Doppelagent und Journalist liest im Kunst-Forum-Eifel

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Der Andrang zur Premierenlesung aus Peter Feltens Autobiografie „Doppelagent im Kalten Krieg“ im Kunst-Forum-Eifel war groß: Der Journalist (im Bild rechts stehend) fesselte seinen Zuhörer mit Einblicken in sein bewegtes Leben. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Nordeifel. Der Andrang zur Premierenlesung aus Peter Feltens Autobiografie „Doppelagent im Kalten Krieg“ im Kunst-Forum-Eifel in Gemünd war groß. Lothar Braunisch von der gastgebenden Buchhandlung Wachtel konnte gut 75 Zuhörer auf der mittleren von drei Foren-Etagen begrüßen.

Peter Felten, gelernter Fotograf und Tageszeitungsredakteur, führte selbst in sein Werk ein, das er als „ein Stück Zeitgeschichte“ bezeichnete, das nicht nur dazu da sei, seine eigene Spionagevergangenheit aufzuarbeiten, sondern das auch seinen Beitrag dazu leiste, dass „an vielen Menschen begangenes Stasi- und DDR-Unrecht nicht in Vergessenheit gerät“.

Auf das Delikt, das man Felten vorwarf und wegen dem man ihm unter obskuren Begleitumständen den Prozess machte und ihn zu zwölf Jahren Gefägnis in Bautzen verurteilte, stand zu jener Zeit in der Deutschen Demokratischen Republik immerhin die Todesstrafe. Drei Stasi-Offiziere wurden in der Zeit, in der Felten wegen Agententätigkeit einsaß, wegen dieses Deliktes mit Genickschüssen hingerichtet.

In den Händen der Stasi

Dass ihm selbst statt zwölf Jahren im Gefängnis „Bautzen II“ auch die Liquidation hätte drohen können, wurde dem gebürtigen Kölner und Wahl-Eifeler, der inzwischen in Frankreich lebt, erst viel später bewusst. In den Händen der Stasi-Agenten, deren Justiz- und Vollstreckungsapparat wurde dem Gemünder Journalisten dennoch schnell deutlich, dass er der Willkür seiner Gegenüber unterworfen wurde. Ob er jemals die Eifel wiedersehen würde, seine Tochter Petra oder seine Lebenspartnerin Irene Steffen, war völlig unklar.

Auch, dass sein Austausch gegen die Gattin des Kanzleramtsspions Günter Guillaume schon anderthalb Jahre nach der Inhaftierung erfolgen würde, konnte Felten in den DDR-Gefängnisse nicht im Entferntesten ahnen. Seine Post wurde zensiert, persönliche Kontakte mit Westdiplomaten auf dem Gerichtsflur mit Körpereinsatz verhindert.

Später allerdings, nach der Verurteilung, machten seine Bewacher und Verhörer plötzlich „komische Bemerkungen, wie die vom Vogel, der womöglich bald geflogen käme“, so Felten. Gemeint war der berühmte DDR-Anwalt und Notar Wolfgang Vogel, der zwischen den deutschen Staaten wandelnde Unterhändler, der die ersten Agentenaustausche zuwege brachte und später auch in Sachen Devisenbeschaffung für die DDR Schlagzeilen machte.

Peter Felten fesselte seine Zuhörer in Gemünd anderthalb Stunden mit chronologisch aufeinanderfolgenden Passagen aus seiner Autobiografie von der Vorgeschichte seiner Agententätigkeit bis zur Freilassung in den Westen. Zwischendurch wechselt die Handlung im Buch wie in der Lesung zwischen DDR-Gefängnissen und dem Heimatort Gemünd, wo der Autor auch die Befindlichkeiten seiner engsten Angehörigen und Freunde zum Ausdruck bringt.

Man bekommt einen guten Einblick in die Zeitumstände und auch in die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen hüben und drüben des Eisernen Vorhangs.

Felten las mit leiser, etwas heiserer, aber mikrofontechnisch verstärkter Stimme sehr eindringlich und pointiert. Unter den gebannt zuhörenden Gästen befanden sich eine ganze Reihe von Weggefährten und Bekannten aus der Gemünder Zeit des inzwischen abwechselnd in Schleiden und in der Dordogne lebenden Autors.

Große Gefühle

Ihnen gab Felten bei diesem Leseabend der Buchhandlung Wachtel im Kunst-Forum-Eifel nicht nur Einblick in die genauen Abläufe der Geschehnisse zwischen 1974, der Aufnahme seiner Doppelagententätigkeit, und 1996, als er Einblick in seine 700 Seiten Stasiakten nahm. Felten gelang es in der Lesung, wie im Buch, auch große Gefühle und Haltungen zu beschreiben und nachvollziehbar zu machen: Angst, Wut, Mut, Selbstbehauptung, Verzweiflung – und Glauben.

Der Reporter und Agent, der auch an diesem Leseabend in Gemünd viel Wert auf die Feststellung legte, dass er einmal Kölner Domchorknabe war, was ihn und sein Leben geprägt und verhindert habe, dass er womöglich einmal auf die schiefe Bahn geraten wäre – nun, dieser frühere Domchorknabe nahm in der Berliner U-Haft Verbindung mit seinem Herrgott auf.

Und zwar über die Kirchenglocken, die er läuten hörte, während er in einer selbst nach oben hin mit Draht versperrten Art Hundezwinger seinen „Freigang“ nahm: „Als ich die Glocken läuten hörte, wusste ich, es kann so schlimm nicht werden.“ Er habe für sich beschlossen, dass das Glockenläuten nicht aus dem Westen über die Mauer an sein Ohr drang: „Ich war sicher, dass es auch hier im Osten noch Menschen gab, die an Gott glaubten.“

Nachfrage größer als Angebot

Nach der Lesung musste der Autor viele Hände schütteln und Bücher signieren. Manche mussten sich mit Buchgutscheinen begnügen, denn die Nachfrage überstieg an diesem Abend das Angebot erheblich.

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