Eifel statt Frankreich: Geburtstagsfeier mit der neuen Familie

Von: Sonja Essers
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Freuen sich über den guten Austausch: Denis Dupont, Bernadette Rader, Sascha Conrads und Sara Mertens (von links). Foto: Essers

Kalterherberg/Konzen. Etliche Geschenke gab es für Denis Dupont bereits einen Tag vor seinem 14. Geburtstag. Das war jedoch nicht die einzige Änderung, die den Achtklässler im Rahmen seines Ehrentags erwartete. Seinen Geburtstag feierte Denis nämlich nicht gemeinsam mit seinen Eltern, seinen beiden Schwestern und seinen Freunden in seiner Heimat Bourg-Saint-Andéol.

Der aus Frankreich stammende Schüler verbrachte seinen Ehrentag gemeinsam mit Familie Conrads in Konzen. Bereits seit Ende Oktober ist Denis bei seinem deutschen Freund Sascha Conrads und dessen Familie zu Gast. Der Grund: Der 14-Jährige nimmt an einem zweimonatigen Schülerpraktikum teil, das vom Monschauer Städtepartnerschaftsverein organisiert wurde. Sein bisheriges Fazit: In Deutschland gefällt ihm so manches besser, als in seiner Heimat.

40 Jahre besteht die Städtepartnerschaft zwischen der französischen Stadt Bourg-Saint-Andéol und Monschau mittlerweile. Doch nicht nur die Erwachsenen können sich damit bestens identifizieren, sondern auch der Nachwuchs, wie Bernadette Rader, Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins, zu berichten weiß. Sie kümmert sich darum, dass die Jugendlichen aus Deutschland und Frankreich sich regelmäßig sehen. Angeboten werden nicht nur jährliche Jugendfahrten, die bis zu zehn Tage dauern, sondern auch die zweimonatigen Schülerpraktika.

Was man sich darunter vorstellen kann? Ganz einfach: In seiner Schule in Bourg-Saint-Andéol wurde Denis für zwei Monate freigestellt, um das St.-Michael-Gymnasium in Monschau zu besuchen. Einzige Voraussetzung: Der 14-Jährige muss an allen Unterrichtsfächern teilnehmen. Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass Denis auch Fächer wie Mathematik oder Physik in deutscher Sprache folgen muss.

Für ihn sei das allerdings kein Problem, wie er betont. Immerhin habe er sich für das Schülerpraktikum entschieden, um besser Deutsch zu lernen. Und wie klappt das? „Er hat schon wahnsinnige Fortschritte gemacht“, blickt Gastmutter Astrid Conrads auf die vergangenen Wochen zurück.

Als die beiden Jungs, die sich bereits bei einem Jugendaustausch im vergangenen Jahr kennen gelernt hatten, die Idee austüftelten, musste Astrid Conrads nicht lange überredet werden. Bereits im März dieses Jahres besuchte Denis die Familie im Rahmen des Jugendaustauschs zum ersten Mal. Ende Oktober folgte der zweite Besuch. „Es ist für uns so, als wenn ein drittes Kind dabei wäre. Wir nehmen Denis überall hin mit und führen trotzdem ein ganz normales Familienleben. Das war keine große Umstellung.“

Auch Sohn Sascha ist begeistert. Der 14-Jährige, der noch einen älteren Bruder hat, freut sich darüber, dass jemand in seinem Alter im Haus ist. Doch kommen nach mehreren Wochen nicht auch Streit und Langeweile auf?

Keineswegs, lautet die deutliche Antwort von Sascha Conrads. „Ich habe mich in der Schule umgesetzt, damit Denis nicht alleine sitzt. Er nimmt an allen Gruppenarbeiten teil und wenn ich mich mit Freunden treffe, ist er auch dabei. Die verstehen sich mit ihm auch sehr gut“, sagt Sascha Conrads.

Er kann sich einen zweimonatigen Aufenthalt in Frankreich derzeit nicht vorstellen. Anders sieht es da bei Sara Mertens aus Kalterherberg aus. Sie absolvierte ihr zweimonatiges Schülerpraktikum bereits im März dieses Jahres. Bevor es allerdings so richtig losging, musste die damals 15-Jährige erst einmal eine Bewerbung an die französische Schule schicken. Für sie war das kein Problem. „Ich bin gerne in Frankreich und spreche gerne Französisch“, sagt sie.

Das französische Schulsystem sei für sie die größte Herausforderung gewesen, gibt sie rückblickend zu. Nicht nur die längeren Schulstunden - in Deutschland umfasst eine Unterrichtsstunde 45 Minuten, in Frankreich sind es 55 Minuten - sondern auch der längere Schultag machten der Kalterherbergerin zu Beginn ihres Aufenthalts zu schaffen. Und damit nicht genug. „Mathe ist in einer Fremdsprache unheimlich schwer. Das hätte ich nicht gedacht“, sagt sie und fügt hinzu: „Am Anfang war das sehr gewöhnungsbedürftig und kam mir unstrukturiert vor.“

Auch Denis gefällt das deutsche Schulsystem besser als das französische. Das hat jedoch noch weitere Gründe. „Der Zusammenhalt in der Klasse ist besser“, meint der 14-Jährige. Besonders gut gefällt ihm der Chemie-Unterricht am St.-Michael-Gymnasium.

Und wie klappt die Verständigung mit seinem Kumpel Sascha? Die beiden Teenager versuchen Deutsch miteinander zu reden und falls das mal nicht klappt, hilft man sich mit einem Wörterbuch weiter.

Für Denis geht es bereits am morgigen Freitag wieder nach Bourg-Saint-Andéol zurück. Wann er und sein Freund Sascha sich das nächste Mal sehen werden, steht momentan noch nicht fest. Im Januar des kommenden Jahres wird allerdings seine Schwester Blandine ein Praktikum in Monschau absolvieren.

Und wie sieht es bei Sara aus? Sie freut sich bereits auf den nächsten Jugendaustausch (siehe Box), der im März des kommenden Jahres vom Städtepartnerschaftsverein veranstaltet wird.

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