Ehemalige Eisteiche: Wohnraum für Tiere statt kühlem Bier

Von: Andreas Gabbert
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Hier soll bald wieder ein Teich entstehen: „Es ist aber nicht so, dass hier in Zukunft wieder Eisschollen geschlagen werden, um das Bier zu kühlen“, sagt Udo Thorwesten (rechts) von der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion, der diese Maßnahme leitet. Foto: A. Gabbert
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In dem Buch „Wirtshauswesen-Kleinhandel-Trinkgewohnheiten im 19. Jahrhundert – Im Dunstkreis des Reichensteiner Branntweins“ von Hans Gerd Lauscher findet sich auch diese historische Aufnahme von den Eisteichen der Felsenkeller-Brauerei. Foto: Georg Güttsches / Repro: Hans Gerd Lauscher Foto: Georg Güttsches / Repro: Hans Gerd Lauscher
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In dem rund 7500 Quadratmeter großen Gelände sollen Tiere wie die Mauereidechse wieder heimisch werden. Foto: imago/blickwinkel

Monschau. Vor über 100 Jahren ließ die Monschauer Felsenkeller-Brauerei im Kleinen Laufenbachtal zwischen Monschau und Mützenich neun Teiche anlegen, aus denen Eis entnommen und in die Lagerkeller der Brauerei geschafft wurde, um auch im Sommer kühles Bier anbieten zu können.

Als moderne Kühlanlagen Einzug hielten, war diese aufwändige Art der Bierkühlung nicht mehr erforderlich und auch nicht mehr rentabel. Die wie Perlen in einer Kette entlang des kleinen Laufenbaches angeordneten Teiche verlandeten in den Folgejahren, die umlaufenden Trockenmauern der Teichdämme wurden durch Baumwurzeln teilweise erheblich in Mitleidenschaft gezogen, und es entwickelten sich waldartige Strukturen, die aus Sicht des Artenschutzes eine Verarmung des Gebietes bewirkten.

Das soll sich ändern und der Verfall der ehemaligen Eisteiche gestoppt werden. Die Städteregion Aachen hat als Untere Naturschutzbehörde vor einigen Jahren in dem Gebiet mit Hilfe von Landesmitteln mehrere Parzellen erworben, um dort ökologische Maßnahmen zu realisieren. In den vergangenen Jahren wurden bereits erste Maßnahmen vorgenommen. Dammbrüche wurden geschlossen, Sträucher und kleine Bäume wieder entfernt und die alten Teiche teilweise wieder mit Wasser der angrenzenden Quellwiesen gespeist.

„Es ist aber nicht so, dass hier in Zukunft wieder Eisschollen geschlagen werden, um das Bier zu kühlen“, sagt Udo Thorwesten von der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion, der diese Maßnahme leitet. Vielmehr gehe es darum, die Teiche wieder mit tierischem Leben zu füllen und ein vielfältiges Mosaik von Biotopen zu schaffen, die nur noch selten zu finden seien. Thorwesten hofft, dass „nach der Optimierung“ viele Tiere in dem rund 7500 Quadratmeter großen Gelände heimisch werden. Dabei denkt er vor allem an Amphibien und Reptilien wie zum Beispiel Erdkröte, Grasfrosch, Moorfrosch, Bergmolch, Mauereidechse, Geburtshelferkröte und Blindschleiche, aber auch an Libellen und Falter.

Erste Amphibien und Reptilien sind jetzt schon wieder in einem kleinen, offenen Teil der Teichflächen zurückgekehrt. „Wir haben auch schon eine Menge Amphibienlaich gefunden. Ich bin optimistisch, dass spätestens nächstes Jahr im Frühjahr hier in den Teichen viel los sein wird“, sagt Thorwesten.

Vor einem Jahr wurden die beiden mittleren Teiche wieder freigestellt. Jetzt ist die Firma Lebenshilfe Service gGmbH aus Aachen seit einer Woche damit beschäftigt, diese Vorarbeiten weiterzuführen und hat bereits alte Trockenmauerstrukturen überarbeitet, eingebrochene Stellen neu aufgemauert und die Vorbereitungen für die Sedimententnahme aus den beiden Teichen abgeschlossen.

Bis vor zwei Jahren sei das Gebiet noch bewaldet gewesen, vor allem mit Pappeln, die vermutlich einst dort abgekippt wurden, erklärt Thorwesten. „Bisher war das Gebiet staubtrocken, weil die Bäume das Wasser rausgezogen haben“, sagt er. Nun habe man die obere Humusschicht, die durch Laubeintrag und Verfüllung entstanden sei, abgetragen und entsorgt. „Das sind Massen, die nicht im Naturschutzgebiet abgelagert werden können“, sagt Thorwesten. Beabsichtigt sei, einen positiven Gesamtzustand zu schaffen und „Einzelwohnungen für alle Interessierten anzubieten. Manche Tierarten sind eben auch gerne für sich allein“, erläutert Thorwesten.

Auch die anderen Teiche sollen nach und nach teilweise wiederhergestellt werden. Dann gelte es, zu schauen, wie sich die Sache entwickelt. „Wir müssen uns hier vorsichtig herantasten und sehen, wie es die Tiere annehmen. Im Naturschutzgebiet einen Kahlschlag zu produzieren, wäre fatal“, sagt Thorwesten. Um den Tieren auf Dauer dort einen Lebensraum zu bieten, müsse man von Zeit zu Zeit wieder eingreifen, die Trockenmauern kontrollieren und die Sämlinge von Laubgehölzen entfernen. Diese Maßnahmen seien aber nach Möglichkeit auf ein Minimum zu reduzieren, erklärt er.

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