Ehemalige Schlachtplätze sind nun Urlaubsziele

Von: H. Jürgen Siebertz
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Soldatenfriedhof Vossenack Archiv
Der Soldatenfriedhof in Vossenack ist einer der Orte im Monschauer Land, der an die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Nordeifel erinnert. Foto: Dorfarchiv Lammersdorf

Nordeifel. Walter Scheibler, der im September 1944 von den Alliierten als Landrat für den Kreis Monschau eingesetzt wurde, machte nach dem Krieg eine Bestandsaufnahme: Er konnte insgesamt 920 Gefallene ermitteln, die im Kreis Monschau ihren Wohnsitz hatten.

Als „vermisst“ galten zu diesem Zeitpunkt 438 Einwohner. Die Zahl derer, die in ihrem Heimatort geblieben waren und dort getötet wurden, betrug 104. In der Evakuierung starben 184 Personen, darunter 58 Kalterherberger. 106 Personen wurden unmittelbar nach dem Krieg durch Minen getötet. Etwa 11.850 Tiere mussten sterben, davon gut 1900 Milchkühe.

12 Kirchen im Monschauer Land wurden total zerstört, 12 weitere schwer beschädigt. Der Ort Kommerscheidt wurde komplett zerstört; Vossenack, Kesternich und Schmidt zu mehr als 90 Prozent; Huppenbroich, Eicherscheid, Rollesbroich und Imgenbroich zu mehr als 80 Prozent. Simmerath, Konzen, Rohren und Höfen über 70 Prozent; Germeter und Dedenborn mehr als 60 Prozent sowie Steckenborn, Hammer und Strauch über 50 Prozent.

Überführung gefallener Soldaten

Die Landstraßen waren zu über 90 Prozent zerstört, die Brücken zu fast 70 Prozent völlig oder teilweise gesprengt. Neben den Schäden an Häusern und Kirchen waren auch das Stromnetz und die Wasserversorgung zerstört worden. Der einst stolze Waldbestand des Kreises Monschau fiel zu einem erheblichen Teil dem Krieg zum Opfer.

Auf der Kriegsgräberstätte in Germeter fanden 2200, auf der Kriegsgräberstätte in Hürtgen 2840 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhestätte. Die Verluste der 1. US-Armee sind für die Zeit vom 11. September 1944 bis zum Beginn der Ardennenoffensive am 16. Dezember 1944 mit über 47.000 Mann beziffert worden.

Die amerikanischen Toten durften nicht auf deutschem Boden beerdigt werden; sie wurden auf Soldatenfriedhöfen in Belgien und Holland beigesetzt oder in die USA überführt.

Eine breite Spur der Verwüstung hatte das Monschauer Land auf Jahrzehnte gekennzeichnet. Die Kämpfe im sogenannten „Hurtgen-Forest“ gingen als größte Schlacht auf deutschem Boden in die Kriegsgeschichte ein.

Im Boden steckten tonnenweise Minen und Blindgänger, die auch viele Jahre später immer noch Opfer forderten. Unzählige Verletzte verbrachten ihr restliches Leben mit Schmerzen oder Behinderungen.

Die Zahl derer, die durch den Krieg psychische Schäden davontrugen, kann nicht einmal geschätzt werden. Viele Millionen Menschen in Europa, Nordafrika, Russland und in Asien mussten mit ihrem Leben bezahlen.

Heute, 70 Jahre später, sind die materiellen Schäden von damals kaum noch sichtbar. Wo 1945 verbrannte Baumstümpfe in den Himmel ragten, wachsen heute wieder stattliche Laub- oder Nadelhölzer. Die vielen Wiesen und Hügel, auf denen einst grauenhafte Schlachten ausgetragen wurden, sind wieder ergrünt und werden von regionaltypischen Buchenhecken umrandet.

In den Dörfern pulsiert das Leben, und eine Fülle von schmucken Neubauten sind die Zierde für jeden Ort. Das Monschauer Land mit seinen Bergen und Tälern, mit seinen Bächen, Stauseen und dem einzigartigen Naturschutzgebiet Hohes Venn ist als Urlaubsziel bekannt und beliebt.

Nur wenige Besucher wissen, was sich dort zugetragen hat. Der Westwall, einst deutsches Symbol der Abwehr und Stärke, ist von der Natur großzügig adaptiert worden. Bäume, Sträucher, Gräser, Klein-Biotope und eine Unzahl von Vögeln und Kleinlebewesen haben diesen Naturraum für sich entdeckt und in Beschlag genommen.

Die gesprengten und noch sichtbaren Bunker bieten Fledermäusen und anderen Tieren Unterschlupf und dürfen aus diesem Grunde nicht begangen werden. Man muss schon etwas tiefer suchen, um noch etwas von der Kriegszeit zu finden.

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