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Drehturm Belvedere an Aachener verkauft

Von: Robert Esser
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Umbau genehmigt: Die neuen Eig
Umbau genehmigt: Die neuen Eigentümer des Drehturms auf dem Lousberg wollen den alten Wasserspeicher im Bauch des Aachener Wahrzeichens demontieren und vier weitere Büroetagen mit jeweils 220 Quadratmetern Fläche sowie neue Fensterfronten integrieren. Foto: Achim Keiper

Aachen. Und er dreht sich doch! Nach mehr als elf Jahren Zwangsverwaltung bekommt der Drehturm Belvedere auf dem Lousberg neue Eigentümer.

Hinter verschlossenen Türen haben Carlo Blatz, Geschäftsführer der Multimedia-Agentur Powerflasher und der Werbeagentur Power + Radach, sowie Jochen Hermanns, Sohn des Projektentwicklers und Investors Norbert Hermanns, jetzt die Kaufverträge für das imposante Aachener Wahrzeichen unterschrieben.

Damit gelang es Blatz und Hermanns, den Turm - für den sich diverse ausländische Investorengruppen interessierten - endgültig in kaiserstädtischer Hand zu halten. Bereits 1999 war die Immobilie im Zuge der Pleite des damaligen Inhabers unter Zwangsverwaltung gestellt worden. „Seit fünf Jahren bemühen wir uns um den Kauf. Wir sind überglücklich, dass endlich eine Lösung gefunden wurde”, sagt Blatz.

Er ist nicht nur mit seiner vielfach preisgekrönten Multimedia-Agentur, sondern auch neben Geschäftsführer Bernd Steinbrecher mit einer renommierten Werbeagentur seit Jahren Mieter an der exklusiven Adresse Belvedereallee 5 und nutzt mittlerweile drei Etagen des 35 Meter hohen Bauwerks.

„Wir hätten während der Zwangsverwaltung innerhalb von vier Wochen vor die Tür gesetzt werden können”, erklärt Blatz. „Das war ein unmöglicher Zustand. Jetzt können wir verlässlich planen und den Aachenern ihr Wahrzeichen zurückgeben”, erklärt der Multimedia-Spezialist.

Gesucht wird nun ein patenter Gastronom, der mit einem herausragenden Konzept den Drehteller in der obersten Etage und das rund 100 Quadratmeter große Lokal im Erdgeschoss inklusive Biergarten wiederbelebt. Seit den 70er Jahren zog das Dreh-Restaurant mit seinem Panorama-Blick über Aachen ungezählte Besucher an.

Anfang der 90er Jahre war es geschlossen und nach aufwendigen Sanierungsarbeiten erst 2005 als Café wieder eingeweiht worden. Doch die letzte Pächterin ließ ihren Mietvertrag im März 2011 auslaufen. Seitdem herrscht Stillstand. Im Frühjahr - wenn letzte Details in Sachen Erbpacht mit der Stadt geklärt sind - sollen die gastronomischen Türen öffnen und der Drehturm Fahrt aufnehmen, mit einer Umdrehung pro Stunde.

Blatz und Hermanns halten zudem bereits eine Baugenehmigung in Händen, die einen umfassenden Ausbau des technischen Denkmals erlaubt. Der riesige Wasserkessel im Bauch des Wasserturms, der 1988 außer Betrieb gestellt wurde, darf nun nämlich endlich herausgebrochen und demontiert werden. „Damit wird Platz frei für vier weitere Büroetagen mit je 220 Quadratmetern”, rechnet Blatz vor.

Sobald Mieterzusagen unter Dach und Fach sind, soll der Umbau starten. Vorgesehen sind dabei große Fensterflächen, die in die runde Hülle geschnitten werden. Der Durchmesser des Turms beträgt knapp 19 Meter. Rund um den nachträglich installierten Aufzug führen 173 Stufen vom Sockel bis zur Turmspitze.

Apropos: Es soll weiter aufwärts gehen. „Es ist uns wichtig, dass dieses einzigartige Bauwerk nicht nur in der Substanz erhalten wird”, betont Blatz. „Vielmehr wollen wir die Wertigkeit noch weiter steigern. Dazu haben wir nun als Eigentümer endlich die Chance”, freut er sich.

Über viele Jahre hatte sich Zwangsverwalter Helmut Reitz um einen Verkauf der Immobilie bemüht. Dabei bestand die Stadt (der das Grundstück gehört) stets darauf, dass die oberste Etage mit Drehplattform und kreisrunder Terrasse als öffentlich zugängliches Restaurant genutzt werden muss. Auch um den Rückbau des teils denkmalgeschützten Wassertanks, der für Besucher gar nicht sichtbar ist, wurde lange gerungen.

Ausgeschlossen wurden gastronomische Konzepte, die ähnlich einer Diskothek oder eines Clubs für viel nächtlichen Autoverkehr auf der Belvedereallee des Lousbergs gesorgt hätten. Viele Anläufe scheiterten, jetzt kommt mit den neuen Eigentümern Blatz und Hermanns endlich wieder Schwung ins Objekt. Beide Unternehmer sind davon überzeugt, dass sie den Dreh raus haben.

Seit März 2011 steht das Drehrestaurant still

Seit dem 28. März 2011 ist das Restaurant im ehemaligen Wasserturm geschlossen, der 1958 fertiggestellt worden war. Die letzte Pächterin, Maria Poquett, hatte den Mietvertrag auslaufen lassen.

Die ersten Negativ-Schlagzeilen machte der Drehturm Belvedere auf dem Lousberg bereits 1999. Investor Manfred Dick, der das 35 Meter hohe Wahrzeichen 1994 angeblich für 1,1 Millionen Mark von der Stawag erstanden und mit dem Umbau begonnen hatte, rutschte in ein Insolvenzverfahren. Seit mehr als elf Jahren fungiert der Aachener Rechtsanwalt Helmut Reitz als gerichtlich eingesetzter Zwangsverwalter der Immobilie. Mit der Stadt besteht indes ein Erbpachtvertrag.

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