Edle Tropfen aus dem Rurtal: Weinfest in Obermaubach

Von: ab
Letzte Aktualisierung:
Nicht mehr lange, dann beginnt
Nicht mehr lange, dann beginnt am Bovenberg für Ludwig Schnitzler und Hans Peter Wollenweber (v.l.) von der Arbeitsgemeinschaft Obermaubach die Weinlese. Foto: Andreas Bongartz

Obermaubach. Es genügen ein paar gezielte Handgriffe und schon sind die Zwischentriebe entfernt. Der Rebstock sieht nun ein wenig gerupft aus. Ludwig Schnitzler und Hans Peter Wollenweber wissen allerdings genau, was sie tun. „Sieht zwar schön aus, bringt aber nichts”, sagt Schnitzler mit Blick auf die sprießenden Weinstöcke. Die Zwischentriebe nehmen der Frucht die Kraft, erklärt er.

Und um die Frucht geht es hier am Bovenberg quasi das ganze Jahr über: Sie muss gehegt und gepflegt werden, schließlich soll aus den Weintrauben noch ein edler Tropfen gewonnen werden. „Obermaubacher Bovenberger Sonnenhang” nennt er sich und wird im kleinen Ort in der Gemeinde Kreuzau seit fast 20 Jahren von der Arbeitsgemeinschaft Obermaubach produziert.

Weil der Weinanbau jedoch eine Wissenschaft für sich ist, bekommen die Hobbywinzer seit jeher tatkräftige Unterstützung von der Winzerfamilie Kilburg. Bei den Winzern von der Mosel wird der Obermaubacher Wein auch gekeltert. „Das Keltern ist sehr aufwändig, da muss man über Wochen auf Abruf stehen und den Gärungsprozess im Auge behalten, damit dieser nicht kippt”, berichtet der Vorsitzende der AG, Schnitzler. Hierzu habe man in Obermaubach schlichtweg nicht die Ressourcen.


Abgesehen vom Keltern managen die Obermaubacher den Weinanbau in ihrem Heimatort aber komplett eigenständig, vom Rebschnitt im Frühjahr über das Spritzen gegen Mehltau und das regelmäßige „Ausgeizen” der Zwischentriebe bis zur Ernte und dem anschließenden Transport der Weintrauben an die Mosel. Bei 145 Weinstöcken, an die jährlich bis zu 18 Mal Hand angelegt werden muss, ein Knochenjob, dem die Obermaubacher dennoch gerne frönen. Nicht, weil das Geschäft überaus ertragreich wäre.

Von kommerziellem Weinanbau kann bei maximal 300 Flaschen „Bovenberger Sonnenhang” pro Jahr kaum die Rede sein. Den Hobbywinzern um Schnitzler und Wollenweber geht es um die Kultur des Weinanbaus. Und die reicht in Obermaubach weit über die zwanzigjährigen Aktivitäten der AG hinaus: Lange Zeit war der Weinanbau im Rurtal wichtiger als die Landwirtschaft, erst zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts verdrängte die Industrialisierung den Weinanbau in Obermaubach.

Sogar Kaiser Karl, heißt es, habe Gefallen am Obermaubacher Wein gefunden. Der Heimatdichter Josef Schregel wiederum bezeichnete den edlen Tropfen einst als „Knochenbrecher”, was zum einen auf die schwer zugänglichen Südhänge, als auch auf den herben Geschmack des Weins verweisen könnte. Dass diese Art der Kulturpflege zu einem leckeren Ergebnis führt, davon kann man sich an diesem Wochenende überzeugen, wenn die AG ihr traditionelles Weinfest veranstaltet. Es steigt am 10. und 11. September. Samstag geht es um 14 Uhr los, tags darauf um 11 Uhr.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert