Drei Nägel und ein Quarzitblock

Von: Helga Giesen
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Geschäftsführer Herbert Steffens (li.) und der Vorsitzende Rolf Vogel hatten sich mit ihren Vorstandskollegen vom Roetgener Eifelverein jahrelang für den „Genagelten Stein“ eingesetzt, ihnen galt bei der Einweihung des Kulturdenkmals der Dank von Bürgermeister Manfred Eis (re.) Foto: Helga Giesen

Roetgen. „Alle kennen seinen Namen – aber kaum jemand hatte ihn je gesehen, kaum jemand wusste, wo er sich befand – der „Genagelte Stein“. So stellte Rolf Vogel, Vorsitzender des Roetgener Eifelvereins, das Objekt vor, das jetzt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand.

Zur Einweihung des Natur- und Kulturdenkmals konnte er Vertreter aus Politik und Verwaltung, aber auch interessierte Roetgener Bürger begrüßen. Er freute sich, dass rund 50 Gäste zu der kleinen Feier gekommen waren, um ihr Interesse an der Arbeit des Eifelvereins und dem Objekt zu bekunden.

Der „Genagelte Stein“ ist in allen Wanderkarten als „Naturdenkmal“ verzeichnet – obwohl er eher ein kulturhistorisches Denkmal ist, so Rolf Vogel. Er hat dem Roetgener Gewerbegebiet und einer der Straßen seinen Namen gegeben und auch dem im letzten Jahr wiedereröffneten Hotel-Restaurant, das hier anstelle des noch vielen Roetgenern bekannten, traditionsreichen und sehr beliebten Restaurants Hütten errichtet wurde, das nach über 300 Jahren 1974 der Verbreiterung der Bundesstraße weichen musste.

Schon seit der letzten Eiszeit -vor etwa 15.000 Jahren- liegt der mächtige, aus dem Kabrium stammende Quarzitblock an seinem Platz am Grölisbach. Um 1530 haben dann die damaligen Herren des Gebietes, der Fürstabt von Kornelimünster, der Herzog von Limburg sowie der Herzog von Jülich, zu dessen Herrschaft Monschau auch der damals noch junge Ort Roetgen gehörte, diesen Stein genutzt, um hier durch das Einschlagen von drei eisernen Nägeln ihre Grenzen eindeutig zu markieren. Diese hatten dann fast 300 Jahre Bestand, bis die Franzosen alle Grenzen aufhoben und die Zuständigkeiten veränderten. Der „Genagelte Stein“ verlor seine Bedeutung. 1802 wurde der Dreikantstein gesetzt, der die Grenzen zwischen den Gemeinden Roetgen, Walheim und Raeren markierte.

Der Name blieb in Erinnerung, der Stein selbst jedoch wuchs zu, er war nicht mehr zu sehen und kaum noch zu erreichen. Auch die Nägel verschwanden. Insbesondere Geschäftsführer Herbert Steffens und der Vorsitzende Rolf Vogel, beides „Urroetgener“ in den Reihen des Eifelvereins-Vorstands, machten es sich vor einigen Jahren zur Aufgabe, den „Genagelten Stein“ aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken.

Komplizierte Eigentumsverhältnisse, die durch die Erschließung des Gewerbegebietes entstanden waren, und andere Zuständigkeiten mussten mit der Gemeinde und weiteren Behörden abgeklärt werden. Es wurden Pläne angefertigt und diverse Anträge gestellt, aber zunächst führte nichts zum Ziel.

Erst als im vergangenen Jahr das Hotel-Restaurant „Genagelter Stein“ wiedereröffnet wurde, ergab sich die Chance, doch noch einen Zugang zu verwirklichen. Dank der Einwilligung des Grundstückeigentümers Wassili Lazaridis und der Unterstützung des Pächters Otto Bach sowie der Freigabe des Geländes rund um den Stein durch die Gemeinde, konnte das Projekt neu angegangen werden.

Der Quarzitblock und die verwilderte Umgebung wurden von allem Bewuchs befreit, eine feste Zuwegung wurde angelegt und eine Infotafel mit der Historie dieses geschichtsträchtigen Ortes aufgestellt. Auch seine Nägel wurden dem Stein zurückgegeben. Nach einem alten Foto konnten die Positionen rekonstruiert und mit Hilfe eines Magneten auch Eisenspuren an den betreffenden Stellen nachgewiesen werden.

Es sei nicht leicht gewesen, eine „behördlich gesicherte und genehmigte Zuwegung“ zum „Genagelten Stein“ zu erreichen, blickte auch Bürgermeister Manfred Eis auf den langen Weg zurück. Nun freue er sich, dass dank einer konzertierten Aktion für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation entstanden sei.

Der Eifelverein könne endlich einen Erfolg seiner Bemühungen verbuchen und auch für die Gemeinde ebenso wie für den Grundstückseigentümer und das Restaurant sei es von Vorteil, dass das für eine ganze Region bedeutsame Denkmal wieder zum Vorschein gebracht und mit einer schön gestalteten Anlage zugänglich gemacht wurde.

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