Roetgen - „Double Drums“: Auch auf der Treppenleiter lässt es sich gut trommeln

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„Double Drums“: Auch auf der Treppenleiter lässt es sich gut trommeln

Von: P. St.
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Eine energiegeladene Show, die von Rhythmus, Virtuosität, Emotionen und Freude an der Musik gekennzeichnet war, bot das „Duo Double Drums“ bei seinem Konzert in Roetgen. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Heftig getrommelt wurde am Freitag in der Eifel – und die Botschaft war eindeutig: Trommeln ist mehr als nur mit Stöcken wirbeln, sondern kann auch ein Gesamtkunstwerk sein.

Die hohe Kunst der Percussion erlebten gut 200 restlos begeisterte Besucher in der evangelischen Kirche in Roetgen, wo im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion Aachen das Duo „Double Drums“ mit ungebremster Spielfreude unter Beweis stellte, dass man mit allerlei Schlag- und Effektinstrumenten, bis hin zum einfachen Händeklatschen, einen ganz eigenen Musikstil entwickeln kann. Ist das Schlagzeug bei Konzerten häufig im Hintergrund platziert, so übernahmen Trommeln, Becken und Rasseln bei den „Double Drums“ die absolute Führungsrolle.

Die aus München stammenden Profi-Musiker Alexander Glöggler und Philipp Jungk, die beide klassische Percussion an der Hochschule für Musik in München bei Prof. Dr. Peter Sadlo studierten, luden die Besucher ein „zu einer Reise durch die Welt der Rhythmen“. Im Jahr 2004 absolvierten sie ihr Studium mit dem Meisterklassendiplom und gründeten das Percussion-Duo „Double Drums“. Auf der ganzen Welt sind sie inzwischen unterwegs, am liebsten in China, und entsprechend multikulturell und originell ist ihr Programm.

Mit einer sphärischen Reise durch die Unterwasser-Welt stieg das Duo meditativ ein, ehe es dann furioser wurde bei einem Streifzug durch die afrikanische Savanne. Die mit Trommelklang in Marsch gesetzte Gnu-Herde erschien plötzlich gar nicht mehr so fern. Es ging weiter musikalisch durch die chinesische Wüste, ehe die Reise dann plötzlich zwischen die Regelwände eines Baumarktes abbog, wo sich die Musiker mit Spachteln, Knarren, Putzglätter, Stichsäge und Akku-Schrauber eindeckten, und mit diesen Alltagsgegenständen ein kleines Konzert darboten. Da war der Weg zu Kochtöpfen und Benzinkanistern nicht weit, wobei das Publikum klatschend in die Rhythmen einstieg.

Jedes Stück entfachte seine eigene Melodie und Klangfarbe und Intensität, und was so leicht und spontan aussieht, ist harte Probenarbeit, denn alle Stücke sind bis auf den letzten Schlag durchkomponiert. Nichts wird dem Zufall überlassen, und nur ganz selten bleibt minimaler Raum für Improvisation.

Immer wieder wurden die Besucher mit neuen Klangwelten konfrontiert, ob bei einem minimalistischen Stück auf dem Marimbaphon, einem Ausflug mit dem Segelschiff in die Karibik oder einem wilden Trommel-Duell der beiden Akteure, die die Zuschauer auch mal kurz ins Fußballstadion entführten. Der Spaß kommt bei den „Double Drums“ auch nicht zu kurz. Mehrere hundert Schlagwerke und Instrumente stehen zur Verfügung mit ebenso verblüffendem wie gewöhnungsbedürftigem Klang.

Als Solisten traten Alexander Glöggler (Jahrgang 1976) und Philipp Jungk (Jahrgang 1977) bereits mit dem Münchener Kammerorchester und dem Münchener Rundfunkorchester auf, und ihre jährlichen Konzerttourneen führen sie in die großen Konzertsäle Asiens.

Im Zugabenteil beim Konzert in Roetgen gab das Duo „Double Drums“ dann noch einmal Vollgas. Ein großer Karton aus Wellpappe wurde mit Trommelstöcken weichgeklopft, und auch Treppenleitern aus Metall können jedes Schlagzeug ersetzen. Die beiden Stehleitern sind den Musikern inzwischen wertvolle Wegbegleiter, denn in den Baumärkten findet man heute nur noch Alu-Leitern, die aber bei weitem nicht die das Klangvolumen der herkömmlichen Eisengestelle bieten.

Mit Standing Ovations wurde das sympathische Duo verabschiedet, und im Vorraum der Kirche wechselte noch so manche CD ihren Besitzer. Alexander Glöggler und Philipp Jungk haben vor allem ein Anliegen. Sie wollen alle Spielarten und Facetten des Schlagzeuges erkunden und wie sie betonen, „richtig gute Musik machen“.

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