Simmerath - Dr. Winfried Enzensberger : „Ich durfte werden, was ich mir wünschte“

Dr. Winfried Enzensberger : „Ich durfte werden, was ich mir wünschte“

Von: P. St.
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Nach 32 Jahren nimmt der Oberarzt und Gastroenterologe Dr. Winfried Enzensberger Abschied von der Eifelklinik Simmerath. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. „Haben Sie Winterreifen?“, lautete die erste Frage, die der legendäre Chefarzt des Simmerather Krankenhauses, Dr. Theo Schwonzen, an Dr. Winfried Enzensberger richtete, bevor dieser am 2. Januar 1986 seine Tätigkeit am St.-Brigida-Krankenhaus aufnahm.

Enzensberger, der aus Kempten im Allgäu stammt, konnte die Frage bejahen, und bei Kälte und Schneefall erreichte er sicher seinen neuen Arbeitsplatz in der Eifel. Als er dann auf dem Schreibtisch seines Büros noch eine Flasche Wein und eine Begrüßungskarte des Chefs vorfand, war nicht nur gleich das Eis gebrochen, sondern Winfried Enzensberger war auch im übertragenen Sinne in Simmerath angekommen.

„Ich habe diese Entscheidung nie bereut“, sagt der heute 65-jährige Mediziner, der die Eifel den Alpen vorzog, in Aachen studierte und vor seiner Tätigkeit in Simmerath an einer Klinik in Rheydt arbeitete.

32 Jahre lang gehörte er als Oberarzt zum Team des Simmerather Krankenhauses, ehe er Ende Oktober 2017 Abschied von der Eifelklinik nahm. Am Freitag, 27. Oktober, standen noch vier Darmspiegelungen im Terminkalender, dann war ganz unspektakulär Schluss. Im Kreise seiner Kollegen von der Gastroenterologie-Abteilung und der niedergelassenen Ärzte aus der Eifelregion wurde anschließend im Rahmen einer kleinen Feier das langjährige Wirken des Mediziners gewürdigt, der mit seiner bescheidenen und freundlichen Art auch zahlreichen Patienten in guter Erinnerung bleiben dürfte.

Das berufliche Leben von Winfried Enzensberger, der 1979 sein Examen ablegte, ist mit dem Abschied aus Simmerath aber noch nicht beendet, sondern hält noch eine neue Herausforderung bereit. Einer Anfrage des Aachener Marienhospitals, ab dem 1. November für drei Tage in der Woche die Arbeit der Endoskopie-Abteilung mit einer Teilzeitstelle zu unterstützen, folgte er gerne.

Erinnerungen an den ersten Tag

An jenen Tag im Herbst 1985, als er das Simmerather Krankenhaus, das damals noch von der Ordensgemeinschaft der Celitinnen geleitet wurde, erstmals sah, kann sich Winfried Enzensberger noch genau erinnern. „Das Haus wirkte fast wie eine Kurklinik, und ich war überrascht von der großzügigen Empfangshalle.“ Eigentlich habe er auch viel zu spät wahrgenommen, „dass ich ja immer in einem Naherholungsgebiet gearbeitet habe“, schmunzelt Enzensberger.

Das mag auch daran gelegen haben, „dass wir als Zugezogene sofort akzeptiert wurden“, sagt er. Nicht minder überrascht war der Internist an seinem neuen Arbeitsplatz von der Dimension des endoskopischen Bereiches in einem ländlichen Krankenhaus, das für die Grund- und Regelversorgung zuständig ist. „Dr. Schwonzen war damals schon sehr innovativ“, unterstreicht Enzensberger die Bedeutung des Chefarztes und späteren ärztlichen Direktors für die Entwicklung des Krankenhauses.

In den nachfolgenden drei Jahrzehnten sollte Winfried Enzensberger, der ein Haus in Kesternich bezog, unruhige Zeiten, Krisensituationen, aber auch erfolgreiche Kapitel am Simmerather Krankenhaus miterleben. Bis 1996 führten die Celetinnen das Haus, ehe die Malteser für 14 Jahre die Leitung übernahmen. Nach deren Rückzug übernahm ab 2010 der Klinikverbund Artemed das Simmerather Krankenhaus, das fortan unter dem Namen Eifelklinik sein Profil wieder schärfen konnte.

Die Phase, als das Krankenhaus in der Verantwortung der Malteser stand, war besonders schwierig, weil lange Zeit die Geburtshilfe zur Diskussion stand, das Image des Hauses in der Öffentlichkeit Schaden nahm, und am Ende auch einige niedergelassene Ärzte auf Distanz zum Krankenhaus gingen.

Schwerpunkte und Fachgebiete

Aber auch in dieser schwierigen Phase, räumt Enzensberger ein, habe er im Krankenhaus Simmerath immer die Möglichkeit gehabt, mit der Zeit zu gehen und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Richtig „aus dem Tal gekommen“ sei das Krankenhaus Simmerath aber erst nach der Übernahme durch die Artemed-Gruppe und der damit verbundenen Änderung der Finanzierung durch den Gesetzgeber.

Der neue Träger habe die Bedeutung des Hauses für die Region und als wichtiger Arbeitgeber wieder gestärkt. „Da hängt viel dran.“ Das Krankenhaus verfüge jetzt wieder über „ein positives Image“, sagt Enzensberger. Ein wesentlicher Faktor dabei sei auch, dass das Haus bei der personellen Ausstattung stets eine große Kontinuität habe vorweisen können.

Das Krankenhaus habe schon frühzeitig damit begonnen, sich mit Schwerpunkten und Fachgebieten zu positionieren. So hätten bereits die Malteser mit der Gastroenterologie und der Kardiologie eine Spezialisierung eingeleitet. „Diese Schwerpunkt-Aufteilung hat das Krankenhaus nach vorne gebracht“, ist Enzensberger überzeugt. Eine weitere verlässliche Säule für das Haus sei die gute Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten. „Diese kennen den Patienten schließlich am besten, ohne deren Mitwirkung würde viel am Krankenhaus vorbeigehen“, weiß Enzensberger.

Ein weiterer wichtiger Indikator sei schließlich auch die Zufriedenheit der Patienten. Am liebsten ist es Enzensberger, wenn der Patient am Ende der Behandlung sagt: „Ich habe gar nichts gemerkt.“

Als Mediziner sei es wesentlich, sich ständig fortzubilden, wissbegierig zu bleiben und aktuelle Entwicklungen aufzugreifen. Die Schulmedizin bilde zwar die Basis, aber man solle auch für alternative Heilmethoden offen bleiben, sagt Winfried Enzensberger, der rückblickend dafür dankbar ist, „dass ich gesundheitlich auf der Höhe geblieben bin, und das werden durfte, was ich mir immer gewünscht habe“.

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