Droht dem Klinikum wieder ein Streik?

Von: Oliver Schmetz
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„Atmosphärisch ist im Haus damals einiges beschädigt worden”: Vor drei Jahren zog sich der Arbeitskampf am Klinikum lange hin. Foto: M. Jaspers

Aachen. „Streik” - bei vielen Mitarbeitern des Klinikums wird dieses Wort Emotionen auslösen. Denn die Erinnerung an den letzten großen Arbeitskampf im Großkrankenhaus, der sich vor rund drei Jahren über viereinhalb Monate hinzog, ist durchaus noch frisch.

Das gilt auch für die Chefetage: „Von dieser Zeit ist etwas hängengeblieben”, sagt Verwaltungsdirektor Detlef Klimpe und meint damit nichts Gutes: „Atmosphärisch ist im Haus damals einiges beschädigt worden.”

Nun könnte das Reizwort erneut aktuell werden. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat am Mittwoch angekündigt, mit den Unikliniken in NRW Verhandlungen über die Einrichtung von Notdiensten aufnehmen zu wollen - damit im Falle von Streiks die Versorgung der Patienten nicht gefährdet wird. Zum Streik könnte es kommen, wenn im aktuellen Konflikt mit der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) keine Einigung erzielt wird.

In der ersten Verhandlungsrunde hatten die Gewerkschaften acht Prozent mehr Lohn und Gehalt für die Beschäftigten der Länder gefordert, die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt. Am nächsten Montag sitzt man wieder an einem Tisch. Bleiben die Fronten verhärtet, dürfte dies erste Folgen haben. Bereits ab kommender Woche müsse an den Unikliniken mit Aktionen und Warnstreiks gerechnet werden, teilte Verdi mit.

Das sieht man auch bei der Gewerkschaft „dbb tarifunion” so, die mit Verdi die Arbeitnehmerforderungen vertritt. „Wir bereiten uns auf Aktionen vor”, sagt Karlheinz Semmler, stellvertretender Personalratschef im Klinikum und „dbb”-Streikleiter beim letzten Arbeitskampf. Ob diese umgesetzt werden, hänge von den Arbeitgebern ab. Sie müssten „als deutliches Signal zumindest ein vernünftiges Angebot vorlegen”.

Die Streikbereitschaft im Hause sei indes „schwer einzuschätzen”, sagt der Personalrat. Es herrsche große Unsicherheit unter den rund 4300 nichtwissenschaftlichen Mitarbeitern angesichts des permanenten Sparzwangs - und der für viele noch ungewissen Folgen, die damit verbunden sein könnten.

Dass weitere „einschneidende Maßnahmen” anstehen, daraus macht Verwaltungschef Klimpe kein Hehl. „Wir werden nie mehr in die Situation kommen, in der wir sagen, der Betrieb ist optimiert und wir müssen nichts mehr tun”, sieht er einen „permanenten Prozess”, der aber von einem Tarifabschluss nicht entscheidend tangiert werde.

Und von einem Streik? Noch sieht Klimpe das Ganze gelassen. „Ich glaube, dass es nicht dazu kommt”, sagt er. Bei Verdi beurteilt man die Lage anders. Das Verhalten der Arbeitgeber sei bislang „zynisch”, sagt Gewerkschaftssekretär Stefan Jungheim, „für mich ist noch keine Einigung in Sicht”. Doch bevor Jungheim wie vor drei Jahren in die Rolle des Streikleiters schlüpfen müsste, ist noch viel Zeit für Kompromisse: Verhandlungen, Friedenspflicht, Schlichtung - richtig akut würde das Wort „Streik” am Klinikum wohl frühestens Ende März werden.
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