanteil der Stadt Monschau an den aktuell vier „Leader”-Projekten, die nun im Wirtschaftsausschuss Thema waren. Ein Thema neben den dörflichen Leerständen ist die Nahversorgung der Eifelbevölkerung mit Waren des täglichen Bedarfs.

Dabei sei Monschau aber mit Dorfläden in sechs Stadtteilen und einem erstklassigen Einzelhandelsangebot in Imgenbroich „noch weitaus besser bedient als andere Regionen”, so die Verwaltung.

Ein weiteres Projekt mit Namen „Planen, Bauen, Gestalten” und behandelt den Erhalt der über Jahrhunderte gewachsenen, unverwechselbaren Gestalt der Eifeldörfer. Durch Sensibilisierung der Bürger wie der Politik und mit der Festlegung baukultureller Qualitätskriterien möchte dieses projekt zunehmenden „Bausünden” und untypischen Dorferweiterungen entgegenwirken. Das „Leader”-Projekt „Archeo-Region Nordeifel” möchte regionaltypische archäologische Denkmäler attraktiv präsentieren und damit in den Blickpunkt stellen. Im Falle Monschau soll der Rahmenberg als Relikt der Tuchmacherzeit besser erschlossen, auf bereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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