Vogelsang - Ehemaligem Vogelsang-Referenten Hausverbot angedroht

Ehemaligem Vogelsang-Referenten Hausverbot angedroht

Von: Klaus Pesch
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Hausverbot hat Sven Kraatz in
Hausverbot hat Sven Kraatz in Vogelsang, doch das stört ihn offensichtlich nicht besonders - zumal er Mitglied im Schwimmbad-Verein ist und dafür seinen Zugang reklamiert. Am 15. Februar wird im Gemünder Amtsgericht gegen ihn verhandelt. Foto: Pesch

Vogelsang. Sven Kraatz (40) aus Dreiborn ist das, was man landläufig einen kleinen Mann nennen würde. Über viel Geld verfügt er nicht, er ist auf staatliche Unterstützung angewiesen. Von Zeit zu Zeit verdient er sich etwas Geld als Wander- und Naturführer im Nationalpark Eifel und im Hohen Venn.

Jetzt hat Kraatz einen Strafbefehl und eine Vorladung zur Gerichtsverhandlung am 15. Februar erhalten. Wegen Hausfriedensbruch in sieben Fällen - einem Vergehen nach Paragraf 123, 53 StGB - ist gegen ihn eine Gesamtgeldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Euro, also insgesamt 1800 Euro, festgesetzt worden. Angezeigt worden ist er von der Standortentwicklungsgesellschaft Vogelsang (SEV).

Albert Moritz, Geschäftsführer von Vogelsang ip, erklärte der Rundschau, Sven Kraatz habe vor Jahren als Referent in Vogelsang gearbeitet. „Nach verschiedenen Differenzen hat sich die ip vor zwei Jahren von Kraatz getrennt”, so Moritz. Und Geschäftsführer Thomas Fischer-Reinbach erläutert weiter: „Er ist danach wiederholt hier oben aufgetaucht und hat eigene Führungen durchgeführt.” Man habe den Mann daraufhin angeschrieben und ihm erklärt, dass er damit seine Kompetenzen überschreite. Darauf habe er jedoch nicht reagiert.

Fischer-Reinbach berichtete weiter, dass der unbotmäßige Protestler außerdem Plakate und Handzettel verteilt habe, auf denen er gegen Pläne eines Hotel-Neubaus, etwa eines Krimihotels, in Vogelsang protestiert habe. Fischer-Reinbach: „Er ist laut eigener Selbsteinschätzung ein so genannter ,Wutbürger mit eigener Webseite. Und er behauptet, auf Teufel komm raus sollten in Vogelsang Grundstücke verkauft werden, um Gewinne zu maximieren.” Man habe Anzeige erstattet, damit die Aktionen auf dem eigenen Gelände endlich aufhörten. Dass gleich eine Geldstrafe von 1800 Euro dabei herausgekommen sei, habe man gar nicht beabsichtigt.

Was für ein Mensch ist das überhaupt, der da mit ganz offensichtlicher Freude an der Provokation Vogelsang herausfordert? „Ich bin früher ziemlich viel rumgetingelt und vor sieben, acht Jahren sesshaft geworden. Seit 2003 wohne ich in Dreiborn”, erzählt er freimütig. Gebürtig stamme er aus Dresden. In der ehemaligen DDR habe er eine Lehre auf dem Bau gemacht, später dann - nach dem Fall der Mauer - im Westen eine Kaufmannslehre gemacht. „Ich war schon immer ein Paradiesvogel”, sagt er.

Ärger habe er sich mit der Gemeinde Simmerath und der Stadt Schleiden eingehandelt, als er mit einem Eiswagen die Behörden zum Einschreiten bewegte. Er habe später Hartz VI beantragt und im Rahmen eines Ein-Euro-Jobs Eintrittskarten in Vogelsang verkauft. „Später wurde ich dann gefragt, ob ich nicht Lust hätte, als Referent tätig zu werden”, berichtet Kraatz. Dafür habe er sich 500 Seiten in drei Wochen durchlesen müssen.

„Dann gab es eine Prüfung am 20. April 2007 in Einruhr. Da lautete doch tatsächlich die letzte Frage: Welches historische Ereignis verbinden Sie mit dem heutigen Tage? Ich habe dann hingeschrieben: ,Adolf Hitlers Geburtstag, ein für mich nicht historisch erwähnenswertes Ereignis. ”

Er bestand die Prüfung und durfte anderthalb Jahre auf Honorarbasis Führungen durchführen. Doch dann sei ihm gesagt worden, er sei nicht geeignet dafür. „Ich bekam auch keine Schulklassen mehr.” Er gibt zu, dass er auch Hitlers „Mein Kampf” dabei gehabt und daraus vorgelesen habe, um das Buch zu entmystifizieren. „Aber andere haben das auch gemacht”, sagt Kraatz. Er selbst distanziert sich von Nazi-Ideologen. Auch in Vogelsang wird bestätigt, dass er nicht solchen Strömungen zugerechnet werden kann, wenngleich es auch solche Gruppierungen gibt, die Kraatz´ auch im Internet geäußerten Protest übernehmen.

Weil er kaum noch Aufträge erhalten habe, habe er schließlich auf eigene Faust Gruppen durch Vogelsang geführt. Das sei ausdrücklich erlaubt gewesen, er habe vorher jeweils 40 Euro gezahlt. Sogar niederländisch habe er gelernt, um holländische Gruppen führen zu können.

Er habe dann selbst Flyer und Plakate verteilt und aufgehangen, was ihm jedoch untersagt wurde. Später habe er dann keine Führungen mehr erhalten.

Albert Moritz habe ihm per E-mail mitgeteilt, demnächst werde gegen ihn ein Hausverbot erteilt. Dieses sei ihm jedoch bis heute nicht offiziell zugestellt worden. Das stehe auch in seiner Akte, in die er Einsicht genommen habe. Es werde von sieben Verstößen gesprochen. „Die anderen haben sie nicht gesehen”, so Kraatz lächelnd. Sogar mit einem Foto werde dokumentiert, dass er in Vogelsang Flugblätter gegen einen Hotelneubau verteilt habe.

„Vogelsang versteht sich als ein gastfreundlicher Ort, ein Ort der Toleranz und Offenheit für Menschen aus der Region und aus allen Kulturen der Welt” heißt im Vogelsang-Leitbild von 2007. „Ich muss jetzt mal sehen, ob das in der Praxis tatsächlich auch so ist und ob hier jeder wirklich seine Meinung frei äußern darf”, sagt er. Bange ist Kraatz kein bisschen vor der Verhandlung, die er sogar herbeiwünscht. Zumal seine Meinung von etlichen Personen geteilt werde.
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